Christian Tomsu:"Wir wollen auch wo spielen"

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Zuerst hatte die Wolfratshauser Stadtkapelle das Nachsehen: Die Stadt engagierte lieber eine Münchner Stimmungsband fürs Starkbierfest. Nun macht sie ihr eigenes Programm - und setzt auf Tradition.

Stephanie Schwaderer

Starkbierfest 2011

Vorhang auf für die Wolfratshauser Stadtkapelle - hier einige ihrer Mitglieder beim Starkbierfest 2011.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Selten war die Wolfratshauser Stadtkapelle so populär wie in diesen Tagen. Nachdem die Musikanten heuer nicht beim Wolfratshauser Starkbierfest auftreten durften - die Stadt hatte sie per E-Mail ausgeladen und stattdessen die Münchner Zwietracht engagiert-, waren sie die gefeierten Überraschungsgäste bei der Konkurrenzveranstaltung in Geretsried. Nun machen sie gar ihr eigenes Programm. Die SZ sprach mit dem Vorsitzenden Christian Tomsu.

SZ: Sind Sie Bürgermeister Helmut Forster mittlerweile ein bisschen dankbar dafür, dass er Sie ausgeladen hat?

Christian Tomsu: Dankbar, nun ja. Wir würden immer noch sehr gerne in Wolfratshausen spielen. Tatsächlich hat die Absage uns aber den Ansporn gegeben, selbst etwas auf die Beine zu stellen. Neben unserem Starkbierfest in der Pupplinger Au bereiten wir gerade ein Bläserkonzert für den Palmsonntag vor.

Aus Trotz?

Nicht in dem Sinn, dass wir den Wolfratshausern jetzt eins überbraten möchten. Wir wollen einfach auch wo spielen! Die Frage für uns war: Wie kommen wir über die Probezeit? Ohne einen Auftritt laufen uns ja die Leute davon. So entstand die Idee, unser eigenes Starkbierfest zu organisieren.

Ambitioniert. War es schwierig, diesen Plan in die Tat umzusetzen?

Ich war vor allem erstaunt über die große Resonanz: Viele Leute, auch Wolfratshauser, haben spontan erklärt: Super, dass ihr das macht! Andere sind noch einen Schritt weitergegangen und haben gesagt, dass wir auf jeden Fall weitermachen müssten - dabei haben wir ja noch nicht einmal angefangen. Bleibt zu hoffen, dass all diese Leute am Freitag auch kommen.

Christian Tomsu, Vorsitzender der Stadtkapelle Wolfratshausen

Christian Tomsu, Vorsitzender der Stadtkapelle Wolfratshausen

(Foto: privat)

Was erwartet sie?

Ein gemütlicher Abend mit schwungvoller Blasmusik. Die Geltinger Burschen organisieren Einlagen, Fingerhakeln, Wiagsogschneidn - mir war es wichtig, die örtlichen Vereine einzubinden. Den Starkbieranstich übernimmt der Zweite Bürgermeister von Egling, Hubert Oberhauser. Und durch den Abend führt Michi Prell, der ein paar bissige Kommentare abgeben wird.

Müssen sich die Wolfratshauser warm anziehen?

Das weiß ich selbst noch nicht, ich lass mich überraschen.

Auf Ihren Einladungen versprechen Sie Fetziges nach Art von La Brass Banda. Das hätte man der Wolfratshauser Stadtkapelle so gar nicht zugetraut.

Für diese Einlagen ist ein kleines Ensemble zuständig, das sich "Oskar und seine Freunde" nennt. Die haben solche Stücke im Programm und lösen uns ab, wenn wir Pause machen.

Und was bietet die Stadtkapelle? Das Gegenprogramm zur Zwietracht?

Wir spielen für Leute, die gerne Blasmusik hören und sich dabei auch unterhalten mögen. Gemütlich soll es vor allem sein. Im Gegensatz zur Zwietracht verbreiten wir keine Oktoberfest-Stimmung. Immerhin ist Fasten- und Passionszeit. Man darf die Tradition wegen finanzieller Notwendigkeiten nicht über Bord werfen. Das Ganze soll seinen Starkbiercharakter bewahren. Ob uns das gelingt, wird sich zeigen.

Ein weiteres Novum gibt es am Palmsonntag in Wolfratshausen: Sie laden zu einem Gemeinschaftskonzert mit Musikanten der Geretsrieder Stadtkapelle ein. Warum?

Entsprechende Pläne gibt es schon länger. Auf der Suche nach einer Auftrittsmöglichkeit haben wir sie nun endlich konkretisiert. Die Leute von der Geretsrieder Stadtkapelle hängen ja derzeit auch etwas in der Luft, nachdem Alfred Menzinger als Dirigent zurückgetreten ist. Die waren sofort mit dabei.

Die beiden Stadtkapellen sind sehr unterschiedlich.

Und ergänzen sich deshalb bestens. Wir pflegen die bayerisch-böhmische Tradition, die Geretsrieder eher das Bigband-Programm. Wir sind alt, Geretsried ist jung. Ein Kirchenkonzert bietet die größtmögliche Schnittmenge, weil man von der Rockballade bis zum Choral alles spielen kann. Auch von den Instrumenten her harmonieren wir gut, uns fehlen zum Beispiel Klarinetten. Gemeinsam mit den Geretsriedern ist alles bestens abdeckt.

Die Wolfratshauser Stadtkapelle im ungeahnten Höhenflug?

Ja, im Moment kann man das so sagen. Jetzt müssen wir nur schauen, dass wir uns nicht übernehmen.

Starkbierfest der Stadtkapelle Wolfratshausen, Wirtshaus Pupplinger Au, Freitag, 15. März, 19 Uhr; Eintritt 4 Euro; Bläserkonzert zum Palmsonntag, Kirche Sankt Andreas, Wolfratshausen, 24. März, 17 Uhr; Telefon 08171/91 91 65

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