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Im Zeller Forst:Letzte Ruhe unter Bäumen

Im Zeller Wald sollen Menschen, die nicht auf einem Friedhof bestattet werden wollen, ihre letzte Ruhestätte finden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Gemeinde Dietramszell ebnet Weg für 40 Hektar großen Bestattungswald

Seit geraumer Zeit laufen in Dietramszell die Planungen für einen "Bestattungswald": Menschen, die nicht auf einem Friedhof begraben werden wollen, sollen künftig zu Füßen eines Baumes im Zeller Wald ihre letzte Ruhe finden können. Die Beisetzung erfolgt in einer Urne, auf einer Tafel kann der Name des Verstorbenen angebracht werden. Bereits im November 2016 hatte der Gemeinderat beschlossen, einen entsprechenden Bebauungsplan aufzustellen. Das Verfahren verzögerte sich jedoch, weil Stellungnahmen der Unteren Naturschutzbehörde und eine Kartierung zur Erfassung der Waldbiotope gemäß der FFH-Richtlinien erst seit kurzem vorliegen.

Einwände im Rahmen der öffentlichen Auslegung habe es nicht gegeben, hieß es im Gemeinderat, der in seiner jüngsten Sitzung auch eine Änderung des Flächennutzungsplans gebilligt hat. Diese war vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefordert worden. "Die Einrichtung von Naturfriedhöfen in Waldgebieten setzt eine Rodungserlaubnis voraus", argumentierte die Behörde. Dies gelte auch, wenn keine Bäume gefällt werden - was im Bestattungswald der Fall ist. Der Wald soll Wald bleiben, künftig aber nicht mehr forstwirtschaftlich, sondern als Begräbnisstätte genutzt werden. Die nötigen Formalien wurden jetzt erfüllt, nach einer abermaligen Auslegung soll eine entsprechende Satzung nach der Sommerpause beschlossen werden. "Dann könnten wir im Idealfall heuer noch anfangen", sagt Bürgermeisterin Leni Gröbmaier (BLD).

Bei der Gemeinde gingen bereits viele Anfragen ein. Im Landkreis wäre diese alternative Bestattungsform bislang einmalig. Die Nachfrage ist groß, immer mehr Menschen wünschen für sich oder ihre Angehörigen eine "naturnahe Bestattung" unter Bäumen. Im Zeller Wald ist dafür eine etwa 40 Hektar große Fläche beim Waldweiher vorgesehen. Besitzer Fabian von Schilcher verpachtet sie an die Gemeinde, die Nutzung ist auf 99 Jahre festgeschrieben. Etwa 80 Bäume je Hektar sind als Bestattungsorte möglich - mächtige Buchen, Tannen oder Fichten, die 80 bis 100 Jahre alt sind. Bepflanzungen oder Grabschmuck wie auf einem klassischen Friedhof sind nicht erlaubt. Die einzige "bauliche Anlage" ist ein rund 300 Quadratmeter großer, an den Seiten offener Andachtsplatz, der in einer Entfernung von etwa 150 Metern vom Waldweiher Richtung Hang entstehen soll. Auch 20 neue Parkplätze sind geplant, die auf zwei Standorte am vorhandenen Forstweg verteilt werden. Dort soll eine holzverkleidete Trockentoilette gebaut werden. Auch der Pfarrheimparkplatz, der im Zuge der Ortsgestaltung ertüchtigt wird, könnte von Besuchern genutzt werden, die einen ausgedehnteren Spaziergang zum Bestattungswald machen wollen. Die Zufahrt zum Gelände ist über die Pelletsmühler Straße angedacht.

Den Planungen zufolge soll eine erste Parzelle von vier Hektar hinter der Fischerhütte ausgewiesen werden, die mit einem Holzlauf abgegrenzt wird. Das Gelände stehe Erholungssuchenden und Badegästen aber weiterhin offen, hatte Waldbesitzer von Schilcher betont. "Sofern sie auf den Pfaden bleiben und sich dem Ort entsprechend verhalten." Wenn der Satzungsbeschluss steht und der Wald seine neue Bestimmung erhält, müssen Interessenten einen Antrag bei der Gemeinde stellen und können sich bei einem Rundgang für einen Baum entscheiden. Der Bestattungswald, der nach dem Konzept des Unternehmens "Waldruh" gestaltet wird, stehe nicht nur Dietramszellern oder Landkreisbürgern offen, hatte von Schilcher erklärt. "Wenn jemand aus Hamburg dort begraben werden will, kann er das".