SZ-Adventskalender Zuflucht am Kochelsee

Das Sozialpädagogische Jugendhaus Bad Tölz hat eigens ein Haus für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge angemietet. Dank der aufgeschlossenen Rektorin Brigitte Schröder gibt es auch ein Klassenzimmer für Deutschunterricht. Nur die Laptops fehlen noch

Von Felicitas Amler, Bad Tölz/Kochel am See

Manche haben ihm gesagt: Dieses Haus in abgeschiedener Lage, das sei nichts für Flüchtlinge, da würde doch selbst ein Einheimischer nicht gern hinziehen. Paul Rittinger sieht das ganz anders: "Der Standort ist nicht wichtig, sondern die Menschen." Und was das Menschliche angeht, scheint es sehr gut zu laufen im Sozialpädagogischen Jugendhaus Bad Tölz, das zur Unterbringung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender eigens Räume in Kochel am See angemietet hat. Drei 16 und 17 Jahre alte Jungen leben bisher dort: einer aus Somalia und zwei aus Syrien.

Der Sozialpädagoge Paul Rittinger leitet das Sozialpädagogische Jugendhaus in Bad Tölz. In Kochel will er eine regelrechte Außenstelle etablieren.

(Foto: M. Neubauer)

Die Syrer täten sich etwas leichter, sagt Rittinger, Sozialpädagoge und Geschäftsführer des Jugendhauses: Sie könnten sich untereinander austauschen. Der Junge aus Somalia sei sehr still. Er habe eine schlimme Flucht hinter sich, durch die Wüste, teils ohne Wasser. Hier sitze er oft am Fenster, schaue hinaus und sage nur: "Oh it's nice here, a nice place." Das ist auch Rittingers Hoffnung - dass das Haus am Kochelsee den jungen Flüchtlingen, die oft schwer traumatisiert in Deutschland ankommen, Ruhe, Sicherheit und im besten Fall Geborgenheit gibt.

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Rittinger und seine Frau Roswitha führen das Sozialpädagogische Jugendhaus seit acht Jahren. Dieses und das Inselhaus in Eurasburg sind die einzigen Kinder- und Jugendheime im Landkreis. Da gebe es eine enge Kooperation, sagt Rittinger, und eine langjährige Freundschaft. Im Zuge der sozialraumorientierten Jugendarbeit treffe man sich regelmäßig. Das Tölzer Jugendhaus ist federführender privater Träger im Sozialraum Loisachtal.

Das Haus in Bad Tölz ist eine private Gründung aus den 1950er-Jahren, wurde seitdem ausgebaut und wechselte die Träger. Derzeit hat es eine Heilpädagogische Tagesstätte und zwei "Familiengruppen" für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. Rittinger hat in Benediktbeuern studiert und dorthin offenkundig gute Kontakte. Denn für die Flüchtlinge in Kochel steht außer Wandern und Radfahren auch Fußball mit Studenten der Benediktbeurer Fachhochschule auf dem Freizeitplan. Sehr dankbar ist Rittinger Brigitte Schröder, der Rektorin der Franz-Marc-Grundschule in Kochel. Sie habe ihm ein Klassenzimmer für den Deutschunterricht zur Verfügung gestellt. Denn Deutsch zu lernen, das ist für die jungen Flüchtlinge, die berufsschulpflichtig sind, das Wichtigste. "Wir machen das in Eigenregie." Das Jugendhaus will dafür das computergestützte Lernprogramm einsetzen, das Waltraud Haase aus Wackersberg entwickelt hat. Die Erfahrungen damit sind in und um Bad Tölz gut. Für die Lernoberfläche braucht allerdings jeder Flüchtling einen Laptop. Diese möchte der SZ-Adventskalender mit Hilfe von Spenden der SZ-Leser finanzieren.

Es wird auch nicht bei den drei jugendlichen Bewohnern des Hauses in Kochel bleiben. Diese Außenstelle des Jugendhauses bietet Platz für maximal neun Jugendliche; sie hat ein großes Wohnzimmer, zwei Bäder und eine Wohnküche. Rittinger strebt an, dort einen eigenen Fachdienst zu etablieren. Und er hofft, das Klassenzimmer auch für gemischten Unterricht mit erwachsenen Asylsuchenden nutzen zu können. Aber auch ohne Erwachsene wird es in dem Klassenzimmer bald enger werden. Rittinger weiß so gut wie alle, die mit Asylbewerbern arbeiten, dass die Anzahl der unbegleiteten Minderjährigen noch erheblich steigen wird. Schon jetzt sei der Druck, der auf den Betreuern in der Landeshauptstadt laste, enorm. Das habe er gemerkt, als er die drei Jungen in München abholte: "Die können ja eigentlich nur noch irgendwie versuchen, die Akten halbwegs zu führen." Das jedenfalls wird in Kochel sicher anders sein.