Ausstellung der Galerie für Landschaftskunst Leben in der "schlafenden Brache"

Die Farben der Kutten wechseln bei der "Death Metal Performance" von Stadt zu Stadt. In Tölz werden sie grau sein.

(Foto: Max Reitmeier)

Die Wandelhalle im Tölzer Kurviertel dient einer Künstlergruppe um Florian Hüttner als Spiegel von Geschichte und Politik: Hakenkreuz, Besatzung, Kur und Asyl

Von Petra Schneider, Bad Tölz

Am Samstagabend dürfte es laut werden im sonst so ruhigen Kurviertel: Harter Death-Metal-Sound mit E-Gitarre, Drums aus dem Computer und kehligem Gesang wird durch den Herderpark schallen. Vorgetragen von zwei vermummten Gestalten in grauen Kapuzenumhängen. "Death Metal" heißt die verstörende, martialisch anmutende Performance der beiden Hamburger Künstler Malte Struck (Gesang) und Mark Wehrmann (Gitarre), die durch die Ausstellung "Spiritual Healing" in der angrenzenden Wandelhalle ergänzt wird. Sie bildet den Auftakt einer vierteiligen Reihe, deren Grundgedanke mit dem sperrigen Titel "HALLE - POLITIK. Die Tölzer Wandelhalle - ein Großbau der Moderne wird herausgefordert" skizziert wird.

Seit dem Niedergang des Kurwesens ist das Tölzer Badeviertel auf der Suche nach einer neuen Identität. Mit der Schließung des Jodquellenhofs, dem Aus für das Alpamare und der Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern haben sich in jüngster Zeit Fragen nach einer ökonomisch, gesellschaftlich und städtebaulich sinnvollen Weiterentwicklung des Areals verschärft. In dessen Zentrum steht die 1929 gebaute Wandelhalle, ein 130 Meter langes, denkmalgeschütztes Gebäude mit klarer Formensprache und unklarer Nutzung. Vor vier Jahren wurde sie von Anton Hoefter, Chef der Jodquellen AG, als Raum für Kunst zur Verfügung gestellt: Seitdem nutzt die renommierte Hamburger Galerie für Landschaftskunst (GFLK) sie als Dependance "Halle Süd Tölz" für Ausstellungen, Workshops und als Lager.

GFLK-Mitbetreiber ist der Tölzer Künstler Florian Hüttner, der die aktuelle Ausstellungsreihe konzipiert hat. Ausgehend vom Spannungsfeld zwischen Architektur und Ideologie sowie der Frage nach der Weiternutzung dieser "schlafenden Brache", hat er Künstler dazu eingeladen, sich mit dem Gebäude auseinanderzusetzen. Als Basis für deren Arbeit dienen vier Fotografien, die historische Momentaufnahmen der Wandelhalle zeigen: "Die Halle und die Hakenkreuzfahne", "Die Halle und die Neue Welt (Amerikanische Besatzung)", Die Halle und die Kur", "Die Halle und das Asyl (die Zukunft)". Mit Malte Struck und Mark Wehrmann, der Fotografin und Beuys-Schülerin Katharina Sieverding, dem amerikanischen Künstler Mark Dion und dem Installationskünstler und Hochschuldozenten Thomas Kilpper habe man "international bekannte Stars" der Kunstszene gewinnen können, freut sich Hüttner. Dass das Projekt, das bis Frühjahr 2016 laufen wird, vom Kulturfonds Bayern und dem Landkreis finanziell gefördert wird, sei eine Auszeichnung und ein Beleg für die hohe Qualität, betont auch Hoefter.

Den Anfang machen Struck und Wehrmann, ihre Arbeit bezieht sich auf "Die Halle und die Kur". Die beiden Hamburger Künstler arbeiten seit acht Jahren zusammen, ihre "Death Metal Performance" wurde unter anderem in Frankfurt, Düsseldorf, Leipzig, Berlin, Florenz und Tiflis gezeigt. Für jede Performance entwickeln sie ein eigenes Kostüm, das in Farbe und Material einen Bezug zum jeweiligen Ort herstellt und nur einmal getragen wird. Erstmals werden in der Begleitausstellung "Spiritual Healing" alle 14 Kostüme in der Wandelhalle gezeigt. Ein beunruhigendes Bild: Eine Armee von Henkern in Kapuzenkostümen, die in der leeren Wandelhalle aufmarschiert.

Für die 20-minütige Performance in Tölz haben die Künstler grauen Filzstoff gewählt, eine sechs mal vier Meter große Stoffbahn. "Filz mit seiner Wärme und isolierenden Funktion war für uns der Bezug zur Kur", sagt Struck. Ein Material, das schützt, aber von destruktiver Metal-Musik begleitet wird. Ein Bruch, den Struck so nicht sieht. Denn das entstehende Klang-Bild wirke mit seiner Wucht kathartisch und schaffe Platz für Neues. Eine konkrete Aussageabsicht haben die beiden nicht. Wichtig sei eine Reaktion des Publikums. Und die habe es bisher immer gegeben, "zwischen den Polen Verteufelung und Begeisterung", wie Struck sagt. "Gleichgültigkeit wäre das Schlechteste."

"Death Metal Performance", Samstag 8. August, 20 Uhr, Pavillon im Herderpark. Ausstellung "Spiritual Healing" bis 30. August, Wandelhalle, Ludwigstraße 14, 15. und 16. August, 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter 0176/80 44 65 38