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Bad Heilbrunn:Kulturzentrum zwischen Wald und Moor

Die Altana-Stiftung hat große Pläne auf dem Areal des Gutes Nantesbuch - sie will bis zu 50 Millionen Euro investieren, um dort das Großprojekt "Landschaftsraum Kunst und Kultur" zu realisieren. Die Anwohner sind beunruhigt.

Auf Gut Nantesbuch trifft man in der Regel ein paar Pferde an, einen Mäusebussard und manchmal auch einen Menschen. Dies könnte sich bald ändern. Die Altana-Kulturstiftung, hinter der die BMW-Erbin Susanne Klatten steht, hat große Pläne mit dem zwischen Moor und Wald gelegenen Hügel nordwestlich von Bad Heilbrunn. Im Gespräch ist ein Kultur- und Bildungszentrum, das rund 100 000 Besucher jährlich anziehen soll. Offiziell will sich derzeit kaum jemand zu diesen Plänen äußern. Anwohner fürchten indes um ihre Heimat.

Noch gehört Nantesbuch der Stadt München. Diese hat das östlich der Loisach gelegene Gut - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Penzberger Stadtteil westlich der Loisach - 1962 übernommen. Vor vier Jahren fasste der Münchner Stadtrat den Beschluss, das 410 Hektar große Anwesen mit der Begründung, dass es sich landwirtschaftlich nicht mehr rentabel führen lasse, zu verkaufen. Seit zwei Jahren laufen die Verhandlungen mit der Altana-Stiftung in Bad Homburg.

Beide Seiten haben Stillschweigen vereinbart. Mittlerweile kursiert jedoch ein Konzeptpapier im Landkreis, das dem Kommunalausschuss der Stadt München im April in nichtöffentlicher Sitzung vorgelegt wurde. Demnach würde die Stiftung zwischen 40 und 50 Millionen Euro investieren, um das Gut in einen "LandschaftsRaum Kunst und Natur" zu verwandeln. Dieser würde neben Konzert-, Ausstellungs- und Schulungsräumen eine Gastronomie und ein Gästehaus umfassen, ebenso Stipendiaten-Appartements, Depots und Werkstätten.

Zudem sollen 700 zeitgenössische Kunstwerke zum Thema Natur, die im Besitz der Stiftung sind, in einer Art Freilichtmuseum präsentiert werden. "In dieser abgeschiedenen Wiesen-, Filz- und Mooslandschaft können sensibel eingefügte Kunstorte und Gebäude den besten Rahmen zum Naturerlebnis und zur Kunsterfahrung geben", heißt es in dem Papier. Geplant sind zudem wissenschaftliche Begegnungen zu ökologischen und kulturellen Fragen, interdisziplinäre Veranstaltungen mit Künstlern internationalen Ranges sowie Schulungen für 8000 bis 10000 Kinder jährlich.

Für die angeschlossene Hofstelle Karpfsee, eine Hügelkuppe weiter gelegen, wird eine forst- und wasserwirtschaftliche Forschungsstätte ins Auge gefasst. Im Kommunalreferat der Stadt München will man sich derzeit nicht dazu äußern, ob dieses Konzept noch immer die Verhandlungsgrundlage bildet. Von Seiten der Stiftung heißt es lediglich, man hoffe auf eine baldige Unterzeichnung des Kaufvertrags.

Ich weiß definitiv sehr wenig", sagt Thomas Gründl, Bürgermeister von Bad Heilbrunn. Eine Kunstakademie hätte in seinen Augen durchaus "Potential", sofern die Infrastruktur stimme. Die Frage, wo Besucher parken sollen, müsse ebenso geklärt werden wie die der Unterbringung und der Zufahrt. Die Gestaltungsmöglichkeiten der Gemeinde schätzt Gründl als groß ein: "Ohne die Gemeinde gibt es keinen Bebauungsplan." Ähnlich äußert sich der Bad Heilbrunner CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber. Er sagt: "Wenn man die Sache mit Augenmaß angeht, könnte das eine wertvolle Bereicherung für die Gemeinde und die ganze Region sein."

Unter den Anwohnern der umliegenden Gemeinden weckt das Projekt Interesse, aber auch Ängste und Sorgen. Ungewissheit herrscht insbesondere bei den 16 Mietern, die zum Teil seit 40, 50 Jahren in Nantesbuch und Karpfsee leben. "Das ist schlimm", sagt ein Mann, der nicht namentlich genannt werden will. Seit November gehe das Gerücht, dass sie ausziehen müssten. Offiziell hätten sie von der Stadt aber noch immer nichts gehört.

Das hier ist ein besonderes Platzl", sagt er. "Man kann nur hoffen, dass das Riesending nicht alles kaputt macht."

© SZ vom 11.08.2012
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