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In Bad Tölz:Ferien for Future

Friday for Future

Ungeachtet der Sommerferien haben am Freitag in Bad Tölz wieder zahlreiche Jugendliche für mehr Klimaschutz und Klimagerechtigkeit demonstriert. Dass sie dafür manchmal auch Kritik von Passanten einstecken müssen, bestärkt die jungen Aktivisten eher noch in ihrem Protest.

(Foto: Manfred_Neubauer)

Die Bewegung der Klimaaktivisten in Bad Tölz ist eine der aktivsten im Landkreis und der Region. Sie pausieren auch im Sommer nicht und demonstrieren unabhängig von Schulzeiten für mehr Klimagerechtigkeit.

"Streik in der Schule, Uni und Betrieb. Das ist unsere Antwort auf eure Politik", rufen die Schüler wütend. Doch so ganz mag das nicht stimmen. Denn gerade sind noch Ferien. Davon lassen sich die Tölzer Jugendlichen allerdings nicht beeindrucken. "Die Umweltverschmutzung legt keine Pause ein, dann können wir das auch nicht tun", erklärt Nick Altenburger. Der 17-Jährige ist der Pressesprecher der "Fridays-for-Future"-Bewegung (FFF) in Bad Tölz. Seit März formiert sich die Jugend auch hier und demonstriert alle zwei Wochen für mehr Klimagerechtigkeit. Nick und sein Freund Lukas von Andrian, 15, haben auch die Veranstaltung am Freitag organisiert. Es sind aufgrund der Ferien nicht so viele gekommen wie sonst. Die Altersspanne unter den etwa 40 Demonstrierenden ist allerdings beachtlich. "Es geht uns nicht um eine Zahl", sagt Lukas. "Das zeichnet uns aus. Wir gehen auch auf die Straße, wenn wir nicht so viele sind. Uns ist die Kontinuität wichtiger." Vielleicht sei das auch der Grund, warum die FFF-Gruppen in Wolfratshausen und Penzberg weitestgehend eingeschlafen sind. "Wir sind sturer", sagt Lukas stolz.

Für Sonja und Felicia, die ganz vorne mitlaufen und auf deren Plakat "There is no Planet B" steht, hat es einen Vorteil, dass gerade Ferien sind. Bisher erlaubten ihre Eltern es ihnen nicht, an den Klima Demonstrationen teilzunehmen. Jetzt nutzen sie ihre freie Zeit gerne, um sich zu engagieren. "Die Mobilisierung der Teilnehmer ist während der Ferien natürlich schwieriger", sagt Stephan Nagel, der mit seiner ganzen Familie gekommen ist. Viele Schüler, die sich spontan in der Schule zum Mitlaufen motivieren ließen, seien jetzt nicht erreichbar. Nagel trägt eine Fahne, auf die er eine weinende Erde gemalt hat. Er und seine Familie sind seit Beginn der Demonstrationen mit dabei, ob seine Kinder ihn oder er seine Kinder motiviert hat, weiß er nicht mehr so genau. "Es müssten noch so viel mehr werden", klagt er und schlägt vor, dass man jetzt, da die mediale Aufmerksamkeit da ist, die Proteste vielleicht auf eine Zeit legen sollte, in der auch Leute teilnehmen können, die nicht mal eben so für eine Stunde den Arbeitsplatz verlassen können. Damit auch motivierte Schüler, die nicht aus der Schule wegbleiben dürfen, teilnehmen können.

Was deutlich wird: Es geht den Schülern nicht darum, ein paar Stunden der Schule fernbleiben zu können. Ihnen ist in vollem Ausmaß bewusst geworden, dass sie für ihre Zukunft kämpfen müssen. Und das tun sie. Mit großer Begeisterung, mit Spaß und Motivation an der Sache. Lukas und Nick planen bereits einen Dauerstreik für die internationale Klimawoche, die vom 21. bis zum 27. September ausgerufen wird. Sie wollen endlich etwas bewegen. Seit einem Jahr demonstrieren Kinder und Jugendliche nun schon deutschlandweit, und noch immer hat sich nicht viel gerührt. Aus dem gleichen Grund ist auch Ulla Hahn alle zwei Wochen zum demonstrieren auf den Straßen von Tölz unterwegs. Viele fragten die Rentnerin, warum sie denn noch auf die Straße ginge. "Ich kämpfe für die Zukunft meiner Enkel, das ist doch selbstverständlich", sagt sie und fällt wieder in die Rufe ein: "What do we want? Climate justice!"

Doch so klar, wie Ulla Hahn, Familie Nagel, Sonja, Felicia und all die anderen, die hier mitlaufen, um etwas zu bewegen, das auch fordern - es sind nicht alle ihrer Meinung. Als die Demonstrierenden ihren Rundweg durch die Stadt fast abgeschlossen haben, mischt sich ein älterer Herr ein. "Geht lieber arbeiten als hier Krach zu machen. Ihr beeindruckt eh niemanden", schimpft er. Seinen Namen verrät er nicht, lässt sich aber in ein Gespräch verwickeln. Alles, was seine Generation aufgebaut habe, sieht er in Gefahr, indem die jungen Leute fordern, so vieles anders zu machen. Er fühlt sich nicht wertgeschätzt. Während junge Schüler Angst um ihre Zukunft haben, bangt er um seine Lebensleistung. Elmar Gehnen, der im vergangenen Jahr bei den Landtagswahlen in Bad Tölz für die Linken kandidierte und bisher keine Demonstration verpasst hat, seufzt. "Solche Leute kann man nicht überzeugen. Es ist so schade, wir müssten sie eigentlich alle in unser Boot holen." Es ist keine leichte Aufgabe, die sie sich da gesetzt haben. Aber die Tölzer bleiben dran. Weder von Ferien noch von Kritik wollen sie sich unterkriegen lassen. Das haben sie bewiesen.

Jeden Montag findet sich die "Fridays-for-Future"- Gruppe Bad Tölz im Jugendcafé der Stadt, Hindenburgstraße 32, zu einem Planungstreffen zusammen.