bedeckt München 20°

Ein Anruf bei...:"Wir entlasten Eltern in dieser schwierigen Zeit"

Jutta Hausler

Jutta Hausler betreibt in Sachsenkam eine Lernpraxis und gibt Eltern Ratschläge fürs Home-Schooling.

(Foto: privat/oh)

Jutta Hausler und ihr Team einer Lernpraxis in Sachsenkam stellen ihre Nachhilfe- und Coachingangebote während der Krise auf Online-Service um

Jutta Hausler ist Gründerin und Leiterin der Ganzheitlichen Lernpraxis für Kinder und Erwachsene. Gemeinsam mit einem Team, bestehend aus sechs Trainern, unterstützt sie Schüler und deren Eltern in ihrem Lernalltag. Derzeit sind die Räumlichkeiten der Lernpraxis wie auch alle Schulen geschlossen. Für alle eine große Umstellung. Deshalb bietet Hausler nun virtuell Hilfe an.

SZ: Was geht Ihnen gerade durch den Kopf?

Jutta Hausler: Es ist eine schwierige Zeit für alle Selbstständigen. Auch für uns als Lernpraxis. Normalerweise kommen die Kinder zu uns. Aufgrund der aktuellen Situation haben wir zügig eine Lernplattform ins Leben gerufen.

Wie genau funktioniert diese?

Wir bieten Live-Kurse und Online-Training an. Nachmittags sind die Trainer online und arbeiten Fächer und Themenschwerpunkte ab. Die Kinder können sich dazu schalten und sich ausklinken, wenn sie fertig sind. Entweder im Einzelgespräch oder in der Gruppe wird gelernt. Zudem bieten wir Ordner für alle Klassen mit entsprechendem Material an. Während sich einige nur an den bereitgestellten Lernmaterialien bedienen, kommen andere auf das Live-Angebot zurück. Es kommt immer auf den individuellen Lerntyp an. Unsere Trainer und Trainerinnen unterstützen bei den Aufgaben. Der Lernstoff wird durchgegangen, Hausaufgaben werden erledigt und wiederholt. Zusätzlich haben wir Lernvideos vorbereitet. Die Frage, die wir stellen ist: Was verstehst du schon und wo hast du noch Übungsbedarf oder Lerndefizite?

Wie viele Kinder lernen auf diese Art und Weise mit Ihnen?

Derzeit haben wir 43 Trainingskinder, die bereits vor der Krise bei uns angemeldet waren. Für die ist der Online-Service umsonst. Wer jetzt dazustößt, kann die Online-Kurse für 40 Euro nutzen. Seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen haben wir neun Neuanmeldungen.

Und wie gehen die Eltern mit der aktuellen Situation um?

Die Mehrheit tut sich schwer. Sie fühlen sich alleine gelassen, sind überfordert und stoßen an ihre Grenzen. Die Eltern sind verunsichert. Sie wollen helfen, können es aber nicht. Teilweise haben die Kinder keine Lust mehr. Dadurch kommt es zu Konflikten in den Familien.

Was schlagen sie in solchen Fällen vor?

Ein Lernplan, der gemeinsam mit den Kindern erarbeitet wird, ist hilfreich. So kann Struktur und Routine in den Alltag gebracht werden. Nebenbei entlasten wir die Eltern. Denn was die am meisten brauchen, ist eine Auszeit. Und wir wollen Kinder - wenn auch nur virtuell - zusammenbringen, Spaß haben und gemeinsam lernen. Auf unserer Lernplattform können die Kinder dann wertvolle Stunden haben, es ist nett und vertraut. Das ist wichtig, denn lernen funktioniert auch viel über Emotion. Deshalb ist die Grundangst, die im Moment herrscht und sowohl Kinder als auch Eltern beschäftigt, so hinderlich. Denn Angst ist der schwierigste Begleiter, wenn es ums Lernen geht.

Wie effektiv ist das Lernen von zu Hause via Internet denn?

Ich glaube grob, wer sich nicht strukturieren kann, tut sich schwer. Und je länger die Krise andauert, desto schwieriger wird es. Diese Kinder und deren Eltern trifft es am stärksten. Die Konzentration lässt über den Tag hinweg nach und einige wollen sich im Livestream am liebsten hinlegen. Plötzlich wird den Eltern der Wert einer Lehrkraft bewusst. Wie wertvoll es ist, wenn sich eine Lehrkraft den Kindern annimmt. Nicht nur bei den Eltern, auch bei den Kindern ist da ein wachsendes Bewusstsein. Eine Mutter oder eine Vater kann diese Rolle nicht einnehmen und selbiges leisten. Wer strukturiert und ordentlich arbeitet, kommt gut zurecht. Die anderen werden stärker zu kämpfen haben. Langfristige Schäden werden sich erst im Laufe der Zeit zeigen.

Wir haben nicht gewusst, ob Online-Unterricht funktioniert und wie die Kinder das mitmachen. Nach zwei Wochen ziehen wir Bilanz und die ist durchweg positiv. Wenn Kinder einmal teilnehmen, wollen sie immer wieder dabei sein. Die große Herausforderung für uns als Trainer ist, die Kinder bei Laune zu halten. Neben unserem Bildungsauftrag sehen wir ganz klar die Aufgabe, zu beschäftigen.

Wie hat sich die Corona Krise auf Ihr Team ausgewirkt?

Mein Team ist sehr engagiert und wächst gerade jetzt noch einmal enger zusammen - ein Glanzstück. Ohne meinen Sohn und Jugendtrainer Benedikt zum Beispiel hätte ich die Plattform nicht auf die Beine stellen können. Er hat das technisches Know-how und konnte uns schnell helfen.

© SZ vom 14.04.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite