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Ickinger Bürgerversammlung:Wiesen und Wasser

Zu Beginn schon gut besucht, im Laufe des Abends voll: Am Ende reichten bei der Ickinger Bürgerversammlung nicht einmal mehr die Stühle aus.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Weit über hundert Ickinger sprechen unter anderem über den Supermarkt und die letzte unbebaute Grünfläche. Zu ihrem Schutz soll nach dem Willen der Mehrheit eine Bürgerstiftung gegründet werden.

Von Claudia Koestler, Icking

Das dürfte ein neuer Rekord sein: Weit über hundert Ickinger sind am Donnerstag zur Bürgerversammlung gekommen. Der Grund dafür, so zeigte es sich in der Fragerunde, war dabei nicht ein Thema, sondern viele, die Gemeinde und Bürger derzeit beschäftigen: Der Supermarkt auf der Maibaumwiese etwa, die Niederschlagswasserbeseitigung, der Breitbandausbau, die Ortsgestaltung, das Einheimischenmodell am Schäftlarner Weg, Ickings Umgang mit dem Transatlantischen Handelsabkommen und ganz besonders die Zukunft der letzten unbebauten innerörtlichen Wiese am Talberg.

Zunächst hatte Bürgermeisterin Margit Menrad den Anwesenden noch einmal den Beschluss vom Januar erläutert und erklärt, dieser bedeute konkret nichts anderes, als dass der Gemeinderat eine Bebauung nicht sofort abgelehnt habe, sondern sich Gedanken darüber machen wolle - "völlig ergebnisoffen", wie sie betonte. Man könne also weiter diskutieren, ob und gegebenenfalls auch wie die Wiese genutzt werden könnte, die derzeit eine landwirtschaftliche Fläche ist.

325 Unterschriften haben sie gegen eine Bebauung erhalten, wisse aber nicht, ob das auch für eine Bebauung für soziale Zwecke gilt, etwa als Erweiterungsfläche für die Schulen oder ein Mehrgenerationenprojekt. Ein Thema, das die Gemüter bewegt, weshalb es dazu mehrere Wortmeldungen und zwei Anträge aus der Bürgerschaft gab. Gerhard Haisch forderte, dass der Rat "die Entscheidung zur Umwidmung der Wiese noch einmal in öffentlicher Sitzung" diskutieren möge. Und Rainer Trebuth beantragte daraufhin, dass sich der Gemeinderat mit der Frage einer Bürgerstiftung auseinandersetzen solle, deren Ziel es sein solle, die Grünflächen der Gemeinde zu bewahren. Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit von den Bürgern angenommen und werden in den kommenden Sitzung des Gemeinderats behandelt.

Zahlreiche Bürger fragten zudem nach der geplanten, nicht öffentlichen Klausur und der Bürgerwerkstatt zur Zukunft der Wiese, die die UBI in der kommenden Ratssitzung beantragen will. Hier konnte Menrad allerdings noch keine konkreten Zeitangaben oder Abläufe nennen, nur so viel: "Da geht nix schnell, erst kommt das Niederschlagswasserkonzept dran."

Auch der künftige Supermarkt beschäftigt die Ickinger. Seit Sommer 2014 ist die Maibaumwiese in Erbpacht vergeben. "Ich sage klipp und klar, dass es ein sehr großes Gebäude wird, etwa dreimal so groß wie das Rathaus", sagte Menrad. Sie wies aber zugleich darauf hin, dass dies aktuell die einzige Chance sei, in Icking einen Nahversorger anzusiedeln. Fest steht nun, dass der Laden mit rund 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche von Rewe betrieben werden soll. Erfolgreich geklärt sei inzwischen auch durch den Bauherren, dass zwar die B11 für die Zufahrt in den Markt verbreitert werden muss, aber keine separate Linksabbiegespur nötig wird. Inzwischen habe auch die Deutschen Bahn ihre Bereitschaft für einen Zugang vom Bahnhof aus gegeben. Auf Nachfrage eines Bürgers, wann er seine Einkäufe dort werde erledigen können, ließ sich Christian Ufer vom Ingenieurbüro Terrabiota zumindest ein ungefähres Eröffnungsdatum entlocken: "2017 wäre sportlich, aber nicht auszuschließen". Die bäuerlich anmutende Fassadengestaltung, die Ufer "keine übliche Supermarkt-Kiste, sondern im Duktus der Umgebung angepasst" nannte, war unter den Anwesenden hingegen kein strittiges Thema mehr. Lediglich die Anregung, den an dieser Stelle schönen Blick ins Isartal durch Fenster im Gebäude einzubinden, nahm Ufer auf. Für den Standort hätten außerdem zwei Probebohrungen zur Regenwasserversickerung erste positive Ergebnisse gebracht, sagte Ufer. Ein Thema, das längst ganz Icking beschäftigt. In absehbarer Zeit sollen den Bürgern deshalb Fragebögen zugeschickt werden, um zu klären, wie auf jedem Grundstück die tatsächliche Versickerung bei Starkregenereignissen ist. Verbindlich, wie sich Micaela Händel diese Erhebung wünschte, könne sie laut Menrad zwar nicht sein, bilde aber die Basis für das künftige Vorgehen.

Großes hat Icking auch mit dem Ausbau des Breitbandnetzes vor. Gerade sei die Gemeinde dabei, über ein Bewerberverfahren den geeigneten Anbieter zu finden, der das Ickinger Glasfasernetz pachtet. In der Septembersitzung kann das Gremium laut Menrad voraussichtlich die Vergabe vornehmen. Umsetzen lasse sich das Projekt allerdings nur, wenn tatsächlich der Bedarf bestehe. Im Zuge der Vermarktung müssten deshalb mehr als 40 Prozent der Haushalte bereit sein, ihr Internet über den Pachtnehmer zu beziehen.

Cornelia Schmidtchens Antrag, aus dem Brunnenareal eine grüne Oase zu machen, wurde mit deutlicher Mehrheit unterstützt. Sie fragte zudem nach dem Vorgehen der Gemeinde gegen TTIP. "Wir können als Kommune nur für unsere Belange Beschlüsse fassen. Uns tangiert TTIP aber bei der Wasserversorgung, weshalb wir den Ministerpräsident angeschrieben haben. Zudem sind wir vertreten durch Regionalverband und Städte- und Gemeindebund, die für die Gesamtheit der Gemeinden dagegen vorgehen", erläuterte Menrad.

Gerhard Jakobi fragte nach dem Einheimischenmodell im Schäftlarner Weg. Das sei "in der Warteschleife, aber nicht vergessen", sagte Menrad. Trebuths weiteren Antrag, leer stehenden Wohnraum in Icking nach einer gewissen Zeit per Satzung zwangszuvermieten, wurde zuletzt allerdings abgelehnt, wie auch Jörg-Wolfgang Martins Antrag, der Rat solle sich mit einer Beteiligung an der "Bürgerwindkraft Berg" auseinandersetzen.

© SZ vom 25.04.2015
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