bedeckt München

Künstlervereinigung Lenggries:Neuer Standort für die Kunst

Günter Unbescheid leitet die KVL.

(Foto: Veronika Partenhauser/oh)

KVL kann die leer stehende Kaserne mit ihrem "maroden Charme" bespielen

Die Künstlervereinigung Lenggries (KVL) wagt sich auf Neuland, genauer auf das Gelände der leer stehenden Lenggrieser Kaserne. Im kommenden Jahr will der Verein die einstige Kantine bespielen mit einer Ausstellung unter dem Motto "Kraftwerk". Die Bedingungen sind laut Günter Unbescheid reizvoll und herausfordernd zugleich. Neben viel Licht und viel Raum biete das Gebäude eine ganz eigenwillige Atmosphäre. "Es hat einen maroden Charme, der gut in diese Corona-Zeit passt", so der Vorsitzende.

Die Gemeinde steht dem Projekt wohlwollend gegenüber. Im August hat der Gemeinderat der Nutzung zugestimmt. Auch Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (Freie Wählergemeinschaft) und sein Stellvertreter Franz Schöttl (CSU) unterstützten die Pläne, sagt Unbescheid. Am Dienstag war er mit seinen Vorstandskolleginnen Antonia Leitner und Veronika Partenhauser im Rathaus.

Im Verein werden die Pläne laut Unbescheid mit Leidenschaft diskutiert. "Die einen sehen eine große Chance, die anderen fragen: Wo bekommen wir die Toiletten her?" Tatsächlich gebe es noch einige logistische und infrastrukturelle Probleme zu lösen. Strom- und Wasserleitungen seien defekt, die sanitären Anlagen nicht mehr zu gebrauchen. Dafür stünden den Künstlerinnen und Künstlern großzügige lichtdurchflutete Räume auf zwei Stockwerken zur Verfügung, zwischen 300 und 400 Quadratmeter, schätzt Unbescheid. Außer Frage stehe, dass der Verein Unterstützung brauchen werde - "nicht nur Geld, sondern ganz konkrete Hilfe vom Bauhof", so der Vorsitzende. "Zunächst sind aber wir am Zug, ein Konzept und einen Zeitplan zu erarbeiten."

Für die seit 2002 leer stehende Kaserne hatte es immer wieder Pläne gegeben; keiner davon wurde realisiert. 2015 kaufte die Gemeinde einen Großteil der Flächen und Gebäude, die überwiegend in einem schlechten Zustand sind. Der aktuelle Bebauungsplan beschränkt die Nutzungen auf Freizeit, Sport und Bildung.

Das Augenmerk der KVL hat bislang auf der Organisation der Kunstwoche im Pfarrheim gelegen. Die anspruchsvolle Ausstellung mit renommierten Gastkünstlern hat sich als wichtiger Bestandteil des kulturellen Angebots für Einheimische und Gäste etabliert. Zudem war sie an die Lenggrieser "Sternennacht", einen langen Einkaufsabend, gekoppelt. Und dies soll auch so bleiben, betont Unbescheid: "Wir wollen das Pfarrheim nicht durch die Kaserne ablösen."

Inhaltlich hält die Künstlervereinigung laut Unbescheid an ihren Maximen fest. "Unser Ziel ist es nach wie vor, engagierte Ausstellungen zu machen und anspruchsvolle Kunst in die Provinz zu bringen." Neben Mitgliedern sollen weiterhin Gastkünstler eingebunden werden.

Eine Veränderung gibt es im Vorstand. Zweite Vorsitzende ist seit kurzem die 28-jährige Bildhauerin Antonia Leitner. Sie löst Heidi Gohde ab, die aktives Mitglied bleibt. Leitner stammt aus Reichersbeuern, sie hat an der Münchner Akademie der Bildenden Künste studiert. Seit zehn Jahren arbeitet sie im Atelier ihres Lehrers und Mentors Otto Wesendonck in Waakirchen. "In Lenggries fühle ich mich sehr wohl", sagt sie. "Außerhalb der Stadt findet man selten einen Kunstverein, der so qualitätsvoll arbeitet."

Die für September geplante Kunstwoche wurde coronabedingt abgesagt. Das Motto "Kraftwerk" wurde jedoch für die nächste Ausstellung erhalten. Gleiches könnte für die Teilnehmerliste gelten. Als Gastkünstler waren angekündigt: Heidi Willberg (Malerei, München), Hannes Kinau (Holzbildhauer, Windach), Herbert Saller (Metallskulpturen, Garmisch-Partenkirchen) und Barbara Urban (Filzobjekte, Bad Tölz); aus den eigenen Reihen Jürgen Dreistein, Sophie Frey, Heidi Gohde, Ecki Kober, Antonia Leitner, Veronika Partenhauser, Gabi Pöhlmann, Paul Schwarzenberger, Klas Stöver und Günter Unbescheid.

© SZ vom 17.10.2020 / stsw

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite