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Denkmalabriss in Kochel am See:"Keine Versäumnisse"

Verstärkeramt Kochel

Dass im Verstärkeramt Fledermäuse leben, ist schon lange bekannt.

(Foto: Manfred Neubauer)

Fledermausfunde im Kochler Verstärkeramt bleiben für die Gemeinde folgenlos

Von Petra Schneider, Kochel am See

Im Fall der Fledermäuse, die im Dachboden des Verstärkeramts in Kochel am See leben, sieht das Landratsamt keine Versäumnisse seitens der Gemeinde. Das teilt die Kreisbehörde auf Nachfrage der SZ mit.

Dass die streng geschützten Tiere in dem Gebäude leben, ist der Gemeinde seit mindestens zwei Jahren bekannt: Denn im Verlauf des Bebauungsplanverfahrens, das den Neubau von kommunalen Wohnungen und Bauhof anstelle des denkmalgeschützten Verstärkeramts vorsieht, sei die Gemeinde darauf hingewiesen worden, "dass in der Artenschutzkartierung ein Fledermausvorkommen aufgeführt wurde", erklärt das Landratsamt. Eine artenschutzrechtliche Prüfung seitens der Gemeinde sei zu diesem Zeitpunkt aber nicht nötig gewesen, weil der Bebauungsplan nur die Neubebauung des Geländes zum Gegenstand habe. Der Hinweis auf ein Fledermausquartier habe für die Gemeinde keine verpflichtenden Maßnahmen zur Folge gehabt, erklärt Pressesprecherin Sabine Schmid. "Es gab keine Pflicht zu reagieren", erklärt Bürgermeister Thomas Holz (CSU) auf Nachfrage, "und deswegen haben wir nicht reagiert."

Das Vorkommen der geschützten Tiere habe auch für die Abrisserlaubnis, die das Landratsamt vor gut einem Jahr erteilt hat, keine Rolle gespielt, sagt Schmid. Denn: "Bei der Erteilung einer denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis sind Belange des Artenschutzes nicht Gegenstand der Prüfung." Das seien zwei voneinander unabhängige Verfahren. Anders als etwa bei einem Baugenehmigungsverfahren, werden bei einer Abrisserlaubnis die Belange anderer Fachstellen, wie etwa Natur- und Artenschutz, nicht mit geprüft. Soweit die komplizierte Rechtslage.

Einfach Abreißen geht freilich nicht, wenn Lebensräume geschützter Arten betroffen sind. Dies würde gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstoßen und stellt einen Straftatbestand dar. Möglich ist das nur mit einer Ausnahmegenehmigung der Regierung von Oberbayern, die im Fall des Verstärkeramts noch nicht vorliegt. Dennoch wurde mit dem Abriss begonnen und dann in aller Eile eine Fledermausexpertin mit einem Gutachten beauftragt. Gerade noch rechtzeitig, ehe das Dach abgerissen wird und die Lebensstätten der Fledermäuse zerstört werden. Bürgermeister Holz erklärt die kurzfristig anberaumte artenschutzrechtliche Prüfung so: Man habe einen "Hinweis" bekommen und sofort die Biologin Eva Kriner eingeschaltet. "Wir wollten wissen, welche Arten von Fledermäusen da sind, und welche Ausgleichsmaßnahmen wir machen müssen."

Der Abriss des Verstärkeramts, der im März kommenden Jahres abgeschlossen sein soll, laufe planmäßig weiter. Bis das Dach dran sei, dauere es ohnehin noch. Man werde die weiteren Schritte nun mit der Regierung von Oberbayern und der Fledermausexpertin abstimmen.

© SZ vom 21.11.2020
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