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Karl-Lederer-Platz:Urbanes Ambiente mit Wasserlauf

Simulationen Karl-Lederer-Platz Geretsried

Einen künstlichen Bach und einen Aufzug, der per LED-Beleuchtung zur Litfaßsäule wird soll der Karl-Lederer-Platz bekommen.

(Foto: Simulation: Kehrbaum Architekten/oh)

Der Stadtrat hat die Vorplanungen zur "Neuen Mitte" in Geretsried einstimmig gebilligt

Dreck und Lärm, vier riesige Baukräne, ein grauer, himmelwärts ragender Rohbau und nach allen Seiten Absperrungen für den Verkehr: Am Karl-Lederer-Platz herrscht derzeit die maximal ungemütliche Atmosphäre einer Großbaustelle. Gleichwohl denken die hiesigen Stadträte gerade jetzt darüber nach, wie dieses Herzstück der Geretsrieder Ortsentwicklung in naher Zukunft im Detail aussehen soll. In der jüngsten Sitzung der Bürgervertreter war die Gestaltung der "Neuen Mitte" das beherrschende Thema: Lichtelemente und Begrünung, das öffentliche Mobiliar, der Standort für den Maibaum, die Gestaltung eines illuminierten Wasserlaufs durch die Fußgängerzone und als Highlight ein Aufzugsschacht, der mit LED-Technik als moderne Litfaßsäule genutzt werden könnte. Es ging um ganz konkrete Gestaltungsfragen.

Großen Wert hat die Stadt darauf gelegt, dass ein urbanes Ambiente entsteht, das den gemeinsamen Vorstellungen aller Geretsrieder entspricht, ein zunächst unerfüllbar anmutender Anspruch. Wie sich aus der Diskussion im Rathaus ergab, liegen die Vorstellungen der Bürgervertreter aber gar nicht weit auseinander, ganz im Gegenteil. Voraussetzung dafür war, dass die Bürger in einem vorgeschalteten Workshop ihre unterschiedlichen Vorstellungen einbringen konnten. Die dort geäußerten Anregungen hat ein Münchner Planungsbüro aufgegriffen, Architekt Klaus Kehrbaum hat sie in einem ersten Entwurf verarbeitet und jetzt im Rathaus vorgestellt. Ergänzend hierzu haben Stadträte gelungene städtebauliche Ortszentrums-Varianten besichtigt, unter anderem in der Bodensee-Stadt Bregenz.

Simulationen Karl-Lederer-Platz Geretsried

Architekt Karl Kehrbaum zeigt, wie die "Neue Mitte" aussehen könnte.

(Foto: Simulation: Kehrbaum Architekten/oh)

Viele Fragen haben sich aus diesen Eindrücken ergeben. Will man eine Bodengestaltung mit südlichem Flair aus Sandsteinmaterial oder sollte es lieber ein praktischer, rötlich eingefärbter Bitumenbelag sein? Wie viele Kurzparkplätze werden vor dem Rathaus benötigt? Sollte man die durchfließende Wasserrinne mit Sprühelementen ausstatten? Welche Bäume in welcher Größe sollen gesetzt werden. Sollen Leuchtkörper an Masten oder Spannseilen zwischen den Gebäuden befestigt werden? Und wo sollten die Grazien des Bildhauers Wilhelm Srb-Schloßbauer stehen, auf die man auch künftig nicht verzichten will? Der gemeinsame Tenor aller Wortmeldungen im Stadtrat lautete: "Hut ab vor den Arbeitskreismitgliedern", die Vorschläge ergäben allesamt viel Sinn und seien sehr attraktiv, hieß es.

Auch über das Ästhetisch-Gestalterische hinaus wurden Fragen laut: Wie es etwa mit der Behindertengerechtigkeit bestellt sei, erkundigte sich SPD-Rätin Edith Peter. Kulturreferent Hans Ketelhut (CSU) wollte sichergestellt wissen, dass für Veranstaltungen die nötige Logistik vorgesehen ist, Dominik Irmer (FW) fragte nach den Kosten für den Unterhalt des Platzes, etwa fürs Schneeräumen und für die Folgen von Vandalismus. Volker Reeh (CSU) regte an, statt eines Teerbelags Natursteinplatten zu verlegen, die man für den Fall später nötiger Erdarbeiten ohne großen Aufwand abnehmen und zurücklegen könnte. Er sprach sich auch dafür aus, oberirdisch mindestens 20 Lieferantenparkplätze vorzusehen, ein Vorschlag, der Bürgermeister Michael Müller indes nicht gefiel. Gerade dies hätten die Bürger im Workshop doch nicht gewollt, wandte er ein.

Einige Wortmeldungen hoben auch auf die Ortsentwicklung ab. Die müsse man im Auge behalten, ebenso den Bus-und Fahrradverkehr, hieß es. Andernfalls könne es passieren, dass die teuren, neu gepflanzten Bäume wegen eines Neubaus gleich wieder beseitigt werden müssten. Als Beleg für eine verfehlte Gestaltung wurde der Neue Platz genannt. Der wirke auf den Betrachter wie eine kahle Asphaltfläche. So etwas wolle man nicht noch einmal in Geretsried. Was man in der Stadt benötige, sei eine ansprechende, urbane Gesamtplanung, man dürfe sich an diesem wichtigen Platz "nicht zu Tode sparen", mahnte Karin Schmid (CSU) an.

Ohne Gegenstimme billigte das Ratsplenum die Vorplanung. Bürger, die sich mit Ideen noch im Bauamt zu Wort melden wollen, haben für Kritik und Anregungen nur noch bis Anfang November Zeit. Die Verwaltung im Rathaus wird beauftragt, die Argumente der Bürger und den Entwurf des Planungsbüros Kehrbaum aufzugreifen und daraus einen konkreten Entwurf samt Kostenberechnung anzufertigen. Er wird im November dem Stadtrat vorgelegt. Für die Wiederherstellung des Platzes sind zunächst 785 000 Euro im laufenden Haushalt eingeplant, weitere zwei Millionen in der Finanzplanung. Die Fertigstellung ist für die zweite Jahreshälfte 2019 anvisiert.