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In der Loisachhalle Wolfratshausen:Roaring Twenties mit Masken

Dominik Halamek bringt trotz widrigen Corona-Bedingungen eine beschwingte Revue auf die Bühne

Von Wolfgang Schäl, Wolfratshausen

"Be happy & save" lautete die schriftlich per Handzettel ausgegebene Losung, die ziemlich nach Verhütung klingt, und das sollte sie ja auch sein in diesen schwierigen Corona-Zeiten: Dominik Halamek, Lokalmatador aus Waldram und routinierter Revue-Organisator, hat das Kunststück vollbracht, eine Veranstaltung mit nahezu 200 Gästen unter strenger Behördenaufsicht auf die Beine zu stellen und an diesem trüben Herbstsamstag trotz rigider amtlicher Vorgaben - es herrschte Maskenpflicht während der gesamten Vorstellung, auch für das sitzende Publikum - einen Hauch von Glück in die Loisachhalle zu zaubern.

Das große artistische Programm, wie man es noch vor zwei Jahren an gleicher Stelle erlebt hatte, war es diesmal nicht, mit einem reduzierten, aber hochprofessionellen Team von Revue-Tänzern und Sängerinnen gelang es aber trotzdem, das wohlwollende Wolfratshauser Publikum mitzureißen und ein wenig von jener Ära zu vermitteln, die nach den schlimmen Erfahrungen des Ersten Weltkriegs von ausgelassener Lebensfreude geprägt war: den "Roaring Twenties", den Goldenen Zwanzigerjahren mit ihren Topfhüten und Schiebermützen.

Circus of fantasy

Akrobatik, Show, Parodie, Tanz und Gesang: In Halameks Revuen kommt kaum eine Kunst zu kurz.

(Foto: Manfred Neubauer)

Notwendig waren wegen der lockeren Bestuhlung zwei aufeinanderfolgende Sondervorstellungen an einem Tag - sie stellten gewissermaßen ein Wolfratshauser Privatissimum dar, denn eine Tournee ist aufgrund der aktuellen Umstände derzeit nicht möglich. Aber einfach untätig daheim sitzen und das Ende der Pandemie abwarten, das könne er nicht, sagt Halamek, der einen fulminanten Abend mit einer Besetzung von gerade einmal acht Protagonisten bei stark reduziertem Probenaufwand über die Runden gebracht hat.

Der 37-Jährige, selbst ausgebildeter Bühnentänzer und Luftakrobat, profitierte dabei von einer im Zirkusbetrieb praktizierten Arbeitsweise: Jeder macht alles, und insbesondere Halamek selber macht alles, vom Kartenverkauf im Loisachhallen-Foyer bis zur Gesamtregie. Wie er das alles auf die Reihe bekommt? Selbst positiv denken, sagt er, seine "fröhliche Energie" helfe ihm, neue Ideen umzusetzen.

Ideen gab es trotz der widrigen äußeren Bedingungen jede Menge: Lichteffekte, Glitzerkostüme, dazu viel Bühnennebel und eine ausgefeilte Choreografie bei den gestisch und mimisch amüsanten, teils leicht frivol-frechen Tanzdarbietungen. Eine Dame im Glitzerlook etwa arbeitete sich nach Table-Dance-Art an einer Laternenstange ab, und die muskulösen Herren der Schöpfung ließen sich mal schnell mit einer leicht schnippenden Handbewegung der Glamour-Girls blasiert und einfältig dreinblickend an den Bühnenrand schleudern - ein professionell ironisches Spiel mit abgegriffenen choreografischen Stilelementen aus der Revue- und Schlagerwelt.

Circus of fantasy

Das Publikum liebt die gebotene Abwechslung - und tut dies in den schwierigen Corona-Zeiten mehr denn je.

(Foto: Manfred Neubauer)

Mit Szenen-Applaus wurden auch die Verrenkungen des Profi-Breakdancers Michal Maciewski und der Luftakrobatinnen Lina Ritters und Swetlana Wottschal mit ihren schneeweißen Federboas bedacht, ebenso Francesco Mazzones, der sich an Bändern bis zur Bühnendecke emporschwang. Der Schwerpunkt lag aber auf gesanglichen und tänzerischen Elementen. Wie schon vor zwei Jahren blieb bei alledem das Publikum nicht außen vor. Der Aufforderung, sich an einer Art Sitztanz zu beteiligen, kamen die Gäste begeistert nach - fröhliche Energie eben, auch an den kleinen, runden Tischen. Zu alledem erklang in Einblendungen ein Lied, das am Ende der Zwanzigerjahre die Herzen erobert hatte: Marlene Dietrichs "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Historisch hatten die beschwingten Goldenen Zwanziger damals allerdings schon ein frühes Ende erlebt.

© SZ vom 26.10.2020

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