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Lenggries:Regeln für die Isar

Bächental Dürrach Tirol

Ein Reglement für das Schlauchbootfahren auf der Isar fordert Karl Probst, Vorsitzender des Vereins "Rettet die Isar".

(Foto: Manfred Neubauer)

Flussretter wollen Bootsverkehr stark einschränken

Von Klaus Schieder, Lenggries

Schlauchbootfahren auf der Isar ist an schönen Sommertagen ein Massenvergnügen. Kommerzielle Anbieter haben solche Gaudi-Ausflüge auf dem Fluss im Programm, in sozialen Netzwerken verabreden sich Freizeitkapitäne gruppenweise. Das Buhei mit Paddel und Schwimmweste ist Natur- und Vogelschützern im Landkreis ein Dorn im Auge, sie sehen unter anderem Fische und brütende Vögel in Gefahr. In ihren Chor stimmt auch der Verein "Rettet die Isar" ein. Mehr noch: Vorsitzender Karl Probst und seine Mitstreiter fordern eine Verordnung, die das Bootfahren auf der Isar reglementiert. "Der Vorteil ist, man kann darin die Dinge dezidiert und genau regeln", sagt Probst.

Der Verein will damit nicht die Bayerische Verfassung aushebeln, die jedem Einwohner des Freistaats das Recht zugesteht, die Natur und ihre Schönheiten zu genießen. "Den Gemeingebrauch wollen wir erhalten, es wird einem ja schnell unterstellt, man wolle die Leute aussperren", betont Probst. Aber das Bootfahren dürfe nur im Korsett des Natur- und Landschaftsschutzes erlaubt sein und benötige klare Regeln. Eine Verordnung könne beispielsweise vorschreiben, wo der Ein- und Ausstieg statthaft sei und ab welchen Wassermengen der Isar gefahren werden dürfe. Zudem wäre darin ein temporäres Verbot sinnvoll, etwa zu den Laichzeiten der Fische. "Je mehr Menschen es auf der Isar sind, desto mehr Ordnungsbedarf besteht", sagt der Vorsitzende des Vereins, der die Isar als Wildflusslandschaft schützen möchte und sich für einen ökologischeren Umgang mit dem Fluss stark macht.

Von einer Selbstverpflichtung der Firmen und Privatkapitäne hält er nicht sonderlich viel. Er vergleicht die Situation auf der Isar mit dem Straßenverkehr. Dafür gebe es ja auch Paragrafen, weil es Unsinn wäre, auf Freiwilligkeit am Steuer zu setzen, sagt Probst. Auch wenn sich die meisten Leute von sich aus an Regeln hielten, gebe es doch immer welche, die sich nicht darum scherten.

Als Muster dient ihm die Verordnung für die Ammer, die ein FFH-Gebiet vom Alpenrand bis zum Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Ammersee-Südufer ist. Die Ufer der Isar sind hingegen teils Naturschutzgebiet, teils nur Landschaftsschutzgebiet. Dennoch, so Probst: "Wir brauchen Ordnung." Ein ähnliches Regelwerk für die Isar müsse mit Behörden, Gemeinden, Verbänden und auch den Bootfahrern ausgehandelt werden, meint er. Seiner Ansicht nach ist es "eine politische Fehleinschätzung", hinter dem Freizeitspaß auf dem Fluss die Masse der Erholungsuchenden zu vermuten: "Die, die sich darüber ärgern, sind die mehreren."

Dem Verein selbst bleibt nur die Information. Er hat eine Tafel mit der Aufschrift "Bootfahren auf der Isar" erstellt und selbst bezahlt, die mit Bildern und Texten beschreibt, wie man sich mit dem Boot richtig verhält. Sie steht zwischen dem Sylvensteindamm und der Jachen-Mündung. Einen anderen Platz bekam der Verein dafür nicht.

© SZ vom 05.08.2016
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