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Egling:Stille Reize im Moränen-Land

Südöstlich von Thanning können Wanderer den Spuren von Walter Pause folgen. Der vom Bergautor beschriebene Weg führt entlang an Weihern und Filzwiesen, durch kleine Wälder und Weiler. Dabei zeigen sich manch verborgene Schönheiten

Von Benjamin Engel, Egling

Auf dem schnellsten Weg zwischen Wolfratshausen und Sauerlach dürfte so mancher an Thanning einfach vorbeifahren. Wer auf der Staatsstraße bleibt, verpasst ein schmuckes Dorf mit der Pfarrkirche St. Peter und Paul aus dem 18. Jahrhundert samt romanischem Turmunterbau. Ein Spaziergang in der südöstlichen Umgebung des Dorfes führt durch eine Landschaft mit ursprünglichen Charakteristika des bayerischen Voralpenlands: Schilf und Moos, Wasser und Wald im eingeschnittenen Moränengraben, an dessen oberer Grenze liegen freie Weidewiesen.

Wer nur die Berge als Ziel kennt, versäumt die auf den ersten Blick eher unscheinbaren, kleinen Schönheiten. Wer sie aber als Wanderer aufspürt, der bewegt sich zumindest teilweise auf den Spuren eines der klassischen Wander- und Bergbuchautoren. Walter Pause (1907-1988) wusste die stillen Reize des hügeligen Flachlands genauso zu schätzen wie steile Felsabbrüche in den Bergen. Seine grünen Bändchen im ungewöhnlichen Rechteckformat mit Touren rund um München sind prägnante Dokumente von zeithistorischem Wert. "Wer viel geht, fährt gut: 50 Wandertipps für kluge Autofahrer" konnte er noch Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre ganz ungeniert die schmalen vier Büchlein titeln. Der fortschrittliche heutige Wanderer soll am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Reizvoll sind so manche seiner Touren fünf Jahrzehnte später gleichwohl noch immer. Erst einmal auf Asphalt geht es von der Thanninger Kirche ein kleines Stück nordwärts auf der Hauptstraße. Rechts weg zweigt der Weiherweg ab und führt ostwärts aus dem Dorf hinaus. An der ersten Linkskurve folgen die Wanderer dem Feldweg und stehen schon bald am Rand eines kleinen Sees. Es ist der erste der drei idyllisch im Moränengrund sich aufreihenden Thanninger Fischweiher. Für reiche Fangerträge hat einst das Kloster Schäftlarn die Gewässer im 18. Jahrhundert anstauen lassen. Ihr Wasser speist der Moosenbach. Inzwischen bewirtschaftet der Fischereiverein München die Weiher. Jederzeit können die Wanderer am Ufer daher Anglern begegnen.

Rund drei Stunden braucht man für die große Rundtour um die Fischweiher bei Thanning.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Immer am Wasser geht der Weg jetzt entlang - zunächst am Nordufer des ersten und zweiten Weihers, dann am Westufer des dritten und größten führt die Tour ans Südufer hinüber. Der weich unter dem Wanderschuh federnde Weg ist von Fichtennadeln bedeckt. Linkerhand verfilzt der Graben immer mehr, geht in breite Schilfgürtel und Moorwiesen über. In dieser Landschaft lässt sich nahezu spüren, wie sich die gewaltigen Gletscher der Würmeiszeit bis vor etwa 10 000 Jahren durch das Voralpenland wälzten und so die Topografie formten. Im Graben sollten sich die Wanderer links halten. Nach rechts ist zwar der Weg zum urigen Gasthaus Hansch in Feldkirchen beschildert, dorthin gelangt man später aber auch noch. Im Grabengrund öffnet sich nun eine zur richtigen Jahreszeit von Blumen übersäte Wiese.

Die Tour führt nach rechts am Waldrand weiter. Nun folgen abwechselnd Wald und Wiesenböden aufeinander. An der ersten Lichtung bleiben die Wanderer schräg links noch im Talboden. Sie folgen dem Weg im Talgrund in Richtung Süden und kommen zu einer zweiten Kreuzung, an der sie sich weiter südwärts halten. Auf einer Lichtung taucht der allein gelegene Thalweber auf. An den Häusern geht es vorbei, dann kurz wieder durch Wald und schließlich auf eine Wiesenlandschaft hinaus. Die Route setzt sich nach rechts fort, aus dem Talgrund hinauf nach Reichertshausen.

Verengte bislang der lang gezogene Graben den Blick, öffnet sich nun die typische, von Moränenhügeln gekrönte oberbayerische Weidelandschaft. Bis zu den ersten Alpenbergen reicht die Sicht. In nordwestlicher Richtung wandert man auf Feldkirchen zu. Die Kiesgrube zur Rechten ist weniger apart, aber in einer Boomregion wie München wohl für den Bau lebenswichtig. Kurz nach der Kiesgrube ginge es nach rechts wieder in den stillen Moos- und Weihergrund des ersten Tourabschnitts zurück. Das war zugegebenermaßen der wohl idyllischere Teil der Wanderung. Nach links leitet die Straße nach Feldkirchen hinein. Durch das Dorf mit wenigen Häusern und dem Gasthof Hansch hindurch geht es direkt nach Moosham. Dort biegt man gleich am Ortseingang nach rechts ab, folgt dem Weg bis zu einer Straße und dann nach Thanning hinein.

Gegen Ende der Wanderung lockt eine Einkehr im Gasthaus Hansch in Feldkirchen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Walter Pauses Tour ist der Wanderer damit nur teilweise gefolgt. Er hätte es wohl sowieso ganz anders gemacht. Denn für seine Routen empfahl er oft gerne, einfach pfadlos quer über Wiesen oder am Waldrand zu laufen. Das gefiel so manchem Landwirt weniger und erschwerte die Orientierung. Fragt man heute bei einem Bauern nach des Autors Spuren, bekommt man schon einmal "Ach, der Pause!" zu hören. Und wer nur mit dem Nachnamen genannt wird, ist wirklich auf dem besten Weg zum Klassiker.

Wandern bei Thanning: Parkplätze gibt es bei der Pfarrkirche in Ortszentrum; um die drei Stunden dauert die Rundtour; das Gasthaus Hansch ist von 10 Uhr an geöffnet, am Montag und Dienstag Ruhetag

© SZ vom 17.10.2020

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