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Leben und Lernen in Benediktbeuern:Zäsur am ZUK

ZUK-Geschäftsführer Benedikt Hartmann

Pater Karl Geißinger (links) und Benedikt Hartmann vor dem Schmuckfenster mit dem Titel "geistlicher Impuls" im Kloster Benediktbeuern.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der 27-jährige Benedikt Hartmann übernimmt im Benediktbeurer Zentrum für Umwelt und Kultur die Geschäftsführung. Auf ihn warten schwere Aufgaben

Von Petra Schneider, Benediktbeuern

Ein junger Mann soll das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) des Klosters Benediktbeuern fit für die Zukunft machen: Der 27-jährige Benedikt Hartmann ist neuer Geschäftsführer. Er übernimmt den Posten von Pater Karl Geißinger, der die Geschäftsführung seit dem Ausscheiden des inzwischen verstorbenen Winfried Voggeser im Jahr 2013 innehatte.

Er sei froh, dass er die umfangreichen Aufgaben nun übergeben könne, sagte der ZUK-Rektor bei einem Pressegespräch am Montag. Der Betrieb mit 30 hauptamtlichen Mitarbeitern, rund 30 Ehrenamtlichen sowie Honorarkräften im Bildungsbereich und dem Verein der Freunde und Förderer sei inzwischen fast ein "kleines Unternehmen". Finanzen, Personal, Digitalisierung, der Bereich Beherbergungen und Tagungen, Haustechnik, Denkmalschutz - die Aufgaben sind vielfältig und die Herausforderungen groß. Denn auch das ZUK, das sich vorwiegend aus Einnahmen von Übernachtungsgästen und Veranstaltungen finanziert, leidet unter Corona.

Die Mitarbeiter seien weitgehend in Kurzarbeit, Spenden und die staatlichen Überbrückungshilfen hätten über die vergangenen Monate hinweggeholfen. Die Hoffnung, dass im März wieder geöffnet werden könne, habe sich zerschlagen, und ein Licht am Ende des Tunnels sei derzeit nicht erkennbar. "Wir schauen mit Sorge in die nächsten Monate", sagte Pater Geißinger. Manche Angebote, wie beispielsweise "Schule draußen" mit den Grundschulen, seien zwar wieder möglich. Aber da müssten die Pädagogen "aus der Kurzarbeit raus" und voll bezahlt werden - eine Gratwanderung. Auch Online-Angebote bietet das ZUK, die gut angenommen würden, "aber damit lässt sich die Finanzierung kaum stemmen".

Nicht nur wegen Corona, sondern auch mit Blick auf die Zukunft sei es Zeit geworden, das ZUK "im operativen Geschäft zu modernisieren" und personell neu aufzustellen, sagte der Pater. Dafür brauche es junge Menschen. Mit dem 27-jährigen Hartmann hat das ZUK nun einen Geschäftsführer mit einer vielfältigen Ausbildung und offenkundigem Durchhaltevermögen, der dem Kloster seit Jahren eng verbunden ist. Hartmann, der aus dem Landkreis Erding stammt, absolvierte eine Lehre als Hotelfachmann und machte anschließend ein Freiwilliges Soziales Jahr im Aktionszentrum des Klosters. Dort engagierte er sich unter anderem in einem Projekt, das sich um straffällig gewordene junge Erwachsene kümmert. "Ich habe festgestellt, dass ich ganz gut mit Jugendlichen kann, die sich im Leben schwer tun", sagte Hartmann. Diesen Weg wollte er weitergehen: Er holte die Mittlere Reife nach, machte an der Berufsoberschule das Abitur und studierte von 2017 an in Benediktbeuern Soziale Arbeit. Nebenbei war er Bildungsreferent im Kloster und jobbte auf dem Bau bei einem Betrieb im Dorf. Er komme aus dem Bereich Jugendhilfe, sagte Hartmann, aber sein neuer Job drehe sich vor allem um die Frage: "Wie kriegen wir das finanziert?" Die Lage sei ernst, "wir müssen schleunigst schauen, dass wir Einnahmen generieren". Dazu seien Erwachsenenbildung, Tagungen und Veranstaltungen für Firmen, die den Gästebereich nutzen könnten, unerlässlich. Bei seinen sonntäglichen Spaziergängen beobachte er regelmäßig viele Familien, die mit ihren Kinder durchs Moor spazierten. Vielleicht könne man die Ausflügler dafür gewinnen, das ZUK bei der Pflege der Lehrpfade und Erlebnisbiotope mit einer Spende zu unterstützen.

Als neuer Geschäftsführer will Hartmann das ZUK besser im Dorf vernetzen und den Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Fördermitgliedern, "die hier so viel Herzblut reinstecken", eine "gesunde Perspektive geben". Eine Herausforderung sieht Pater Geißinger nicht nur bei den klammen Finanzen, sondern auch im steigenden Ausflugsverkehr rund um das Kloster, der während der Pandemie noch zugenommen habe. Der Drang nach draußen sei so groß, dass Regeln oft nicht mehr eingehalten und sensible Naturräume verletzt würden. "Es braucht ein Konzept, wie Menschen die Natur kennenlernen und sie trotzdem schützen können." Viele Aufgaben, in die der neue Geschäftsführer nun schrittweise eingearbeitet werden soll. Hartmann selbst fühlt sich dem gewachsen: "Ich habe Respekt, freue mich aber sehr auf die Herausforderung", sagte er.

© SZ vom 17.03.2021
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