"Ich stifte gerne, aber das muss doch nicht belohnt werden" Engagement im Stillen

An Christa Castringius (Mitte) ging der Dörte-Sambraus-Preis, überreicht von Catherine Kemeny (re.) und Angelika Schmidbauer, Geschäftsführerin der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Dörte-Sambraus-Preis geht heuer an die Ärztin Christa Castringius, die unter anderem Musikpädagogik fördert

Von Christa Gebhard, Eurasburg

Die Ärztin Christa Castringius ist mit der "Castringius Kinder & Jugend Stiftung München" die 23. Trägerin des Dörte-Sambraus-Preises, der wiederum von der "Alexander Brochier Stiftung" verliehen wird. Sie sponsert seit 2008 das Musikprojekt der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe. Bescheiden sagt Castringius in ihrem Schlusswort nach der Preisverleihung: "Ich stifte gerne, aber das muss doch nicht belohnt werden. Ich fühle mich glorios umhüllt, ein Umstand, den ich sonst gar nicht kenne." Das amerikanische Motto "Tue Gutes und rede darüber" sei nun mal ihr Motto nicht.

Der Preis besteht aus einer kleinen Bronzeplastik mit dem Namen "Der Gratulant". Diese Plastik stammt von der Künstlerin Elisabeth Kronseder, der Dörte Sambraus mit ihrer Familie zeitlebens freundschaftlich verbunden war. Dörte Sambraus war die Gründerin der Inselhaus Kinder- und Jugendhilfe, das bis heute eine Vielzahl von pädagogischen Aufgaben leistet, um benachteiligten Kindern zu helfen und deren Familien zu unterstützen. Mit dem Preis werden Privatpersonen und Firmen geehrt, die sich außergewöhnlich für Kinder und Jugendliche engagieren.

Christa Castringius möchte besonders diejenigen mit ihrer Stiftung unterstützen, die aus einkommensschwachen Verhältnissen kommen. Beeindruckt habe sie, wie Laudator Martin Schütz den geladenen Gästen erklärte, dass in einem reichen Land wie Deutschland und einer ebenso reichen Stadt wie München so viele benachteiligte Kinder lebten - in einer erschreckenden Anzahl an der Armutsgrenze. Für Christa Castringius, die ursprünglich aus der Bachmusikstadt Leipzig kommt und selbst Geige spielt, gehört hierzu auch die Förderung von Musikprojekten. Sie hat sich auf die Stadt und die Region konzentriert und sich ihre Projekte gezielt ausgesucht.

Catherine Kemeny-Sambraus vom Inselhaus-Team, Tochter von Dörte Sambraus, wies darauf hin, dass es eben auch ein besonderer Glücksfall war, dass Castringius das Inselhaus ausgesucht habe. "Normalerweise müssen wir uns auf die Suche nach Spendern begeben, aber sie kam einfach von selbst auf uns zu." Die Ärztin ist dem Inselhaus seit zehn Jahren treu geblieben. Musik fördere, so der Laudator Schütz, neben der Freude auch die Entwicklung sozialer Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein für die Gruppe. Dass Musik der Seele gut tut und von staatlicher Seite in puncto Seelenarbeit wenig Unterstützung kommt, ist sich das Inselhaus-Team bewusst. Daher das Dankeschön an Castringius in Form des Dörte-Sambraus-Preises.

Die Musikpädagogin des Inselhauses, Claudia Sommer, dankte auf ihre musikalische Art mit ihrer warmen Stimme und ihrer Band. Die Texte ihrer Songs handeln von der Liebe zu geben, von der Buntheit und Verschiedenheit der Kinder und dem Mut, von einem besseren Leben zu träumen. Berührend ist die lange Liste der Engagements, die Christa Castringius nicht nur für das Inselhaus mit ihrem Geld ermöglicht hat und die der Laudator trotz ihres Widerstands gegen Ehrungen berichtet. Berührend ist auch der Auftritt der "Inselhausgang", deren Mitglieder durch ihre Unterstützung musikpädagogische Ausbildung erhalten haben. Ihre Musiklehrerin Claudia Sommer hat mit ihnen Lieder einstudiert, die sie zu Ehren der Spenderin vortragen. In einem letzten Lied haben sie nach einer Melodie von "Silbermond" den Text selber auf das Inselhaus umgedichtet: "Uns gibt die Insel Sicherheit, Sicherheit, die bleibt."

Die Dörte-Sambraus-Preisträgerin kann sich in wohlmeinender Strenge dann aber auch nicht verkneifen, den jungen Sängern den Rat zu geben, sich nach dem Pop auch einmal Bachs Chorälen zuzuwenden. Aber natürlich erst, wenn sie aus dem Popalter raus seien.