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Geretsrieder Persönlichkeit:Tanzend durch die Welt

Ingeborg Heinrichsen (r.), hier mit Carmen Kühnl, der Vorsitzenden des Vereins für Volkslied und Volksmusik, stellt am Sonntag ihr neues Buch vor.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Ingeborg Heinrichsen stellt ein neues Buch vor

Wenn Ingeborg Heinrichsen zwischen Lehrbüchern und Cds etwas heraussucht, ihren dunkelgrünen Bus inspiziert oder Geschichten erzählt, wirkt sie so lebhaft und vital wie eine Mitte Zwanzigjährige. Was die Geretsriederin jedoch unterscheidet, sind die 83 Jahre Lebenserfahrung - und ihr ebenso mannigfaches wie jahrelanges Wirken in der Region.

Heinrichsen ist vor allem bekannt aufgrund der 43 Tanzchoreografien zu Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Christian Bach, Herzog Max von Bayern und Graf Franz von Pocci, die sie selbst über Jahre entwickelt hat. Mehr als ein halbes Leben lang hat Heinrichsen Tänze gelernt und gelehrt, sich ausgedacht und einstudiert. Dafür wurde sie 2015 von der Stadt Geretsried zur Kulturpreisträgerin gekürt.

Zwischen Freunden und in einem traditionellen slowenischen Gewand stehend, die Haare wie so oft geflochten und hochgesteckt, lächelt Heinrichsen in die Kamera. Bilder wie dieses - tanzend auf Festen zwischen Freunden, schmücken neben Natur- und Landschaftsbildern die Wände und Schranktüren, Kommoden und Vitrinen in ihrem Zuhause. "Für mich ist das Heimat geworden hier." Hier, das heißt der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Das war nicht immer so. Als Tochter eines Berliners und einer Mutter aus Nizza ist Heinrichsen in Guben in der Niederlausitz geboren. Kurz nach dem Kriegsende vertrieben, ist die damals Neunjährige mit ihren Eltern schließlich in Münsing am Starnberger See gelandet. Mit dem Schiff ist sie damals zur Schule gefahren. "Da haben's immer g'sagt, schau da drüben, da wohnt der Herzog Max, der komponiert auch." Eine Erinnerung, die sie nachhaltig geprägt hat. Die meisten ihrer Tänze basieren auf Kompositionen von Herzog Max, so wie das Lieblingsstück der Choreografin, die "Feldafinger Mazurka". Als "Volkstänze" würde sie diese aber nicht bezeichnen, "Heimattänze müsste man sagen", korrigiert die frühere Volksschullehrerin sich selbst. Es seien eben Tänze, die zur Volksmusik entstanden sind, aber sich nicht auf eine bestimmten Nationalität und Tradition begrenzen. In erster Linie sind es Gemeinschaftstänze, zu denen eine Gruppe zusammen kommt. Darum geht es. "Geretsrieder, Geretsrieder Hand in Hand; Jeder Tänzer kommt aus einem andern Land", lautet eine Strophe aus Heinrichsens Texten.

Die Fotos zeigen aber auch eine Frau zwischen rauen Felswänden und Wüstensand. Wenn Heinrichsen von ihrer Reise in die Felsenstadt Petra in Jordanien erzählt, sprüht sie vor Begeisterung. Die Augen werden nur noch größer, wenn sie über ihre Wildwasserfahrten im Kajak berichtet. Durch türkisfarbene Stromschnellen und an bis zu 60 Meter hohen Wasserfällen vorbei ist Heinrichsen mit einer Gruppe drei Tage lang durch die tiefsten Schluchten Europas, der Tara in Montenegro, gepaddelt. Mit dem Zelt in der Schlucht übernachtet, im Fluss gewandert - das war ein ganz besonderes Erlebnis.

Beim Paddeln in Slowenien hat sie gleichzeitig neue Freunde gewonnen. Da diese auch ihre Freude am Tanzen teilten, lud Heinrichsen sie gleich in ihre Heimat ein. Das Gastgeschenk, eine traditionelle slowenische Tanzhaube, hat sie schnell zur Hand und hält sie sich über den Kopf: "Wunderschön, nicht?"

Jetzt paddelt sie seltener, auch wenn sich die heimatlichen Flüsse wie die Loisach, der Lech und besonders die Isar gut eignen. Das Alter macht sich eben doch manchmal bemerkbar - doch beeindrucken lässt sich die Geretsriederin davon nicht. Ganz pragmatisch und gelassen sieht sie das. Statt zu vergessen, schreibt sie sich eben einfach alles auf. "Wenn ich bei den Tanzübungsstunden mal die Schrittkombination vergesse, dann schau ich halt nach."

Und eine Alternative zu den Wildwassertouren hat sie auch gefunden: Mit ihrem ausgebauten Bus, der mit einer kleinen Kochzeile und Schlafplatz ausgestattet ist, fährt sie regelmäßig in die Berge zum Wandern. Manchmal auch mit dem Fahrrad. Dann klappert sie die umliegenden Seen ab. Aber am See liegen bleibt sie nicht, nur kurz schwimmen und dann muss es weiter gehen - Heinrichsen ist eben eine richtige Abenteurerin.

Am Sonntag, 20. Oktober, stellt Heinrichsen ihr neues Buch "Boarisch Tanz'n zwischen Tradition und Geselligkeit" von 11 bis 15 Uhr im Saal der Ratsstuben Geretsried vor. Selbst tanzen möchte sie natürlich auch gern, wenn sie denn "auch mal aufgefordert wird."