Bad Heilbrunn:Spurenleser, Wortesammler

Bad Heilbrunn: Robert Macfarlane gilt als der wichtigste Vertreter des britischen "Nature Writing". Seine Recherchen beginnen oft vor der Haustür.

Robert Macfarlane gilt als der wichtigste Vertreter des britischen "Nature Writing". Seine Recherchen beginnen oft vor der Haustür.

(Foto: OH)

Robert Macfarlane zu Gast in Nantesbuch

Von Stephanie Schwaderer, Bad Heilbrunn

Seine Bücher hätte er nicht im Sitzen schreiben können, sagt Robert Macfarlane. Der 41-Jährige gilt als Pionier des britischen "Nature Writing". Am Samstag, 9. Juni, liest er im Langen Haus der Stiftung Nantesbuch Texte über Moore, Wälder und Berge - uralte Protagonisten also, die sich vor Ort eindrucksvoll präsentieren. Zudem spürt er im Austausch mit dem Publikum verloren gegangenen Worten nach. Die Lesung in englischer Sprache wird mit kurzen Gesprächen aufgelockert, die Jörg Garbrecht, Programmleiter der Stiftung, moderiert.

Was bedeutet "Nature Writing"? Garbrecht wählt zur Erklärung ein einfaches Beispiel. Jeder kenne den Moment, ehrfürchtig vor einem 200 Jahre alten Baum zu stehen und sich zu fragen: Wie sah es damals hier aus, was ist seither geschehen? Macfarlane beginne in solchen Momenten mit einer fundierten Recherche. "Seine Texte drehen sich um die komplexen Fragen unserer Beziehung zur Natur, zum Klima, zur Landschaft, zum Leben." Die Antworten seien erhellend und inspirierend - "und können formidabel im Sitzen gelesen werden". Der Brite fächere vor dem inneren Auge Landschaften auf und lasse den Leser in faszinierende Welten eintauchen.

Die Veranstaltung im Langen Haus bildet den Abschluss eines mehrtägigen Seminars zum Thema "Nature Writing" des British Council in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus München und der Stiftung Nantesbuch. Macfarlane liest Passagen aus seinen Werken "Mountains of the Mind" (deutsch: "Berge im Kopf") und "The Old Ways" ("Alte Wege"). Zudem hat er bislang unveröffentlichte Texte über Eis, Gletscher und Sprache ausgewählt sowie Auszüge aus "The Lost Words".

Zu diesem Werk habe ihn das Oxford Dictionary gebracht, erzählt Garbrecht. In einer neuen Ausgabe habe er bemerkt, dass ein Wort für Reiher getilgt worden war. "Mit den Worten verschwindet jedoch auch das Wissen um die kulturellen Zusammenhänge", so Garbrecht. Macfarlane halte die Erinnerung an sie durch Posts lebendig, die er regelmäßig an seine Twittergemeinde verschickt (@RobGMacfarlane). Zugleich freue er sich, wenn ihm Worte zugetragen werden. Über Twitter sammelt er auch Fragen und Vorschläge, die in die Diskussion am Samstag einfließen können. Wer über keinen Twitteraccount verfügt, kann alternativ eine Mail an Jörg Garbrecht (jg@stiftung-nantesbuch.de) schreiben.

Samstag, 9. Juni, 18.30 Uhr, Langes Haus der Stiftung Nantesbuch, Karpfsee 12, Karten zu 12/8 Euro

© SZ vom 07.06.2018
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