Bier Tölz:Die Stadt der 22 Brauereien

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Mit einer Broschüre und historischen Führungen will Bad Tölz stärker auf seine Bierhistorie hinweisen. Die Verantwortlichen wissen: Geschichte interessiert die Gäste sehr

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Mit seinen Brauereibesitzern ist Bad Tölz nicht immer sorgsam umgegangen. Zum Beispiel mit Johann Prugger vom Dietlbräu. 1742, im Zuge des österreichischen Erbfolgekriegs, wurde er nach Graz verschleppt, zusammen mit 95 anderen Bayern. Seinen Lebensunterhalt als Geisel musste er dort selbst bestreiten, aus seinem Heimatort wurde ihm keinerlei Hilfe zuteil. Als Prugger zurückkehrte, strengte er einen Prozess an, um vorgestrecktes Geld zurückzubekommen, aber der Streit vor Gericht dauerte bis zu seinem Tod. Solche Geschichten erzählt die Broschüre "Historische Brauereien - ein Weg durch die Geschichte in Bad Tölz", die das Referat für Stadtmarketing, Tourismus- und Wirtschaftsförderung zusammen mit dem Stadtarchiv und dem Historischen Verein herausgebracht hat. Anlass ist das 500-jährige Bestehen des bayerischen Reinheitsgebots. Zu diesem Jubiläum habe man etwas beitragen wollen, sagt die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier.

Bier ist ein Teil der Tölzer Geschichte: Carolin Fischer von der Tourist-Info zeigt das eigens entworfene T-Shirt. (Foto: Harry Wolfsbauer)

Bad Tölz war einmal eine Stadt des Biers. 22 Brauereien waren bis weit ins 18. Jahrhundert hinein in der späteren Kurstadt angesiedelt. "Wichtig war uns, tatsächlich an alle Brauereien zu erinnern, die es in Tölz gegeben hat, und zu zeigen, wo sie genau gestanden haben", sagt Stadtarchivarin Manuela Strunz. Wenige Häuser in der Marktstraße weisen in ihren Namen noch auf diesen Teil der Stadthistorie hin. Das Hotel Kolberbräu, das Gasthaus Starnbräu, das war's auch schon. Andere Anwesen, die einstmals eine Brauerei waren, stehen zwar noch, aber fast nichts an ihnen erzählt von der Biergeschichte. Der Bürgerbräu ist heute das Stadtmuseum, der Rädlbräu war später die Mädchenschule und beherbergt nun ein Sportgeschäft, im alten Bruckbräu befindet sich das Kino-Center am Amortplatz. Hinter diesem Gebäude gab es früher einen Biergarten, von dem Strunz noch eine Fotografie aus der Zeit um die Jahrhundertwende hat. Frauen in langen Kleidern, Männer in Anzug und Weste, manche von ihnen mit einem Steinkrug in der Hand, den Hut verwegen schief auf dem Kopf - die Gesellschaft, sich unter den Biergartenbäumen um 1900 herum zusammengefunden, ist der Trachtenverein Edelweiß. Diese Schwarz-Weiß-Aufnahme ziert das Titelbild der Broschüre.

Zu insgesamt 27 Stationen führt der neue Prospekt, der mit neuen und historischen Fotos bebildert ist. Start für die etwa einstündige Wanderung ist am Tölzer "Gasthaus" mit dem Mühlfeldbräu an der Bahnhofstraße. Die Tour führt hinunter zur Marktstraße und hinüber ins Kurviertel zum Gasthaus Binderbräu am Vichyplatz. Den Anfang und das Ende bilden mithin jene zwei kleinen Brauereien, die wieder Tölzer Bier herstellen, nachdem das Brauwesen mit dem Ende der Grüner-Brauerei zu Beginn des 21. Jahrhunderts ganz ausgestorben war. Einen Abstecher in die ehemaligen Bierkeller, die in den weichen Tölzer Tuffboden eingebaut wurden, können Touristen oder auch Einheimische allerdings nicht unternehmen. Sie befinden sich allesamt in Privatbesitz.

Im Herbst will die Tourist-Information auch in den Stadtführungen einen Fokus auf die Tölzer Bierhistorie legen. Einen Flyer gibt es bisher zum Münchner Architekten Gabriel von Seidl, die von Gymnasiasten erarbeitete Broschüre über Thomas Mann in Tölz soll 2017 noch überarbeitet werden. Geschichte, sagt Frey-Allgaier, sei etwas, "was die Gäste wahnsinnig interessiert, die Nachfrage ist sehr groß". Horst Thum, beim Mühlfeldbräu für den Vertrieb zuständig, deutet auf das Etikett des neu gebrauten Tölzer Museumsbiers. Darauf ist ein Gemälde des Ehepaars Melchior und Margaretha Faist vom Grüner-Bräu zu sehen. "Das war eine der ersten Brau-Familien", sagt er. Und dann ist ihm noch etwas wichtig: Mit dem neuen Binder-Bräu habe man keinen Konkurrenzkampf, ganz im Gegenteil, "wir mögen uns". Das wertet er als gutes Zeichen, dass es mit dem eigenen Bier in Tölz weitergehen wird.

© SZ vom 29.07.2016 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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