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Galerie und Filmkulisse:Der gute Geist

Lia Schneider-Stöckl begrüßt die Festgäste. Viele von ihnen verbinden schöne Erinnerungen mit dem Hollerhaus.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Viel Prominenz feiert am Samstag das Hollerhaus in Irschenhausen. Der Künstlertreff ist 100 Jahre alt

Von Benjamin Engel, Icking

Zum vielschichtig-lebendigen Charakter des Irschenhausener Hollerhauses passt die Geschichte, dass der Kabarettist Oliver Hepp dort geboren ist: Am 7. November 1962 stolperte dessen hochschwangere Mutter - die damalige Besitzerin Ingrid Lepsius ermöglichte Frauen in Notlagen diskrete Entbindungen - auf der steilen Holztreppe zwischen Parterre und erstem Stock, auf der sich später Ottfried Fischer als Bulle von Tölz hinauf quälte. Es kam zu einer Sturzgeburt. So erblickte Hepp das Licht der Welt.

Auf der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Künstlertreffpunkts Hollerhaus am Samstagabend mischt sich Hepp ebenso unter die Gäste wie der Schauspieler Werner Enke, bekannt geworden für sein Drehbuch und die Hauptrolle im Film "Zur Sache Schätzchen" neben Uschi Glas. Und damit schließt sich ein Kreis, war Hepp in seiner Kindheit im Hollerhaus bereits auf Enke getroffen, der dort für einen Sommer wohnte und am Drehbuch des Kultfilms schrieb. Im lauschigen Garten des Hollerhauses plaudern Gäste wie der weltberühmte Ickinger Jazzer Klaus Doldinger und seine Frau Inge, die Münsinger Malerin Ruth Kohler und Musikkabarettist Josef Brustmann. Schäftlarns Bürgermeister Matthias Ruhdorfer ist da und sein Vorgänger Erich Rühmer. Im Hintergrund spielen Hans Heß mit Musikern der Irschenhauser Blaskapelle und die Band Vertigo mit Bassist Sebastian Stöckl, Sohn der jetzigen Hollerhaus-Gastgeberin Lia Schneider-Stöckl.

Doch zurück in die Historie: 1910 entdecken die Berliner Malerin Clara Porges und ihr Mann Friedrich Porges, Violinist, Irschenhausen und das Isartal, kaufen bald darauf das jahrhundertealte bäuerliche Schneiderhäusl und nennen es Hollerhaus. 1917 ist dann der Anbau der Galerie fertig. Fortan kommen Literaten, Maler, Musiker und Künstler hierher. Ein Szenetreff ward geboren.

Lia Schneider-Stöckl erinnert an die 100-jährige Geschichte von Kunst, Kultur und Geselligkeit, die dem Ehepaar zu verdanken ist. Im Atelier hängen Reproduktionen der Bilder von Clara Porges, Ansichten der Blicke vom Isarhochufer bei Irschenhausen auf den Alpenrand oder der Engadiner Bergwelt in den betörend rötlichen Farben des Sonnenuntergangs.

Die kontrastieren mit Werken von Adolf Erbslöh, Mitbegründer der "Neuen Künstlervereinigung München". Er malte in den 1930er-Jahren in der Hollerhaus-Galerie, als Baronin Marianne von Beaulieu dort eine illustre Pension führte. Zu sehen ist etwa ein Bild der Madonna mit Jesuskind nach Giovanni Bellini. Im Hintergrund hat Erbslöh die Irschenhauser Kirche und die Benediktenwand hinzugefügt.

In einem anderen Raum geht es um den Schriftsteller und "Biene Maja"-Schöpfer Waldemar Bonsels, der in den 1920er-Jahren unter den neugierigen Blicken von Dorfbewohnern rauschhafte Feste mit seinen spärlich bekleideten im Garten tanzenden Gespielinnen feierte. An den Wänden hängen Filmbilder der Serie "Der Bulle von Tölz" mit den Schauspielern Ottfried Fischer (Kommissar Benno Berghammer) und Ruth Drexl (Resi Berghammer). 13 Jahre lang diente das Hollerhaus als Schauplatz für die Pension Resi. Im Fernseher laufen Serien-Ausschnitte. Ebenso sind ein Plakat und Schwarz-Weiß-Fotos aus dem Film "Zur Sache Schätzchen" zu entdecken wie Aufnahmen aus der Serie "Die glückliche Familie" mit Maria Schell, beides ebenfalls teils im Hollerhaus gedreht.

Doch zunächst heißt es, bei den Festreden zuzuhören. Sandra Uhrig hat als Leiterin im Schloßmuseum Murnau gerade erst eine Ausstellung mit Werken von Adolf Erbslöh organisiert und jetzt das Hollerhaus unterstützt. Sie streicht die Parallelen zwischen der Kommune am Staffelsee und Irschenhausen als Orte aktiver Künstlergemeinschaften heraus. Der Schweizer Künstler Sergio Michels, Verfasser von Monografien über Clara Porges, beschreibt, wie er ein erstes Aquarell von ihr entdeckte, sofort vom Licht, den Farben und der Tiefe in der Darstellung der Landschaft am Luganer See begeistert war. Die Ickinger Bürgermeisterin Margit Menrad preist das Hollerhaus als einen magischen Ort der Kreativität - und Hausherrin Schneider-Stöckl: "Du bist im besten Sinne der gute Geist hier, das beste Beispiel für privates Mäzenatentum."

© SZ vom 17.07.2017
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