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Bereichernde Darbietungen:Dolmetschende Hirten verkünden das Weihnachtswunder

Die weit gereisten Heiligen Drei Könige bereicherten die Aufführung des Krippenspiels. Ihnen mussten die Hirten ihre Worte erst übersetzen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Beim "Alpenländischen Adventssingen" in der Kirche Sankt Josef der Arbeiter in Waldram und in Sankt Michael in Degerndorf begeistern sowohl die singenden wie schauspielenden Talente. Gemeinsam bringen die Protagonisten Glanz in die Vorweihnachtszeit

Wer Anfang des Monats die "Alpenländische Weihnacht" mit Sissy Mayrhofer und der Musikschule Geretsried in der Geltinger Kirche Sankt Benedikt erlebt hat, der kannte das von Franz Mayrhofer einstudierte Krippenspiel und seine jungen Akteure Antonia und Theresa Kell sowie Johanna und Seppi Neumüller bereits. Beim "Alpenländischen Adventssingen", das zum einen am Freitag in der Kirche Sankt Josef der Arbeiter in Waldram, zum anderen am Samstag in Sankt Michael in Degerndorf dargeboten wurde, war dieses Krippenspiel wiederum Teil der Aufführungen.

Dieses Mal schienen die zwei Geschwisterpaare noch vertrauter mit ihren Rollen, zum anderen kamen hier drei allerliebste Heilige Könige ins Spiel, die die Darstellung sehr bereicherten. Nicht zuletzt, weil die sehr authentisch oberbairisch sprechenden Hirten den von weit her Gereisten ("Die red'n scho arg vadraht!") ihre Worte in ein herrlich gestelztes Hochdeutsch übersetzen mussten, was große Heiterkeit im Publikum hervorrief. Ein großes Kompliment geht an alle Kinder für ihre begeisternde Leistung, insbesondere aber an die vier Hirten, die eine wirklich große Textmenge zu bewältigen hatten und ihren Rollen schon ein richtiges Profil geben konnten.

Doch in der Degerndorfer Kirche Sankt Michael gab es am Samstag nicht nur schauspielernde, sondern auch singende Nachwuchskünstler zu bewundern: Die vier Reindlkinder etwa, drei Buben und ein Mädchen, brachten ein Stück familiäre Adventsstimmung in die vollbesetzte Kirche. Zumal sie bei ihrem Auftritt von ihrer klarinettespielenden Mama und dem Papa am Kontrabass unterstützt wurden.

Was diesen Abend jedoch eigentlich prägte, war die faszinierende Multifunktionalität der Mitwirkenden: Da wird die Geigerin zur Blechbläserin, der wunderschön singende Bolzwanger Dreig'sang greift zu Klarinette, Geige und Gitarre und handhabt diese ebenso souverän und auch die Hirtenkinder verleihen ihrem Begrüßungslied für das neugeborene Kinderl mit Geigen, Flöte und Kontrabass Nachdruck. Und singen können irgendwie sowieso alle - hervorragend sogar. Denn der beeindruckend gut klingende Chor, der die Veranstaltung in Degerndorf eröffnet, erweist sich schlicht als die Zusammenstellung aller musikalischen Akteure des Abends. Das erklärt, wieso hier so viele junge Sänger vertreten sind und bei den Darbietungen ein ungewöhnlich ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen- und Männerstimmen existiert. Bei dieser Leistung hätte es manch etablierten Chor die Sprache verschlagen.

Die Mayrhofers sind beide auch hier ganz entscheidend beteiligt: Franz Mayrhofer, der langjährige Leiter der Wastl-Fanderl-Schule in München, leitet sowohl den Chor wie auch das Krippenspiel. Das handelt von den Fragen, wonach die Menschen suchen, wovor sie sich fürchten und was es braucht, damit es Weihnachten werden kann. Seine Frau Sissy Mayrhofer singt und bestreitet den Wortanteil der Veranstaltung mit theologischen Betrachtungen in einer äußerst poetischer Sprache, auf die viele Prediger neidisch sein dürften.

Ohne jedes Pathos, lebenszugewandt und ungezwungen bairisch sprechend hatte Pfarrer Martin Kirchbichler zuvor die vielen Besucher im Gotteshaus begrüßt. Er wies dabei auf die besondere Funktion des dritten Advents hin, der das vorweihnachtliche Treiben unterbrechen solle, um den Menschen Raum zum Innehalten zu geben. Dazu konnte dieser Abend mit seinen Darbietungen trefflich beitragen.

Die Waldramer Sänger, vier Männerstimmen, die ihre Kunst zuletzt im Vatikan vorstellen durften, zeichnet ein etwas rauer, unverfälscht authentischer Klang aus. Ihr weibliches Pendant, die drei Waldramer Sängerinnen, unter ihnen Annemarie Korntheuer, der zudem die Gesamtleitung der Veranstaltung oblag, setzte ebenfalls auf eine sehr natürliche, in ihrer Schlichtheit ergreifende Gestaltung, die gleichwohl sängerische Kunstfertigkeit verriet. Das Blechbläser-Ensemble verfügte über ebenso hervorragende Intonationssicherheit, schönste Klangbalance wie ausdrucksvolle Gestaltungskraft und füllte den kleinen Degerndorfer Kirchenraum komplett aus mit seinen feierlichen Klängen. Die Bolzwanger Geigenmusi, zwei Geigen, Klarinette, Gitarre und Kontrabass, verbreitete mit ihren anrührenden Weisen den stillen, nicht vordergründig, aber verhalten funkelnden alpenländischen Glanz. Der schon erwähnte Bolzwanger Dreig'sang konnte ebenso vokal wie instrumental überzeugen. Eine besondere Farbe brachte Edeltraut Lieb mit ihrem ausdrucksvollen, ebenso virtuosen wie subtilen Harfenklang ins Spiel, es war vielfarbig und nuanciert ausgestaltet. Alle Darbietungen griffen stimmig ineinander und entführten die Zuhörer für gut eineinhalb Stunden in eine ruhig reflektierende, eben adventliche Welt.

Zum stimmungsvollen Ausklang wurde, wie es traditionell bei vielen Adventssingen geschieht, der Andachtsjodler angestimmt, zunächst vom Chorsopran, dann von allen Mitwirkenden des Abends und schließlich auch vom Publikum. Und das mehrstimmig. Währenddessen hatte im dichten Schneeflockenwirbel auch draußen eine ganz vorweihnachtliche Stimmung Einzug gehalten.