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Lage bei der Kreis-SPD:Lahmer Gaul sucht neuen Hirten

Von Florian Zick

An der Eignung von Klaus Barthel besteht keinerlei Zweifel. Einen wie ihn kann man immer nehmen. Gewerkschaftssekretär, Bundestagsabgeordneter, stellvertretender Afa-Vorsitzender - Barthel bringt die Erfahrung locker mit, um einen guten Kreisvorsitzenden abzugeben. Für einen Neuanfang, den die SPD im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen so dringend nötig hätte, steht der 64-Jährige aber freilich nicht.

Knapp mehr als sieben Prozent bei den Europawahlen im vergangenen Jahr, 6,2 Prozent bei den Landtagswahlen 2018 und bei der Bundestagswahl im Jahr davor auch nur knapp elf Prozent: Die SPD ist im Landkreis damit nicht nur abstiegsbedroht, eigentlich ist sie schon zweitklassig. Die Gegner heißen für die einstige Volkspartei nicht mehr CSU und Grüne. Prozentual messen sich die Genossen hier inzwischen mit AfD und FDP.

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sich vor allem die jungen Mitglieder der Partei eher einen frischen, unverbrauchten Kandidaten gewünscht hätten. Einen, der womöglich eine neue Ära hätte einläuten können. Nur leider, so ist aus SPD-Kreisen zu hören, habe sich da trotz intensiver Suche niemand gefunden. Die Kreis-SPD ist eben schon länger kein Rennpferd mehr, auf dem man euphorisch höheren politischen Zielen entgegengaloppieren kann. Die Partei ist momentan eher ein lahmer Gaul, den man auch erst noch aus dem sumpfigen Umfragetief ziehen muss. Da ist es nur logisch, dass sich die denkbaren Kandidaten aus der Generation U 40 lieber erst einmal auf Beruf und Familie konzentrieren wollten.

Klaus Barthel kann für die SPD jedenfalls nur ein Übergangskandidat sein. Ohne eine auch personell sichtbare Erneuerung wird es der Partei nicht gelingen, auch bei den Wahlergebnissen wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen.

© SZ vom 14.10.2020

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