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Diskussion um Maibaumwiese:"Icking wird von Investoren getrieben"

Die Architektin und vormalige Gemeinderätin Andrea Huss sieht die Gefahr, dass die Gemeinde mit der Maibaumwiese die letzte Chance preisgibt, eine Ortsmitte entlang der Bundesstraße 11 zu entwickeln.

Die Diskussionen, die der Gemeinderat in den zurückliegenden Monaten zur Nahversorgung geführt hat, waren langwierig und haben ein gereiztes Klima im Gremium geschaffen. Am Ende der Debatte könnte ein Supermarkt-Neubau auf der Maibaumwiese neben dem Feuerwehrhaus übrig bleiben - ein Vorschlag, den die Architektin Andrea Huss, damals noch für die Grünen im Ickinger Gemeinderat, vor eineinhalb Jahren bereits entwickelt hatte. Dass sich die Gemeinde nun - und auch noch einstimmig - dazu durchgerungen haben, findet sie "erstaunlich" - und sieht Icking dennoch "in die nächste Falle laufen": Dass Icking mit der Maibaumwiese die letzte Chance aus der Hand gibt, eine Ortsmitte entlang der B 11 zu entwickeln.

Die Gemeinde Icking nutzt die Maibaumwiese derzeit, um Parkplätze für die Rathaus-Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Wird im südlichen Teil des Grundstücks ein Supermarkt gebaut, würde Architektin Andrea Huss hier lieber einen Dorfplatz sehen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Andrea Huss kritisiert die derzeitigen Bauvorhaben an der Mittenwalder Straße als "Oberflächenkosmetik". Ihr fehlt eine "Vision von unserem Ortskern", die die Gemeinde entwickelt und auch nach außen kommuniziert, sagt Huss. "Icking wird von Investoren getrieben." Statt einer langfristige Bauleitplanung müssten die Gemeinderäte von Fall zu Fall auf neue Anfragen von Investoren reagieren, ohne "das große Ganze" vor Augen zu haben und agieren zu können. Zwar hat die Gemeinde mit dem Landschaftsarchitekten Ludwig Schegk einen Experten beauftragt, die Ortsdurchfahrt zu entwickeln; die zentralen Ideen, mit denen er die Ausschreibung gewann, konnte er bisher allerdings nicht durchsetzen, die Entscheidung über die Passerelle vom früheren Netto zum Rathaus etwa wurde auf lange Sicht vertagt. Bei einer Klausur 2008 sei Konsens gewesen, dass an der Struktur entlang der Ortsdurchfahrt gearbeitet werden soll, erinnert sich Huss. Und heute?

Die Gemeinde begnüge sich damit, Bäume zu pflanzen, Parkbuchten zu bauen und einheitliche Pflastersteine zu verlegen, statt eine Ortsmitte zu entwickeln, kritisiert Huss. Auch hatte Bürgermeisterin Margit Menrad (UBI) in der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich gesagt, dass die Mittenwalder Straße nicht schön, sondern sicher sein müsse. "Wir haben nur Blech", beschreibt Andrea Huss die Ickinger Ortsdurchfahrt. Dem Rathausplatz mit seinem Brunnen stünden mit einem Teil der Maibaumwiese, der Fläche zwischen Rathaus und ehemaligem Netto, den Parkplätzen an der früheren Einkaufsfiliale und der Tankstelle große, für Autos reservierte Flächen gegenüber. "Die Maibaumwiese ist die letzte Chance, für Icking doch noch eine raumbildende Ortsmitte mit Dorfplatz zu schaffen", sagt sie.

Ein höheres Baurecht entlang der B 11 könnte die Ortsmitte maßvoll verdichten und brächte laut Huss eine "Gewinnsituation" für Anrainer und Gemeinde: Die betroffenen Hauseigentümer hätten einen Anreiz, in ihre Immobilien zu investieren ("Dann gäbe es keinen maroden Stadl mehr") und Icking hätte eine attraktivere Ortsdurchfahrt. "Miteinander können wir gestalten", ist sich die Architektin sicher.

Auch der Supermarkt-Neubau eröffne der Gemeinde Chancen, denn er könne zwischen den 6,50 Metern Höhengefälle, die zwischen der Bahntrasse und der Bundesstraße existieren, vermitteln. Das Gebäude selbst würde Huss im südlichen Teil der Maibaumwiese in den Hang hineinbauen, damit der Bau nicht so massiv wirkt und fast verschwindet. Oberhalb des Ladens könnten Büroräume und Wohnungen eingerichtet werden, im nördlichen Teil gäbe es die Möglichkeit, einen Platz zu schaffen, an dem sich die Passanten aufhalten können.

"Wenn wir das aus der Hand geben, dann ist der Zug abgefahren", warnt Huss. Denn dass sich anderswo ein Ortszentrum in einem Straßendorf wie Icking entwickelt, daran glaubt sie nicht.

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