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Kontroverse Praxis:Tote Rabenkrähen am Feld aufgeknüpft

Für Spaziergänger und Anwohner ist der Anblick martialisch bis verstörend: Drei tote Rabenkrähen baumeln von einem galgenartigen Holzgerüst auf einem Feld bei Eurasburg nahe eines Feldwegs in Verlängerung der Forststraße. Ein Landwirt hat die Vögel dort aufgeknüpft. Das wirkt bestialisch, ist aber wohl juristisch nicht zu bestanden. Wie Klaus Hohenreiter von der Wolfratshauser Polizeiinspektion schildert, habe der Landwirt seine Aktion sogar vor ein paar Tagen angekündigt. Mit negativen Reaktionen habe dieser bereits gerechnet. Die toten Rabenkrähen sollten Artgenossen abschrecken, auf dem frisch eingesäten Feld zu fressen. Alles sei soweit "rechtens". Die Tiere habe der Landwirt bereits im Vorjahr geschossen, tiefgefroren und jetzt aufgehängt.

"Diese mittelalterlich wirkende Methode ist für mich abschreckend", erklärt Walter Wintersberger. Der Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) glaubt, dass sich der Landwirt mit seinem Vorgehen keinen Gefallen getan hat. "Die Leute verstehen das nicht." Es komme aber immer wieder vor, dass tote Rabenkrähen zur Abschreckung am Feld aufgehängt würden, berichtet Wintersberger. "Das passt nicht mehr in die heutige Zeit."

Grundsätzlich ist es erlaubt, Rabenkrähen zu jagen. In Bayern dürfen die Vögel zwischen Mitte Juli und Mitte März geschossen werden. Habe der Landwirt die Rabenkrähen in dieser Zeit getötet und eingefroren, sei rechtlich nichts einzuwenden, sagt Wintersberger. Die Vögel vertilgten aber Schädlinge und ließen sich durch diese Maßnahme kaum abschrecken. Für das Ansehen der Landwirtschaft seien solche Aktionen nicht förderlich.

© SZ vom 03.06.2020 / bene

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