Egling Hoffnungsvoll gestrandet

Galerie Carmen Pratschke zeigt Bilder und Skulpturen afrikanischer Künstler

Von Stephanie Schwaderer, Egling

Die zentrale Figur in dieser Ausstellung ist ein junger, schwarzer Mann. Gebückt sitzt er am Boden, über die rechte Schulter hat er eine kleine Tasche geworfen, ansonsten trägt er nichts am Körper. Sein Blick ist gesenkt, aber seine Muskeln sind gespannt, gerade so, als würde er sich jeden Moment erheben und losschreiten - in ein neues, besseres Leben. "Stranded" heißt die Betonskulptur des nigerianischen Bildhauers Samson Ogiamien, die derzeit in der Galerie Pratschke zu sehen ist und der aktuellen Ausstellung ihren Namen gegeben hat.

Gestrandet - in ganz anderer, privater Hinsicht - ist auch die Galeristin Carmen Pratschke vor ein paar Jahren. Nach 30 Jahren Ehe saß sie plötzlich alleine in ihrem Haus in Deining. "Wenn du am Boden bist, brauchst du nicht darauf zu warten, dass einer kommt und dir hilft", sagt sie. "Du musst schon selber aufstehen." Das hat sie getan. Mittlerweile ist sie wieder verheiratet, sichtlich glücklich und hat nicht nur ein neues Leben, sondern einen neuen Kontinent für sich entdeckt: Afrika. Ihr Mann, Mark Ofosuhene, kommt aus Accra, der Hauptstadt Ghanas.

Hier das Bild "Tree of Life" von Paa Kwesi Coleman.

(Foto: privat)

Die aktuelle Ausstellung steht ganz im Zeichen dieses Neubeginns. Vor zehn Jahren, als Pratschke ihre Galerie in Deining eröffnete, konzentrierte sie sich auf renommierte Künstler aus ihrer Heimat Österreich. Nun hat Afrika in den beiden Ausstellungsräumen Einzug gehalten. In Zukunft wolle sie öfters "junge, moderne und selbstbewusste Kunst des schwarzen Kontinents" zeigen, sagt sie. "Da gibt es so viele tolle Leute." Ein Hindernis sei allerdings, dass die wenigsten Afrikaner eine Ausreisegenehmigung bekämen.

Die beiden Künstler, die in Deining den Anfang machen, haben ihre Heimat schon vor Jahren verlassen. Ogiamien, ein nigerianischer Königssohn, hat in Graz studiert und ist mit der österreichischen Künstlerin Stefanie Öttl liiert, die auch ein Bild zu der Ausstellung beigesteuert hat. Seine Skulpturen sind ansatzweise sozialkritisch, vor allem aber huldigen sie der Schönheit und der Liebe. Neben drei naturalistischen Büsten aus pechschwarzem Beton, darunter eine betörende Afrikanerin namens Sophia, ziehen vor allem abstrakte und dennoch beschwingt wirkende Liebespaare Hand und Auge an. Auffallend auch die Arbeit "Trouble and Pride": Drei Frauenkörper stehen da, ganz schlicht und sinnlich geschwungen, doch fehlt ihnen die rechte Brust.

"Stranded" heißt die Skulptur von Samson Ogiamie, die der Schau ihren Namen gegeben hat.

(Foto: Zlatko Knezevic)

Ganz anders die Arbeiten des Malers Paa Kwesi Coleman aus Ghana, der seit einem Jahr in München lebt. Er schwelgt in den Farben seiner Heimat und präsentiert diese unverfänglich von ihrer pittoresken Seite. Da gibt es Körbe voller saftiger Tomaten und praller Orangen. Frauen kochen oder mahlen Mehl, während die Wände vor Hitze glühen. Eine Mutter schöpft mit voller Kelle das Essen für ihre Kinder. "Ghana könnte das reichste Land der Welt sein, wenn das Regime nicht so korrupt wäre", sagt Pratschke.

Sie hat das Land mehrfach bereist, war schockiert von der Armut und hingerissen von der Lebensfreude der Menschen. "Bei einem Mittagessen kommt dort mehr Stimmung auf als bei uns am Oktoberfest", sagt sie. Neugier weckt ihre Schau allemal, die nächste dürfte noch ein bisschen schärfer gewürzt sein.

Galerie Carmen Pratschke, Deining, Vernissage am Freitag, 12. Juni, 19 Uhr; bis 11. Juli, geöffnet Donnerstag, Freitag und Samstag von 13 bis 17 Uhr