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Dreieinhalb Jahre Bauzeit:Mehr Pflegeplätze im Seehof

Rupert-Mayer-Seniorenheim in Kochel für 7,4 Millionen Euro saniert

Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit ist das generalsanierte Rupert-Mayer-Seniorenheim Seehof in Kochel eingeweiht worden. Die Einrichtung wurde um 19 Plätze erweitert und bietet nun insgesamt 74 Plätze in der stationären Pflege an. Einige Zimmer des gleich am Seeufer gelegenen Hauses haben See-, respektive Bergblick. Der Umbau kostete rund 7,4 Millionen Euro, wie Pressesprecher Klaus Honigschnabel von der Inneren Mission München der Diakonie mitteilt.

Der Seehof gehört dem Orden Schwestern von der heiligen Familie seit 1917. Betreiber sind die Hilfe im Alter (HiA), die zur Diakonie in München und Oberbayern gehört, und das neue Pflegezentrum in Schlehdorf. Wie Honigschnabel mitteilt, sollten die Bauarbeiten in dem 1862 errichteten Heim, das zunächst ein Bauernhof, später ein Kneippbad und ein Hotel war, ursprünglich nach einem halben Jahr abgeschlossen sein. Der Zeitplan ließ sich jedoch nicht einhalten. "So ein altes Haus ist wie eine Wundertüte, an jeder Ecke gibt es eine neue Überraschung", sagte Gerhard Prölß, Geschäftsführer der Hilfe im Alter. Gemeinsam sei es Betreiber und Eigentümer aber gelungen, das Projekt zu beenden. "Wir wollten an diesem Bilderbuch-Ort ein Haus bauen, in dem sich die Menschen wohlfühlen", so Prölß. Deutliche Kritik übte der HiA-Geschäftsführer an der Politik, die es schon seit Jahren versäume, Rahmenbedingungen für eine gute Pflege zu schaffen. Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Pflegekräfte stießen zunehmend an ihre Leistungsgrenzen stoßen. "Da muss endlich mehr passieren."

Im Seehof waren zunächst bloß kleinere Umbauten geplant, um die Atmosphäre zu verbessern. Dies berichtete Schwester Maria Schöpf, Generaloberin der Schwestern von der heiligen Familie. Allerdings habe sich gezeigt, dass ein Gesamtkonzept nötig sei, um das Seniorenheim für die Zukunft herzurichten. Sie dankte Mitarbeitern und Bewohnern, die unter der Baustelle gelitten haben. Alle seien mit ihren Nerven an die Grenzen gekommen, erzählte die Generaloberin. Umso schöner sei es, dass nach dem Umbau die von Pater Rupert Mayer postulierte "Wärme ins Haus" einziehen kann, die nun die Pflegebedürftigen auch in der alltäglichen Arbeit spüren sollen.

Der Orden erhielt vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen einen Zuschuss von rund 665 000 Euro. Die Generaloberin erinnerte an viele Gespräche mit Behörden, die Einwände gegen das Vorhaben hatten. Schließlich sei es gelungen, das Wasserwirtschafts- und das Straßenverkehrsamt, den Naturschutz und die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung von dem Projekt zu überzeugen, sagte sie. "Aber bis wir die Baugenehmigung hatten, waren schon drei Jahre vergangen." Für den Umbau mussten das Fluchttreppenhaus aus Beton abgesägt und die alte Kapelle abgerissen werden. Der neue Anbau biete nicht bloß eine schönen Blick in die Natur, sondern auch architektonisch etwas Einmaliges in Deutschland, so Honigschnabel: Die oberen Stockwerke mitsamt dem Treppenhauses und des Liftschacht wurden komplett aus Holz errichtet.

Die Bauarbeiten waren auch für Heimleiter Jörg Kahl anstrengend. Wegen so mancher Problemen habe er öfters "auch mal in die Tischkante hätte beißen wollen", sagte er. Der mit Lärchenholz verkleideten Anbau sei für ihn nun aber ein "kleines Kunstwerk". Er hoffe, dass das Team des Seehofs jetzt endlich Zeit finde, "sich mit den Dingen zu beschäftigen, die uns in der Pflege wirklich am Herzen liegen".

© SZ vom 30.09.2020 / sci

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