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Icking:Weniger ist mehr

Die Mobilfunkdebatte wird in Icking schon seit längerer Zeit sehr emotional geführt.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Mobilfunkkritiker schlagen Minimallösung für 5 G-Ausbau vor

Von Susanne Hauck, Icking

Am Montag steht im Ickinger Gemeinderat wieder das strittige Thema Mobilfunk auf der Tagesordnung. Bevor über den neuen Standort vielleicht bald schon final entschieden wird, hoffen über hundert Ickinger Anwohner des Schulzentrums, mit ihrem Protest eine Kehrtwende herbeiführen zu können. Sie fürchten die Strahlenbelastung durch den dort geplanten Sendemasten, von dem sie glauben, dass er gefährlich nahe an der Wohnbebauung stehen wird. Auch haben sie Angst, dass damit Fakten geschaffen werden, die auf Jahrzehnte hinaus nicht zu ändern sind. Die von den Anwohnern geforderte Minimallösung rüttelt allerdings am Gesamtkonzept der Gemeinde, die eine allumfassende und langfristige Vorsorge anstrebt.

"Wir sind genügend versorgt", glaubt Bernd Walter, der Initiator der Unterschriftensammlung. Für ihn schießt die Kommune mit ihren Anstrengungen über das Ziel hinaus. "Es geht doch zunächst nur darum, den konkreten Bedarf der Telekom zu bedienen." Hintergrund des Ganzen ist das Ansinnen des Mobilfunkbetreibers, die S-Bahn sendetechnisch besser versorgen zu können. Vergangenen Herbst schickte die Gemeinde deshalb einen Gutachter los. Sinngemäß zusammengefasst sollte dieser prüfen, welche Standorte sich nicht nur für die Bahnstrecke, sondern auch für die Versorgungslücken im Ort anbieten würden - immer unter dem Gesichtspunkt der Strahlenminimierung. Einer der dabei ermittelten Standorte war der sogenannte A 12 tief im Wald oberhalb des Schulzentrums, der aber wegen seiner Nähe zu denkmalgeschützten Keltengräbern schnell wieder verworfen werden musste. Aktuell lässt die Gemeinde deshalb zwei Alternativen prüfen, eine befindet sich weiter westlich auf der Rodungsfläche, der andere südwestlich nahe der Wadlhauser Straße. "Insbesondere der zweite wäre der Worst Case", ist Walter bestürzt. Der Sendemast stünde quasi gleich hinterm Ortsausgangsschild. "Viel zu nah an der geschlossenen Wohnbesiedlung und den Schulen." Für den Wirtschaftsingenieur, der seit 2013 in Icking wohnt, macht die Gemeinde mehr, als sie tun müsste.

Dass der Standort A 12 funktechnisch überflüssig ist und aufgegeben werden sollte, finden auch rund hundert Anwohner in den sogenannten unterversorgten Ickinger Straßenzügen. "Wir streben keine Verbesserung an, denn wir sind dank Glasfaser schon hervorragend versorgt." Die Bürger plädieren stattdessen für eine Minimallösung, die einen Sendemasten nahe der Bahnlinie beispielsweise bei Schützenried vorsieht, um konkret den Bedarf der Telekom zu decken. Für den Fall, dass die Gemeinde trotzdem am A 12 festhalten sollte, fordern sie eine sehr viel weitere Verlegung nach Westen. "Er wäre nur akzeptabel, wenn er bis an die Mörlbacher Straße verschoben wird", so Walter.

Die Mobilfunkkritiker wollen mit ihren Vorschlägen aber keinen weiteren Streit in der Gemeinde anzetteln, sondern alles sachlich behandelt wissen. Die jüngste, hochemotionale Diskussion zum Mobilfunkstandard, die bis zu Beschimpfungen und Drohungen ging, habe zu viel verbrannte Erde hinterlassen. "Mit der Bürgerinitiative gegen 5 G haben wir nichts zu tun", stellt Bernd Walter klar. Er unterstreicht, das Dialogverfahren mit den Mobilfunkbetreibern zu unterstützen und sich keinesfalls gegen die Gemeinde stellen zu wollen. "Aber das Thema verdient es, dass man darüber noch einmal nachdenkt, ehe es entschieden wird."

Das will auch die Ickinger Rathaus-Chefin. Auf Nachfrage sagt Verena Reithmann (UBI), dass sie am Montag den Gemeinderat über die Bürgereinwände diskutieren lassen werde. Reitmann versprach, dabei alles zu berücksichtigen, "was in den letzten vier Wochen an mich herangetragen wurde". Entschieden wird in der Sitzung wohl noch nicht über den Standort - die Tagesordnung sieht nur einen Sachstandsbericht vor.

© SZ vom 24.10.2020

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