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In Bad Tölz:Fair Trade seit fünf Jahren

Stadt feiert Zertifizierung mit Umtrunk und Ausstellung

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Sie müssen Kontakte mit Geschäften, Cafés und Organisationen pflegen, immer wieder nachweisen, welche fair gehandelten Produkte in der Kurstadt im Handel sind, Veranstaltungen ins Leben rufen und alles genau dokumentieren: Die Steuerungsgruppe um Vorsitzende Barbara Rösch-Rupp hat eine ganze Menge zu tun, um alle zwei Jahre das Zertifikat "Fair Trade Stadt" für Bad Tölz zu bekommen. Ob sich all die Arbeit lohnt? "Das Thema Fairtrade genießt inzwischen zum Glück eine deutlich größere Aufmerksamkeit", resümiert Rösch-Rupp. "Aber wir möchten noch mehr Sensibilität bei der Bevölkerung erreichen und vor allem Faktenwissen vermitteln."

Aber erst einmal wird gefeiert. Vor fünf Jahren beschloss der Tölzer Stadtrat, sich um das Siegel zu bewerben, das der gemeinnützige Verein "Transfair" alle zwei Jahre neu vergibt. Bis 2019 war Bad Tölz die einzige Fair-Trade-Stadt im Landkreis, 2020 kam Wolfratshausen hinzu. Das kleine Fest findet an diesem Freitag, 18. September, von 9.30 bis 13 Uhr auf dem Tölzer Bauernmarkt in der Fußgängerzone statt. Es gibt unter anderem fair gehandelten Kaffee und Orangensaft, die Mitglieder der Steuerungsgruppe stehen für Fragen zur Verfügung. "Unser Ziel ist es, den Tölzerinnen und Tölzern im direkten Gespräch das Thema Fairtrade näherzubringen", sagt Rösch-Rupp. Auch Bürgermeister Ingo Mehner (CSU) will vorbeischauen. Für ihn gilt es, am Ball zu bleiben. "Sich ein Label anzuheften, reicht nicht", meint Mehner. Seit der ersten Zertifizierung vor fünf Jahren sei zwar viel passiert, aber "jetzt heißt es, nicht nachzulassen im Bemühen um weltweit fair Arbeitsbedingungen und Entlohnung".

Der Umtrunk auf dem Bauernmarkt ist der Schlussakkord der "Fairen Woche", die unter dem Motto "Fair statt Mehr" steht. Eine Ausstellung über den ökologischen Fußabdruck bietet der Tölzer Weltladen in der Säggasse 8. "Sie werden sehr erstaunt sein", verspricht Irma Walter, neue Vorsitzende des Arbeitskreises "Eine Welt" und Mitglied der Steuerungsgruppe, den Besuchern. Die Gäste können dort auch ihren persönliche Fußabdruck hinterlassen. Die Schau ist bis Freitag täglich von 9.30 bis 13 und von 14.30 bis 18 Uhr, am Samstag von 9.30 bis 12 Uhr im Weltladen zu sehen.

Zu dem kleinen Jubiläum gibt es im Herbst noch zwei weitere Veranstaltungen. Der Dokumentarfilm "Bongo Walling" läuft am Mittwoch, 14. Oktober, im Capitol-Kinocenter am Amortplatz. Dazu laden neben der Steuerungsgruppe auch der Arbeitskreis "Eine Welt" und das Katholische Kreisbildungswerk ein. Ein lateinamerikanischer Abend folgt am Freitag, 20. November, in der Tölzer Franzmühle an der Salzstraße. Auf dem Programm stehen Erzählungen von Patricia Gualinga, einer indigenen Schriftstellerin aus Ecuador, über das Vordringen internationaler Ölkonzerne in das Amazonas-Gebiet. Dazu spielt die Musikgruppe grupo sal südamerikanische Rhythmen.

© SZ vom 16.09.2020

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