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Icking:Hochkarätige Rückkehr auf die Bühne

Bettina Gaebel von der Klangwelt Klassik.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Ickinger Konzertreihe Klangwelt Klassik bietet 2021 erneut ein beeindruckendes Programm

Von Paul Schäufele, Icking

Gerade sieht das Musikerlebnis für die meisten wohl noch so aus: Im Pyjama vor dem Laptop oder der Stereoanlage, die Lieblingsaufnahme dudelt aus den Lautsprechern. Irgendwann wird der Schlafanzug aber durch den Zweiteiler ersetzt werden und das Publikum tauscht das Wohnzimmer mit dem Konzertsaal. Damit das funktionieren kann, haben Bettina Gaebel und das Team der Klangwelt Klassik auch dieses Jahr den Kalender mit vielversprechenden Konzerten gefüllt.

Dass gerade das erste Konzert mit dem Goldmund Quartett aufgrund der derzeitigen Beschränkungen verschoben werden muss, sei zwar "schade". Doch der einzige Weg, die eingefrorene Musik-Szene am Leben zu erhalten, liegt in engagiertem Optimismus - und so wird schon nach einem Ersatztermin gesucht. "Wir sind guter Dinge", sagt Gaebel. Auf die eine oder andere Weise werden die geplanten Konzerte schon zu ihrem Publikum finden. "Der Hunger nach Konzerten ist groß. Die Frage ist nur, wann sie stattfinden können. Umso größer ist also die Vorfreude, auch wenn es vielleicht noch ein wenig länger dabei bleiben wird." Sobald Konzerte wieder erlaubt sind, können die Ickinger auf die Erfahrungen des vergangenen Jahres zurückgreifen, auf die erfolgreiche Umsetzung der Hygienemaßnahmen im Konzertsaal des Rilke-Gymnasiums und im Freien. Gerade diese Freiluft-Musik habe besonders positive Resonanz hervorgebracht, resümiert Gaebel.

Für das erste Konzert kommt das allerdings vermutlich noch nicht infrage. Mit dem Pianisten Chi Ho Han, der 2014 beim ARD-Musikwettbewerb reüssierte, kann noch das Beethoven-Jubiläum nachgefeiert werden. Am Samstag, 6. März, eröffnet der Südkoreaner die Reihe der "Meistersolisten" mit den letzten drei Klaviersonaten, die der damals schon völlig ertaubte Beethoven komponiert hat.

Der musikalische "Ickinger Frühling", das am letzten April-Wochenende stattfindende Streichquartett-Festival, hat heuer Inspiration aus einer Umfrage gezogen, bei der Operngängern diese Frage gestellt wurde: Welche Opern-Komponistinnen kennen Sie? Wahrscheinlich hätte die Frage nach Streichquartett-Komponistinnen ähnlich qualifiziertes Schulterzucken provoziert. Bettina Gaebel und Birgitta Bohn haben deshalb ein Programm zusammengestellt, bei dem ausschließlich Musikerinnen ihr Können zeigen, häufig mit weniger bekannten Werken von Komponistinnen. So spielt das Moskauer Rusquartett das zweite Streichquartett der zeitgenössischen Komponistin Lera Auerbach; das Klenke Quartett präsentiert das delikate Opus der französischen Modernistin Germaine Tailleferre und das G-Moll-Quartett der Frühromantikerin Emilie Mayer; einzig das Pariser Quatuor Akilone weicht davon ab und konzentriert sich auf Klassiker von Schubert und Brahms und das geniale Spätwerk Gabriel Faurés. Für das Quatuor Zaïde springt das junge Quatuor Mona ein.

Einen fließenden Übergang findet der Konzertkalender im Sommer mit einem weiteren Streichquartett. Das vielfach ausgezeichnete Quatuor Voce spielt im Juni Mozart neben Werken der klassischen Moderne von Erwin Schulhoff und Benjamin Britten. Kammermusikalisch geht es weiter mit dem 2003 gegründeten Trio Adorno. Am ersten Oktober-Wochenende werden die Millennials unter anderem Klaviertrios von Beethoven und Dvořák zu Gehör bringen. Dem folgt vier Wochen später das in Icking als "Quartet in Residence" beliebte Amaryllis Quartett mit Quartetten von Schubert und Tschaikowsky. Für die Bearbeitung der Rückert-Lieder Gustav Mahlers durch David Philip Hefti hat das Quartett die Sopranistin Juliane Banse gewinnen können. Hochkarätig findet der Konzertkalender seinen Abschluss am Sonntag, 21. November. Das zurecht mit Preisen überhäufte Apollon Musagète Quartett spielt Dvořák, Penderecki und Schubert.

Dass Gaebel und ihr Team so zuversichtlich in die Zukunft blicken, hängt auch an den Unterstützern, die es erlauben, auch jetzt schon Teilhonorare auszuzahlen. Doch Künstler und Publikum brauchen im Jahr 2021 auch wieder echte Konzerterlebnisse, zumal bei einem so attraktiven Programm.

© SZ vom 09.01.2021
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