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Gedenken in Wolfratshausen:Alles kreist um die 75

"Wolfratshausen ist schön": Der Historische Verein will zeigen, wie schön es tatsächlich einst war.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Historischer Verein stellt sein Jahresprogramm vor

Eine Ruine als Attraktion am Tag des offenen Denkmals - das ist gewiss keine Seltenheit. In Wolfratshausen allerdings ist es schon eine besondere Ruine, zu welcher der Historische Verein am 13. September Besucher locken möchte. Das halb abgebrochene Isar-Kaufhaus ist Ziel der Exkursion. Annekatrin Schulz und Ludwig Gollwitzer beleuchten die Geschichte jenes Kaufhauses, dessen Schließung vor acht Jahren erheblich zum Ausbluten der Innenstadt beigetragen hat. Sie erinnern an die historischen Gebäude, die mit dem 2019 begonnenen und wegen einer Nachbarschaftsklage gerichtlich gestoppten Abriss verloren gegangen sind: der alte Kornspeicher, die Knabenschule und das Seifensiederanwesen.

Dies ist eine von sechs großen Veranstaltungen, die der Historische Verein sich für dieses Jahr vorgenommen hat. Der Vorstand um Sybille Krafft hat das Programm am Sonntag im Erinnerungsort Badehaus vorgestellt. Neben der Presse nahm eine Handvoll neuer Mitglieder daran teil, die bei dieser Gelegenheit begrüßt wurden.

Den Auftakt des Jahresprogramms gestaltet der Verein am Internationalen Frauentag, Sonntag, 8. März, mit dem Film "Drei Schwestern made in Germany" des verstorbenen Regisseurs Oliver Storz mit Musik von Klaus Doldinger. Das Jahr 2020 sei ja geprägt von der Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren, sagt Krafft. Der Film, der in der Nachkriegszeit spielt, passe dazu.

Dasselbe gilt für den zweiten Programmpunkt, das Gedenken an den Todesmarsch der Dachauer KZ-Häftlinge gen Süden vor 75 Jahren. Diese letzte mörderische Aktion der SS führte auch an Wolfratshausen vorbei, wo im damaligen Lager Föhrenwald einige Überlebende versorgt wurden und, wie Krafft stets betont, ihre ersten Tage in Freiheit verbrachten. Der Historische Verein gestaltet in Kooperation mit dem Badehaus-Verein und finanziell unterstützt von den Städten Wolfratshausen und Geretsried einen Gedenkzug vom Mahnmal in Buchberg zum Badehaus; dort findet ein Festakt mit Zeitzeugen, Musik und einer Ausstellung des von den Nazis verfolgten Künstlers Karl Maldek statt.

Münsing ist Ziel eines Ausflugs, zu dem der Historische Verein einlädt. Über eine der ältesten Siedlungen im Landkreis, so das Programm, sprechen dort zwei Fachleute, der Ortschronist Johannes Bernwieser und der Historiker Benno Gantner. Und am Ende des Rundgangs erläutert der Archäologe Markus Fagner aus Meilenberg die Keltengräber, die auf dem Gelände des Pallaufhofs entdeckt wurden.

Eines der neuen Mitglieder schwärmte am Sonntag von der "fernsehreifen Revue", die der Historische Verein 2012 anlässlich von 50 Jahren Stadt Wolfratshausen veranstaltet hatte. Ähnlich schwungvoll und professionell soll am 21. November eine neue historische Revue über die Bühne der Loisachhalle gehen: "Als die Amis ins Isartal kamen" thematisiert Kriegsende, Befreiung und Neubeginn vor 75 Jahren. Bernhard Reisner, Zweiter Vorsitzender des Vereins, versprach Infos genauso wie Unterhaltsames, Musik, Tanz, Film, Zeitzeugen und historische Fotos.

Den Abschluss macht ein Film der Historikerin und Journalistin Sybille Krafft: "Damals angekommen in Bayern" zeigt am Beispiel von Neugablonz, Neutraubling und Traunreut, wie Heimatvertriebene hierzulande aufgenommen wurden. Nach der Filmvorführung ist im Badehaus eine Runde mit Zeitzeugen aus Waldram und Geretsried geplant.

Der Historische Verein hat aktuell 273 Mitglieder. Sie zahlen je 20 Euro Jahresbeitrag. Flyer mit dem Jahresprogramm liegen an verschiedenen Orten aus; im Internet ist die Programmvorschau noch in Vorbereitung, www.histvereinwor.de

© SZ vom 20.01.2020
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