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Bad Tölz:Aus Alt mach Alt

Das denkmalgeschützte Kursanatorium Dr. Fruth ist ein Beispiel für Tourismus-Architektur der 1920er Jahre. Der Eigentümer will es abreißen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Ehemaliges Kursanatorium an der Höckhstraße könnte abgerissen werden, wenn der Neubau historisierend wird

Von Klaus Schieder, Bad Tölz

Das ehemalige Kursanatorium Dr. Fruth im Tölzer Bäderviertel beherbergt schon lange keine Patienten mehr. Das 1927 gebaute Haus an der Höckhstraße diente noch als Verwaltungsschule und auch als Flüchtlingsunterkunft, steht aber nunmehr seit Jahren leer und verfällt zusehends. Der Eigentümer möchte das Haus nicht sanieren. Er will es abreißen. Aber so einfach geht das nicht.

Vor drei Jahren stellte er bereits zwei Mal einen Antrag auf Abbruch, zwei Mal scheiterte er. Der Grund: Das von Ludwig Friedl gebaute Kursanatorium mit seinem barockisierenden Mansardwalmdach, Eingangsaltane und Kranzgesims steht unter Denkmalschutz. Trotzdem lässt der Besitzer nicht locker. Er beantragte nun zum dritten Mal den Abriss, was die Stadträte im Bauausschuss am Donnerstag erneut ablehnten. Allerdings ließen sie ihm diesmal einen Ausweg: Sollte er einen historisierenden Neubau mit entsprechender Fassade planen, darf er mit einem Ja zum Abbruch rechnen. Dagegen stimmten fünf von acht Räten.

Seinen Wunsch begründete der Eigentümer damit, dass die nötigen Maßnahmen für Brandschutz und Schallschutz ohne massive Eingriffe in das Baudenkmal ohnehin nicht möglich seien. Stadtbaumeister Hannes Strunz und einige Stadträte übten deutliche Kritik daran, dass niemals ein Sanierungskonzept für das Sanatorium vorgelegt wurde. Auch wenn die Bausubstanz schlecht sei, könne sie von Liebhabern durchaus wieder hergerichtet werden, sagte Strunz. Dies zeigten Beispiele wie das Café Kogel oder die Villa Vivendi. Noch deutlicher drückte sich Camilla Plöckl (SPD) aus. "Mich ärgert das ganz fürchterlich, dass man eine Sache einfach zusammenfallen lässt", sagte sie. In Bad Tölz gebe es genügend Hausbesitzer, die alte Häuser mit Liebe wieder instandgesetzt hätten. Außerdem warnte Plöckl davor, dass mit einer Billigung des Abbruchs ein Bezugsfall geschaffen werde. Sie verwies auf die Wandelhalle, die auch nicht mehr gut ausschaue. Es könne nicht sein, "dass man alles, was zu Bad Tölz gehört, wegreißt, nur weil der Besitzer zu faul ist". Ähnlich äußerte sich Peter Priller (Grüne). Viele Hauseigentümer steckten Herzblut, Liebe und Arbeit in eine Sanierung, "das ist auch eine Frage der Gerechtigkeit". Für Josef Steigenberger (CSU) ist das alte Kursanatorium auf jeden Fall schützenswert. Immer nur alles abzureißen sei "keine Kultur, sondern eine Miss-Kultur", sagte er. Bauamtsleiter Christian Fürstberger nahm den Antragsteller ein wenig in Schutz. Auf die Frage von René Mühlerberg (CSU), ob der Besitzer seinerzeit gewusst habe, dass er ein denkmalgeschütztes Haus erwarb, erwiderte er: "Wenn er davon weiß, geht er bei seinem ersten Antrag darauf ein." Auch das Landesamt für Denkmalpflege und das Landratsamt hätten dies erst 2013 herausgefunden.

Kompromissbereit zeigte sich Robert Paintinger (FWG). Er regte an, erst abzuwarten, was der Eigentümer als Alternative vorschlage, danach könne man für oder gegen den Abriss stimmen. Ein pragmatischer Vorschlag, befand Christof Botzenhart (CSU). Für ihn kommt es vor allem darauf an, dass die Geschichte des Kurviertels ablesbar bleibt. "Vielleicht kann der Eigentümer etwas Historisierendes hinbauen, so dass der Laie nicht erkennt, dass es etwas Neues ist." Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann (FWG) sieht überhaupt keinen Zwang, "ein Gebäude bis zum Letzten zu erhalten".

Das ehemalige Kursanatorium bietet in den Augen von Kurdirektorin Brita Hohenreiter einen trostlosen Anblick. "Das ist ein Schandfleck." Zumal in einer Zufahrtsstraße zu Pensionen, die mit viel Geld und Eigenleistung hergerichtet wurden. Ihre Schlussfolgerung: "Etwas Historisierendes ist immer noch besser als das, was dasteht."

© SZ vom 22.10.2016
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