Geplante Umfahrung für Bad Tölz Probefliegen über der Nordspange

Die Tölzer Nordspange führt in Richtung Westen zunächst unter der geplanten Fußgängerbrücke und dann unter dem neuen Kreisverkehr an der Sachsenkamer Straße hindurch.

(Foto: Grafik: Staatliches Bauamt Weilheim)

Das Staatliche Bauamt zeigt in einem Animationsfilm wie die geplante Umgehung in der Kreisstadt aussehen soll. Der Bürgermeister rechnet mit Klagen gegen das Projekt.

Von Klaus Schieder

In einem kurzen Animationsfilm des Staatlichen Bauamts Weilheim kann man über die Tölzer Nordumfahrung schon einmal quasi mit dem Hubschrauber fliegen oder darauf Probe fahren. Die Umgehung führt von der Einmündung der Gaißacher Dorfstraße gen Osten, links und rechts sind dort gleich zu Beginn die Auf- und Abfahrtsrampen zum neuen Kreisverkehr an der Sachsenkamer Straße zu sehen. Die Umfahrung selbst geht unter diesem Rondell und danach unter der geplanten Fußgängerbrücke hindurch, gefolgt von den beiden Rampen auf der anderen Seite des Kreisels. Neben Lärmschutzwänden, die rechter Hand auftauchen, zieht sich die Straße, nun getrennt durch einen Fahrbahnteiler, weiter zum zweiten Kreisverkehr an der Einmündung der B 13, unterquert auch ihn und führt bis Greiling.

Bürgermeister Josef Janker (CSU) ist froh um diese Visualisierung. Viele Bürger hätten noch immer keine Ahnung, wie die Planung für die Nordspange aussieht, sagt er. Das will er nicht als Kritik verstanden wissen. Straßenbaupläne seien eben kompliziert zu lesen: "Die Bürger sind ja nicht alle Straßenbauer." Aus Leserbriefen und in Gesprächen bekam er allerdings mit, dass manch einer ganz falsche Vorstellungen von der Umfahrung habe - "es wird nicht verstanden". Dazu gehört dem Bürgermeister zufolge die irrige Ansicht, der Verkehr auf der Nordspange fließe über den neuen Kreisverkehr und nicht unter ihm hindurch. Das sei "ein Schmarrn, das sind natürlich zwei Ebenen". Eine Absage erteilt Janker auch dem immer wieder mal geäußerten Vorschlag, die gesamte Nordumfahrung durch einen Tunnel zu leiten. Diese Idee sei nicht zu realisieren, weil die Röhre wegen der Anbindung an die B 13 nach Holzkirchen auf wenigstens 200 Meter geöffnet werden müsste und der Platz dort nicht ausreiche, um Rampen ohne allzu steiles Gefälle anzulegen. Auch dies veranschaulicht der Kurzfilm nach Jankers Dafürhalten.

Die Visualisierung hatte das Staatliche Bauamt während des einwöchigen Anhörungsverfahrens gezeigt, das Mitte Oktober im Tölzer Landratsamt stattfand. Janker fand sie so anschaulich, dass er den Leiter des Bauamts, Michael Kordon, wegen all der Missverständnisse darum bat, den kurzen Film veröffentlichen zu dürfen. Auch Stefan Vogt, Sachgebietsleiter Planung und Bau für den Landkreis im Staatlichen Bauamt, hofft, damit mögliche Vorbehalte gegen die Nordspange abzubauen. "In vielen Gesprächen mit Bürgern und auch in den eingegangenen Stellungnahmen von Betroffenen hat sich gezeigt, dass die Planung zum Teil nicht ganz verstanden wurde", erklärt er.

Nach der Anhörung prüft die Weilheimer Behörde derzeit die Vorschläge und Einwände, die von Trägern öffentlicher Belange, aber auch von Privatpersonen vorgebracht wurden, und stimmt seine Stellungnahmen dazu mit der Regierung von Oberbayern ab. Die könnte im Frühsommer nächsten Jahres den Planfeststellungsbeschluss fassen und damit den Bau der Nordumfahrung genehmigen, hofft Janker. Das dürfte allerdings ein frommer Wunsch bleiben, wie er selbst weiß. Mit mehreren Klagen gegen das Projekt sei zu rechnen, auch wenn ihn das nicht freue: "Das verzögert die ganze Geschichte, die 25 000 Autofahrer pro Tag auf der B 472 werden davon auch nicht begeistert sein."

Unterdessen wird auf der Bundesstraße erst einmal gebaut. Bis Mittwoch, 16. November, bringt das Staatliche Bauamt einige Leitschwellen an, um das Linksabbiegen in die Straße Am Sportpark zu verhindern, die zum Eisstadion führt. Denn das ist verboten. Weil es dabei häufig zu Unfällen kam, hatte das Bauamt bereits 2004 die Abbiegespur gesperrt und schraffiert. Viel gebracht hat das nicht. "Seit 2012 ist die Zahl der Unfälle erneut angestiegen", teilt Vogt mit. Das liege auch daran, dass durch das Linksabbiegen nur kleine Lücken zwischen den Fahrzeugen blieben, und dies auf einer Bundesstraße mit hohem Verkehrsaufkommen. Überdies hätten Geschwindigkeitskontrollen ergeben, dass an der Kreuzung zu schnell gefahren werde. Aus diesen Gründen wolle man das Linksabbiegeverbot "baulich durchsetzen", sagt Vogt. Die gelben, niedrigen Schwellen, ähnlich wie auf dem Kesselberg, werden mit dem Asphalt verschraubt. Die Kosten betragen 5000 Euro.

Mit Behinderungen müssen Verkehrsteilnehmer in Bad Tölz im Kurviertel rechnen. Weil die Hausanschlüsse für die neue Wohnanlage zwischen dem Kurhotel Eberl und dem Neurokom Isarwinkel gelegt werden, ist die Buchener Straße von Mittwoch, 16. November, bis einschließlich Donnerstag, 24. November, komplett gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die Seppstraße und die Höckhstraße.

Ein anderes Projekt, das in dem von Bürgern erarbeiteten Verkehrsentwicklungsplan steht, hat die Stadt momentan auf Eis gelegt. Den neuen Kreisverkehr vor der Tourist-Information am Max-Hoefler-Platz werde man wohl erst in zwei, drei Jahren anpacken, teilt Bürgermeister Janker mit. Einen Kreisel mit eher kleinem Radius an der unübersichtlichen Einmündung der Ludwigstraße und der Schützenstraße in die Arzbacher Straße hält er für eine gute Lösung. Dies verlangsame den Verkehr, bewirke aber zugleich, dass die Fahrzeuge zügiger über diesen Knotenpunkt kämen, sagt Janker. Allerdings sei die Stadtverwaltung derzeit mit einer ganzen Reihe von Vorhaben befasst, von der Rathaus-Sanierung bis hin zum sozialen Wohnungsbau, sodass dafür jetzt keine Zeit bleibe. "Es ist so viel am Laufen."