Klimaschutz "Wir wollen die Leute aufrütteln"

Schüler der Ickinger Ortsgruppe von "Plant for the planet" warnen vor dem Rathaus ihrer Gemeinde vor den Gefahren durch den Klimawandel und werben bei Passanten für ein Umdenken

Von Benjamin Engel, Icking

Acht Schüler aus Icking haben am Samstagvormittag vor dem Rathaus für mehr Klimagerechtigkeit geworben. Sie informierten dort Passanten über die Risiken des Klimawandels. Die Mädchen und Jungen gehören zur Ickinger Ortsgruppe "Idefixe" der Initiative "Plant for the Planet", die das Ziel verfolgt, Bäume gegen die Klimaerwärmung zu pflanzen. An einem Infostand verteilten sie Broschüren und klimaneutral produzierte Schokolade.

"Stop talking, start planting" stand auf einem Aufkleber, den einige Schüler verteilten. Andere hatten sich Pappschilder umgehängt mit Aufschriften wie "Ihr verhandelt jetzt schon länger als wir alt sind." Damit spielten sie auf die Weltklimakonferenz an, die derzeit im peruanischen Lima tagt. Eine Stunde lang trotzten sie der Kälte am nassgrauen Nikolaustag. Viele Passanten ließen sich mit ihnen sich fotografieren und sich dabei Schilder mit dem Slogan "Wir sind sprachlos" vor den Mund halten. "Wir wollen die Leute aufrütteln", sagte die 16-jährige Elgin von Kospoth.

Vielen sei bewusst, dass die Entwicklung in der Welt nicht in die richtige Richtung laufe. Sie wüssten aber nicht, was sie als Einzelne machen sollten. Bäume zu pflanzen sei eine Möglichkeit, das für die Erderwärmung verantwortliche CO₂ zu binden. Sie wollten zeigen, dass jeder mit einfachen Mitteln etwas tun könne, sagt Kospoth. Das fange damit an, das Licht auszuschalten, wenn man den Raum verlasse. Jeder solle sich auch überlegen, ob er jährlich in den Urlaub fliegen müsse oder manchmal anstelle des Autos nicht lieber mit dem Rad fahren sollte. Ein Gedanke, dem die Besitzer der vielen großen SUVs, die hinter dem Info-Stand der Schüler am Straßenrand parkten, augenscheinlich nicht gefolgt waren. Sie finde es gut, dass sich Kinder und Jugendliche für die Umwelt und ihre Zukunft engagierten, sagte Passantin Christiane von Beckerath. Sie selbst, erzählte die Ickingerin, versuche sich möglichst umweltfreundlich zu verhalten, etwa Müll zu vermeiden oder Gemüse im Garten anzupflanzen, das nicht gespritzt sei.

Wie schwierig und komplex das Thema ist, beschäftigte Volker Kullmann. Er sei überzeugter Kernkraftgegner, sagte er. Doch wenn diese abgeschaltet würden und stattdessen Kohlekraftwerke ans Netz gingen, sei das problematisch. Wichtig ist für ihn, dass die westlichen Industrieländer die ersten Schritte gegen die Erderwärmung setzten. Denn diese hätten den CO₂-Ausstoß in den vergangenen Jahrzehnten vorangetrieben, sagte er. Jeder US-Amerikaner verbraucht derzeit 20 Tonnen, jeder Europäer zehn Tonnen und jeder Afrikaner nur 0,5 Tonnen CO₂ pro Jahr.

"Idefixe" nennt sich die Schüler-Gruppe in Icking, die mit Schildern und Prospekten vor dem Rathaus mehr Klimagerechtigkeit forderte.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Idefixe in Icking nennen sich nach dem kleinen Hund in den Asterix-Comics , der weint, wenn Obelix einen Baum ausreißt. Laut Kospoth gründeten sie sich vor etwa fünf Jahren auf Initiative von Grundschulleiter Anton Höck. Aktuell gehörten rund 15 Schüler, meist Viert- bis Achtklässler, zur Ickinger Gruppe. Kospoth hat sich wie die 13-jährige Carolina Viehmann an einer Akademie von "Plant for the Planet" zur Klimabotschafterin ausbilden lassen. Gemeinsam haben sie in Icking schon Bäume gepflanzt und Vorträge gehalten, um Kinder für das Projekt zu gewinnen.

Der damals neunjährige Felix Finkbeiner hat "Plant for the Planet" im Jahr 2007 gegründet. Inzwischen engagieren sich 100 000 Kinder weltweit für die Initiative; sie haben bereits fast 13 Milliarden Bäume gepflanzt. Am Samstag sollten alle Ortsgruppen für die Initiative werben. Sie wollen 1000 Milliarden Bäume bis 2020 als zusätzliche Kohlenstoffspeicher pflanzen. Der CO₂-Ausstoß soll auf 1,5 Tonnen pro Mensch und Jahr sinken, auf fossile Energie verzichtet werden.