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Ickinger Politik:Ein Zebrastreifen gegen das Chaos

Es sind Phasen, aber die haben es in sich: Kurz vor Schulbeginn wird es am Schulzentrum regelmäßig eng und gefährlich.

(Foto: Hartmut Pöstges)

In der Isartalgemeinde kulminieren die Verkehrsprobleme ausgerechnet im Umfeld des Schulzentrums. Nun liegt ein Konzept vor und Bürgermeisterin und Gemeinderat wollen mit einer Sofortmaßnahme durchstarten

Von Susanne Hauck, Icking

Ein Schulweg ohne Gehsteig, ein Kreisel, der keiner ist, haufenweise Elterntaxis und dazwischen der unaufhörliche Strom von Schülern auf dem Weg zum Gymnasium: Rund um das Ickinger Schulzentrum geht es morgens bekanntermaßen chaotisch zu. Die Gemeinde ist deshalb vor einiger Zeit angetreten, Ordnung in das Gewühl zu bringen und hat einen Verkehrsplaner beauftragt. Bürgermeisterin Verena Reithmann (UBI) will aus dem Konzept mit einen Zebrastreifen als Sofortmaßnahme durchstarten. In der Montagssitzung des Gemeinderats rannte sie damit offene Türen ein.

Es sind nur 20 Minuten, aber die haben es in sich. "Unser Verkehrsproblem ist auf die Zeit von 7.30 bis 7.50 Uhr konzentriert", fasste Reithmann die Ergebnisse des Büros Modus Consult aus Ulm zusammen. Es sind vor allem Eltern von Kindergarten- und Grundschulkindern, die ihren Nachwuchs in der Früh zur Schule fahren. Rund 110 Autos hat die Zählung ergeben. Dazu sind es etwa 400 Gymnasiasten, die zu Fuß von der S-Bahn kommen.

Wenig überraschend diagnostizierte der Verkehrsplaner als die großen Schwachstellen eine völlig unstrukturierte Verkehrszone mit im Pulk querenden Schülern, ungeordnetem Hol-, Bring- und Busverkehr und fehlenden Parkplätzen. Wenigstens sind die meisten Fahrzeuge in der Ludwig-Dürr-Straße mit den vorgeschriebenen 30 Stundenkilometern unterwegs - das aber notgedrungen, weil oft kein Durchkommen ist. Die Verkehrsbelastung dieser Hauptverkehrsachse ist nicht ohne: Täglich fahren hier bis zu 1300 Autos vorbei und 65 Laster.

Für eine größere Schulwegsicherheit schlägt der Planer mehrere Schritte vor, deren wichtigste sich wie folgt zusammenfassen lassen: Auf der bekannt schmalen Ludwig-Dürr-Straße einen Gehweg in Form eines optisch markierten Streifens anzulegen, der im Begegnungsverkehr zur Not überfahren werden kann. Der Radverkehr soll auf der Fahrbahn stattfinden. Den Kreisverkehr möchte er zugunsten einer normalen Abbiegespur auflösen. Die Elterntaxis sollen zum Talberg und zur Ludwig-Dürr-Straße umdirigiert werden. Die Busse sollen in Zukunft zur Wadlhauser Straße und zum Beginn der Ludwig-Dürr-Straße verlegt werden, dafür ließen sich an der alten Haltestelle einige Parkplätze gewinnen. Das wurde im Rat kritisch gesehen: "Die Kinder stehen dann auf der Straße, wenn sie der Bus ausgeladen hat", so Reithmann. "Da ist noch Musik drin."

Vor allem aber ging es um eines. "Wie stellt er sich den Übergang für die Schüler vor?" hakte Philipp Geiger (Grüne) nach. Zufriedene Gesichter dann bei den Räten, als sie von einem Zebrastreifen an der Mündung vom Egartsteig in die Ludwig-Dürr-Straße und an der Wadlhauser Straße bei der Schülerlotsenstelle hörten. Im Hinblick auf den zu erwartenden stärkeren Autobringverkehr im Winter will die Ickinger Bürgermeisterin keine Zeit mehr verstreichen lassen und in Zusammenarbeit mit der Polizei Wolfratshausen die beiden Zebrastreifen sofort provisorisch einrichten. Bürokratische Hindernisse erwartet sie dabei nicht: "Die vorgeschriebenen 200 Autos bringen wir zusammen und außerdem werden an Schulen Ausnahmen gemacht", sagte sie.

Für Julian Chucholowski (SPD) kam es vor allem drauf an, die von der S-Bahn heraufströmenden Gymnasiasten einzufangen: "Es geht darum, sie so hinzulotsen, dass die den Zebrastreifen benutzen, sonst ist die ganze Planung für die Katz." Insgesamt machte sich große Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation breit. Fünf Jahre habe er als Schülerlotse geholfen und habe in der Zeit völlig inakzeptabel fahrende Autofahrer erlebt, kritisierte Geiger. "Hoffentlich bremst sie der Zebrastreifen runter." Einen weiteren Testballon mit einer "Dropoff-Zone" am Talberg starten zu lassen, wurde hingegen skeptisch gesehen und abgelehnt.

© SZ vom 17.09.2020

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