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Eurasburg:Neue Stimmen, alte Hasen und ein guter Zweck

Alexander Maschke (v.l.), Matthias, Maresa und Maria Well - die "NouWell Cousines" beim Konzert in Beuerberg.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Beim Benefizkonzert für den TUN-Verein überzeugen die "Quinteens" ebenso wie "NouWell Cousines"

Von Sabine Näher, Eurasburg

Die Namen der beiden Ensembles sind zunächst etwas sperrig. Den einen immerhin hat man sich mittlerweile schon eingeprägt. Und den anderen sollte man sich ebenfalls merken. Denn die NouWell cousines und die Quinteens lösten beim Publikum im übervollen Pfarrheim Beuerberg gleichermaßen Begeisterung aus. Die Newcomer durften sich dort als "Vorband" präsentieren. Lina Dinzinger, Theresa Gerardy, Jasmin Buxbaum, Polina Alekseev und Lillemor Pauli, alle erst fünfzehn Jahre alt, stammen aus der Gesangsschmiede von Yoshihisa Kinoshita, dem Leiter des Wolfratshauser Kinderchores.

Dort entstehen immer wieder neue Vokalensembles, die Aufsehen erregen. Und so dürfte es sich auch mit den "Quinteens" verhalten. Musikalisch souverän, stimmlich in Topverfassung bringen sie die erste Nummer "Lollipop". Was (noch) fehlt, ist die gewisse Bühnenausstrahlung, das neckische Spiel mit dem Publikum, das einer solchen Nummer den richtigen Kick gibt. Bei der folgenden "Nordischen Weise" dagegen ist der gesammelte Ernst durchaus am Platz. Die klare, helle, zarte Interpretation ist sehr berührend. Kinoshita steht derweil in der letzten Reihe. Man sieht ihm an, dass er innerlich mitsingt und -atmet. Auch die fünf Mädchen agieren mit einem Atem, haben ein wunderbares Gefühl fürs Timing und können in den stilleren, ernsthaften Nummern schon vollkommen überzeugen. Das Show-Element, das die Popnummern brauchen, die Performance, wird sich mit mehr Bühnenerfahrung und Routine schon noch einstellen. Davon haben die beiden jungen Damen, die dem nachfolgenden Ensemble den Namen gaben, überreichlich: Die Cousinen Maria und Maresa Well sind wie viele Mitglieder der ruhmreichen Well-Familie quasi auf der Bühne groß geworden. Gleiches gilt für Marias Bruder Matthias, also Maresas Cousin. Den vierten im Bunde, den Berliner Alexander Maschke, haben sie sozusagen adoptiert. Alle vier haben eine klassische Ausbildung an der Münchner Musikhochschule durchlaufen. Maria ist eine gefragte Cellistin, Maresa und Matthias sind Geiger. Alexander studiert Komposition und verstärkt mal die Streicherfraktion, mal greift er zum Akkordeon. Was die vier auf der Bühne abliefern, sprengt lustvoll alle Kategorien. Mal klingt's klassisch; die technischen und interpretatorischen Fähigkeiten dazu haben sie. Doch richtig vergnüglich wird es beim bayerischen Repertoire. Von herrlichen Gstanzln ("Das bedeutet wenig Text, aber viel Inhalt - quasi philosophisch!") über Singspiele mit verteilten Rollen (Alexander gibt den Bauern, Maria das Lieschen, seine Frau, Matthias ist der Pfarrer, der die Beichte der Sünderin zu Hause abnimmt und vom Hausherrn zur Unzeit überrascht wird, Maresa fungiert als witzige Erzählerin) bis zu schlichten alpenländischen Weisen, mit denen plötzlich musikalisch der Gaul durchgeht, wird alles geboten. Dabei müssen sich die jungen Männer auf der Bühne von den Frauen, die hier eindeutig die Hosen anhaben, ganz schön was bieten lassen.

Zum Beispiel im Wodka-Lied: "Ich trinke Wodka, Wodka, Wodka. Der Wodka macht mich klug und schön", schmachtet Alexander. "Ja, er säuft Wodka, Wodka, Wodka. Dieser Wodka macht ihn schiach und bleed", tönt es von Maria und Maresa. Und im Edelweiß-Lied werden die liebeshungrigen "Buam", die in die Wand steigen, um das von der Liebsten begehrte Blümchen zu pflücken, eiskalt als Organspender verplant.

Das Publikum hat einen Riesenspaß. Und das befriedigende Gefühl, damit noch etwas Gutes zu tun. Der Erlös geht nämlich an den TUN-Verein, den Beuerberger Verein, der seit 2002 für die Kinder- und Jugendarbeit sammelt - und dem mit den zahlreichen Flüchtlingskindern in den letzten Monaten ganz neue Aufgaben zugewachsen sind. Davon zeugt eine kleine Ausstellung im Foyer, die Bilder dieser Kinder und Jugendlichen zeigt. Drei von ihnen sind auch im Konzert anwesend. Dessen Ende ist aber noch nicht der Schluss der Veranstaltung: Das Publikum fordert und bekommt mehrere Zugaben. Absolutes Highlight: Die Well-Cousinen beim Schuhplattln. In engen, kurzen Röcken und High Heels. Respekt!

© SZ vom 24.10.2016
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