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Erneuerbare Energien in Geretsried:Neue Chance für Geothermie

Innovative Technik soll Geltinger Bohrplatz wiederbeleben

Nach zwei erfolglosen Geothermie-Bohrungen in Gelting will die Firma Enex einen neuen Anlauf unternehmen, um an ihrem Geretsrieder Standort doch noch Strom aus Heißwasser gewinnen zu können. Das Energieunternehmen hat sich dafür mit dem im kanadischen Calgary ansässigen Konzern Eavor Technologies zusammengetan. Wie Enex und Eavor mitteilen, haben die beiden Konzerne eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft gegründet, um geothermische Projekte weiter voranbringen zu können.

In Gelting soll demnach nun ein Verfahren namens "Eavor-Loop" zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um eine Art riesigen Wärmetauscher. In einem Kreislaufverfahren wird dabei eine Flüssigkeit etwa 2400 Meter tief in den Boden gepumpt. In den heißen Erdschichten läuft die Flüssigkeit eine etwa zwei Kilometer lange Leitung entlang und erwärmt sich dabei. Die so erzeugte Thermalflüssigkeit wird wieder nach oben gepumpt und nach dem Energieentzug oberirdisch zurück an den Ausgangsstandort geleitet.

Der Vorteil dieses Verfahrens ist laut Eavor, dass die herkömmlichen Begleitrisiken einer normalen Geothermiebohrung ausgeschaltet sind: kein Fracking, keine Emission von Treibhausgasen, kein Erdbebenrisiko, kein Wasserverbrauch. Anders als die klassische Geothermie sei der Eavor-Loop auch keinen Erkundungsrisiken ausgesetzt. Wie viel Wasser in der Tiefe vorhanden ist, ist für die Technik unerheblich. Es geht ausschließlich um die Tiefenwärme - und die ist in Gelting erwiesenermaßen vorhanden. "Wir freuen uns deshalb sehr, diese neuartige und innovative Technologie nun anwenden zu können", sagt Robert Straubinger, der Geschäftsführer der Enex Power Germany GmbH.

Die neuen Geschäftspartner von Enex haben 2019 in der kanadischen Provinz Alberta einen Prototypen von ihrem Eavor-Loop gebaut. "Das Projekt in Geretsried ist nun eine hervorragende Möglichkeit, zu zeigen, wie unsere Technologie die herkömmliche geothermische Erschließung ergänzen kann", sagt Bailey Schwarz, die leitende Ingenieurin bei Eavor. Das Fachwissen ihrer Firma und die langjährige Erfahrung von Enex bei der Entwicklung von Projekten in Deutschland werde sich ideal ergänzen, hofft sie.

Enex hatte 2004 für das Gebiet in Gelting die Konzession zur Erdwärmegewinnung erworben und dort nach eigenen Angaben insgesamt rund 30 Millionen Euro investiert. Nachdem sich bei zwei Bohrversuchen der Untergrund aber jeweils als zu trocken herausgestellt hatte, lag das Projekt auf Eis. Nun kommt in die Angelegenheit jedoch wieder Bewegung. Als Baubeginn für den Eavor-Loop ist das Frühjahr 2021 vorgesehen. Für die Stadt Geretsried bedeutet das, dass die Geothermie künftig doch noch einen Teil der Fernwärmeversorgung abdecken könnte. Im Kooperationsvertrag zwischen Enex und Eavor ist der Verkauf von Wärme an die Stadt Geretsried als Option jedenfalls ausdrücklich festgehalten.

© SZ vom 06.05.2020

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