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Kunst mit Naturmaterialien:Kleine Welt ganz groß

Rock auf Holz: Die Sozialpädagogin Petra Bauer-Wolfram baut Modellfiguren wie diesen eine neue Heimat aus Naturmaterialien, die sie an Seen und an Flüssen findet. Figuren und Untergrund finden wie von selbst zueinander, sagt die Künstlerin, wenn sie denn erst einmal im Flow ist.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Holzhauser Künstlerin Petra Bauer-Wolfram fertigt aus Moosen, Muscheln, Steinen und Treibhölzern Miniaturmundi. Diese sind mal skurril, mal idyllisch, und die die Betrachter genauso zum Schmunzeln anregen wie dazu, die Gedanken schweifen zu lassen.

Wenn Petra Bauer-Wolfram über ihre Kunstobjekte spricht, wirken diese schnell wie lebendig. Manchmal, in den Abendstunden, wenn die Muse in ihr erwacht, breitet sie alles Material auf dem großen Holztisch im Garten aus: Muscheln, Treibholz, altes Werkzeug, Rinden- und Modelleisenbahnfiguren. Figuren und Untergrund fänden wie von selbst zueinander, sie selbst befinde sich dann ganz im Flow, sagt die Sozialpädagogin. In ihrer Werkstatt im Künstlerörtchen Holzhausen bei Münsing schafft Bauer-Wolfram Miniaturwelten, die mal skurril sind, mal idyllisch, immer von einer humoresken Note mitgetragen werden und zum Schmunzeln anregen. So lustwandelt eine Frau in glockenförmigen, ausladenden Kleid und mit weißem Schirm über ein Treibholz - für Petra Bauer-Wolfram eine Hommage an Caspar David Friedrichs Kreidefelsen auf Rügen. Daneben paddelt ein Schlauchboot über eine Amethystscheibe, auf einer rostigen Feile spielt eine Big Band und auf einem getrockneten Schwamm entblößt sich eine Frau zum Baden.

Kleine Sommerszenerie: Aus Holz und einer Amethystscheibe werden für die kleinen Figuren in ihren Badeklamotten Strand und See.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Naturmaterialien, die den Modellfiguren eine Heimat bieten, sammelt Bauer-Wolfram an Seen und an Flüssen, auf Reisen. Aber auch darüber, wenn Modelleisenbahner ihr Hobby niederlegen und Figuren abgeben wollen, freut sich Bauer-Wolfram. Ihre Naturwelten bestehen aus Gegenstände, die sie seit Kinderzeiten liebt: schimmernde Muscheln, in denen sich König Ludwig II. und der Schwan begegnen, Steine und Wurzeln, sie sich im Trockenzustand immer noch verändern.

Auf die Idee zu ihren Kunstwerken gekommen ist die Münchnerin vor drei, vier Jahren, als sie ihrem Sohn einen Geburtstagskuchen backen wollte. Anstelle von Creme und Obst habe sie den Biskuitboden aber mit Moos belegt, mit Steinen und Figuren aus gemeinsamen Reisen. Seitdem hat sie immer mehr Freunde mit den kleinen Szenerien beglückt. Seit der Eröffnung des "Handg'macht"-Ladens in Wolfratshausen im April dieses Jahres kann man die Weltchen auch in den Vitrinen des Ladens bestaunen und erwerben. Manchmal, erzählt Bauer-Wolfram, kämen auch Menschen mit Auftragsarbeiten zu ihr in den Laden. "Die wollen dann etwa eine Insel mit Badenixen für die beste Freundin. Manchmal kommen auch Verliebte und wollen eine Darstellung, in der sie sich als Paar wiederfinden können", sagt sie mit Blick auf eine Bergkristalldruse, in der sich ein Brautpaar küsst.

Mit ihren Welten möchte Bauer-Wolfram Geschichten erzählen. Einige Zeit lang hat sie die einzelnen Szenen mit Holzschildern beschriftet, Open-Air-Konzert etwa oder Bergpredigt stand auf den Schildern. Die meisten davon hat sie aber wieder abgenommen, damit die Besucher ihre eigenen Geschichten und Interpretationen finden. Belehren möchte sie nämlich nicht.

Nur zum genauen Hinschauen ermutigen, sagt sie. Die kleinen Figuren würden zum Verweilen einladen, dazu, sich Zeit zu nehmen und sich ein Stück weit in den Szenen zu verlieren. Die Blicke der Besucher können über die Geschehnisse stolpern, ein zweites Mal hinschauen. Die Irritation macht Bauer-Wolfram am meisten Spaß. Sie will den Menschen die Lust am bewussten Wahrnehmen mitgeben. Auf verspielte Art und Weise, ganz ohne Zeigefinger.

Petra Bauer-Wolfram arbeitet gerne im Garten ihrer Werkstatt in Holzhausen. Auch aufgelöste Eisenbahnersammlungen verarbeitet sie dort.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Freude am genauen Beobachten bringt die Künstlerin auch aus ihrer Tätigkeit in der Makrofotografie mit - auch dort bieten vergrößerte Ausschnitte alltäglicher Objekte einen ungewohnten Blick. In ihrem Garten stehen die Miniaturwelten allerdings nur selten. "Da haben sich schon Vögel am Moos und an Nüssen bedient", lacht sie. Besser aufgehoben sind die Modellfiguren auf Kunstmärkten und im "Handg'macht"-Laden. Da können dann auch Bewunderer stehen bleiben, über Details stolpern, Geschichten erdenken und schmunzeln.

Miniaturwelten von Petra Bauer-Wolfram sind auch zu sehen an diesem Wochenende, 27. und 28. Juli, auf dem Kunsthandwerkermarkt Seeshaupt, auf dem Parkplatz der Grundschule