Lenggries Die Grünen erobern das Land

"Der Süden des Landkreises hat auf uns gewartet": Die Lenggrieser Grünen um Vorsitzende Lisa Busch (Mitte) sind durchaus selbstbewusst.

(Foto: Manfred Neubauer)

In Lenggries hat die Öko-Partei gerade einen neuen Ortsverband gegründet - Weitere sollen folgen.

Von Petra Schneider

Nach ihrem Erfolg bei der Landtagswahl und dem Volksbegehren zur Rettung der Bienen wollen die Grünen auch auf dem Land stärker werden. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, vor der Kommunalwahl viele Ortsverbände zu gründen", sagte der Landesvorsitzende Eike Hallitzky am Dienstag in Lenggries. In der Brauneckgemeinde ist das schon gelungen: Gut 20 Interessierte waren zur Gründung eines Ortsverbands für die Gemeinden Lenggries, Gaißach und Jachenau in den Neuwirt gekommen.

Viel war am Dienstag von Dynamik, Schwung und Engagement die Rede. Der neue Ortsvorstand in Lenggries ist weiblich: Zur Vorsitzenden wurde die Initiatorin Lisa Busch gewählt. Ihre Stellvertreterin ist Daniela Werner, als Beisitzerinnen wurden Amanda Reiter und Edda Schwab gewählt. Einziger Mann im Vorstand ist Schriftführer Jürgen Gührs.

"Wir wollen Grün in Lenggries wählbar machen und der Kommunalpolitik einen Schub geben", sagte Busch. In regelmäßigen Treffen sollen lokale Themen diskutiert und im Herbst eine Liste für die Kommunalwahl präsentiert werden, auf der sich auch Nicht-Mitglieder aufstellen lassen könnten.

Die gebürtige Lenggrieserin Busch, die als Berufseinstiegsbegleiterin an Schulen arbeitet und zwei erwachsene Kinder hat, nannte einige Themen, um die sich die Grünen in Lenggries kümmern wollen: Dazu gehöre die Verkehrssituation, die verbessert werden müsse. Mehr Raum für die Bürger und weniger für Autos, "das Dorf für die Menschen besser erlebbar machen", laute das Ziel. Die Schulwegsituation vor allem am Schulberg sei gefährlich. "Dass Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto in die Schule bringen", könne sie verstehen, sagte die 56-Jährige.

Die Grünen wollen sich für einen Ausbau der Busverbindungen nach Bad Tölz und für Konzepte wie Carsharing oder "Statt-Auto" einsetzen. Dass sich Lenggries gegen "Mitfahrerbänke" ausgesprochen hat, sei schade. Die Grünen fordern mehr Blühwiesen und Verzicht auf Glyphosat auf öffentlichen Flächen. Das Bewusstsein für Plastikvermeidung bei Handel und Verbrauchern müsse geschärft und die Jugendsozialarbeit in Lenggries verbessert werden, sagte Busch. Auch für Barrierefreiheit im öffentliche Raum, etwa für behindertengerechte Gondeln am Brauneck, will sich der Ortsverband einsetzen. Den Ausbau regenerativer Energien und der E-Mobilität seien weitere Themen.

Viel Lob gab es für die "mutige Initiative" von Busch, wie Landes-Chef Hallitzky sagte. Angesichts der jüngsten Wahlergebnisse war aber fast schon zu erwarteten, dass sich die Grünen nun auch dort organisieren werden, wo sie auf der politischen Landkarte bisher noch nicht präsent waren. Bei der Landtagswahl hat die Partei ihr Ergebnis in der Region von 7,7 auf 19,3 Prozent mehr als verdoppelt. In Lenggries haben 16 Prozent die Grünen gewählt. "Der Süden des Landkreises hat auf uns gewartet", sagte Hallitzky.

Der neue Ortsverband ist der siebte im Landkreis. In Icking und Münsing sind weitere geplant. Die Zahl der Mitglieder im Kreisverband ist in den vergangen zwei Jahren von 84 auf derzeit 139 gestiegen, wie Kreissprecher Alexander Mülle-jans sagte. Im nördlichen Landkreis sind die Grünen stärker als im landwirtschaftlich geprägten Süden. Ausnahme ist Bad Tölz, mit 35 Mitgliedern die Grünen-Hochburg. Dritter Landrat Klaus Koch lobte die Ortsverbandsgründung als demokratischen Schritt. "Wir bieten Lenggries einen Meinungsbildungsprozess an", sagte Koch.