Bad Tölz E-Mail vom Enkel

Im Umgang mit modernen Medien helfen die Computer-Senioren um Vorsitzenden Michael Forkel (2. v. re.) ihren ebenfalls älteren Klienten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Die Computer-Senioren helfen beim Umgang mit PC und Internet

Von Klaus Schieder, Bad Tölz-Wolfratshausen

Wer Angst vor dem PC oder dem Smartphone hat, im Internet nichts bestellen und keine E-Mails verschicken kann, sozialen Medien wie Facebook und Twitter ratlos gegenübersteht, dem droht langsam, aber sicher die Vereinsamung. Das gilt vor allem für ältere Menschen, die mit all diesen Kommunikationsmitteln nicht aufgewachsen sind. Ihnen greifen die Computer-Senioren Bad Tölz-Wolfratshausen unter die Arme, die für ihre ehrenamtliche Arbeit am Donnerstagabend den Deutschen Bürgerpreis in der Kategorie "Alltagshelden" bekommen haben.

Den Erfolg ihrer Hilfe schilderte Wolfgang Krause an einem Beispiel. "Plötzlich erhält der Enkel per WhatsApp ein Foto vom Opa, staunt und denkt sich: Der Alte ist ganz schön cool drauf", sagte der geschäftsleitende Beamte im Landratsamt. Der Kontakt mit der Familie ist ein wesentliches Motiv, warum überraschend viele Teilnehmer im Rentenalter zu den Informationsveranstaltungen der zwölf Computer-Senioren kommen. Mehr als 100 Wissbegierige der Generation 65 plus waren es beispielsweise im Januar im Saal des Tölzer Landratsamtes, weshalb damals eigens noch Stühle herbeigeschleppt werden mussten.

E-Mail schreiben, Skype nutzen, Fotos senden - das ist das eine. Das andere sind Möglichkeiten wie Online-Banking, Bestellungen, Reisebuchungen, Spielangebote. Die Computer-Senioren, die in ihrem Beruf meist IT-Spezialisten waren, geben Einzelunterricht im "Welt-Raum" am Vichyplatz in Bad Tölz oder kommen auch zu den Klienten nach Hause, um sie in aller Ruhe mit den modernen Medien und ihren Möglichkeiten vertraut zu machen. Mit Freude und Engagement gäben sie ihr Know-how und ihr Wissen weiter, lobte Krause. Auch dann, wenn ein älterer Kunde sich erst einmal einen PC anschaffen möchte und nicht weiß, was für ein Gerät und welche Software für ihn überhaupt in Frage kommt. Eine Konkurrenz zu professionellen Anbietern ist die Gruppe nicht: Sie verkauft nichts.

"Unkonventionell, individuell, ehrenamtlich von Senioren für Senioren": So beschreiben sich die zwölf Mitglieder selbst auf ihrer Homepage. "Wir werden keinen Weg und keine Mühen scheuen, um Senioren zu unterrichten", betonte Vorsitzender Michael Forkel. Halb im Ernst, halb im Spaß fügte er hinzu: "Mal mit mehr, mal mit weniger Geduld."