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Konzert in der Alten Madlschule:Mitreißendes Blech

Groove, so zuverlässig wie ein Wollteppich: Sänger Bernd Schneider und Bassist Stefan Zauner.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Band "Don't Walk On The Brass" bringt das Publikum in Bad Tölz zwei Stunden lang zum Tanzen

Beim Jubiläum in der Alten Madlschule in Bad Tölz wird gefeiert, dass man eigentlich gar nicht weiß, wer wen: die ehemaligen und jetzigen Musiker der DWOB sich selbst oder das Publikum die Band. Coole Abkürzung übrigens für die Tölzer Band mit dem etwas unhandlichen Namen Don't Walk On The Brass, die es seit nunmehr 25 Jahren krachen lässt in Sachen Funk, Soul und Rock. Er stimmt schon, der abgewandelte Spruch eines Songs von Curt Jürgens - 25 Jahre und kein bisschen leise. Doch diese Band, diese Musiker zündeln zwar nah an der akustischen Erträglichkeit, aber das mit Brass-Einsatz, der die Welthits von Billy Joel, Roger Cicero, Toto oder Stevie Wonder noch um eine musikalische Dimension erweitert. Das kann man nicht säuseln, da muss man schon ordentlich die Muskeln spielen lassen.

Richtig gut, dass die achtköpfige Band die blubbernden, alles vernebelnden tiefen Bässe gar nicht braucht. Der Groove, der alle gute zwei Stunden lang ohne Pause in Bewegung hält, funktioniert auch ohne. Weil die Mannen um Peter Zoelch, Saxofonist, Musiklehrer, Jazzer, ihre Erfahrung und ihr Können stets mit ganzem Einsatz und mitreißender Lust am Rock und Funk ihrer stetig wachsenden Fangemeinde offerieren. Da wird "Diggin' on" von James Brown nicht einfach so runter gecovert, sondern es werden mit Trompete (Christian Danzer), Posaune (Marius Compostella), Saxofon (Zoelch), E-Bass (Stefan Zauner), E-Gitarre (Norbert Siegl), Keyboard (Christian Kaps) und Schlagzeug (Jens Freyberg) immer wieder Jazz-Soli drauf gesetzt, ohne dass es klingt wie bei einer Nummer von Blood Sweat & Tears. Eine waghalsige Mischung, diese Power-Nummern aus der guten alten Zeit des Ur-Rock und seiner Derivate wie Funk und Soul sowie neueren Musikrichtungen und den knusprigen und druckvollen Improvisationen aus dem Universum des Jazz. Bei solchen Einwürfen nehmen sich die tobenden Festgäste in Tölz die Zeit für einen Extra-Applaus.

Sie tanzen wirklich alle auf den betagten Dielen der "Lust", dass diese vermutlich knarren und ächzen. Und manche im mittleren Alter und erst recht die Jahrgänge von Bands wie Manfred Mann's Earth Band oder Carlos Santana lächeln, wenn ihnen der Text der Refrains von "Smooth" (Santana) oder "Superstition" (Stevie Wonder) einfällt und sie auf ein Zeichen mit dem Zeigefinger, den der Sänger Bernd Schneider ins Publikum sticht, mitbrüllen können. Überhaupt die Gäste an diesem Samstagabend: Jung und Alt mit den Rhythmusfiguren und dem Tempo der Welthits Schulter an Schulter vereint.

Auch wenn so manche Jazz-Einlage strahlt, der Groove bleibt so zuverlässig liegen wie ein Wollteppich. Unmöglich, die Schultern, den Kopf, Hüfte und Beine still zu halten. Alles ist in Bewegung, wogt, tanzt, gönnt sich einen Aperol Spritz, flirtet oder herzt spontan Partner oder Partnerin. Vor allem tanzt der Sänger Bernd Schneider bei jedem Song. Dieser Mann hat aber auch Stimme. Er versucht erst gar nicht, einen Stevie Wonder oder den Hip-Hopper Jan Delay nachzuempfinden, sondern macht sein eigenes Ding. Lässt die Stimmbänder ganz hoch vibrieren, legt Seele hinein, dann wieder kantigen Rock, oder er harkt den Funk. Gerade bei dieser Musikrichtung mit synkopischen Basslinien, scharfen Bläsersätzen und virtuosem Gitarrenspiel wird die zentrale Botschaft von DWOB am deutlichsten: Wir spielen, ihr tanzt.

Schon bald auf diesem Fest stellen sich nach und nach Musiker ein, die einst in dieser Band aufschlugen, sich aber später anderen Aufgaben zuwandten wie etwa Drummer Florian Rein, der mit seinen Bananafishbones längst einer überregionalen Liga angehört. Oder der Multiinstrumentalist Leonhard Schwarz, der bei den Jubilaren weiland die Posaune blies. Noch einige andere ehemalige Musiker springen auf den rollenden und grollenden Rockzug auf - um mit DWOB zu jubilieren.

© SZ vom 17.02.2020
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