Angeklagter ist sich keiner Schuld bewusst Unfallflucht mit Schulbus

Gericht verurteilt 73-jährigen Fahrer zu knapp 2000 Euro Geldstrafe

Von Benjamin Engel, Egling

Was er mit der Kollision zu tun haben sollte, verstand der 73-jährige Schulbusfahrer nicht. "Ich habe nicht gesehen und nicht gehört, dass ein Unfall war", sagte der Geretsrieder am Montag in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Wolfratshausen. Anfang Juni hatte er mit dem Bus voller Schulkinder gegen 7.45 Uhr an der Kreuzung von Argeter Straße und Staatsstraße 2368 angehalten. Als ein Lastwagen in seine Straße einbiegen wollte, setzte er zurück. Die Autofahrerin hinter ihm stieß ebenfalls zurück und krachte gegen ein weiteres Fahrzeug. Der 73-Jährige fuhr mit dem Schulbus einfach weiter. Wegen Unfallflucht wurde er deshalb von Amtsrichter Helmut Berger zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 65 Euro, insgesamt zu 1950 Euro, verurteilt.

Grundsätzlich gilt, dass jeder an einem Unfall beteiligt ist, wenn er mit seinem Verhalten zu eben diesem Unfall beigetragen hat. Insofern wäre der Busfahrer verpflichtet gewesen, seine Personalien anzugeben. Er hätte nicht einfach davon fahren dürfen, begründete Richter Berger seine Verurteilung. Einer Schuld war und ist sich der Senior allerdings nicht bewusst. Der Lastwagen habe in die Argeter Straße abbiegen wollen, erzählte er. Im Rückspiegel habe er mehrere Fahrzeuge gesehen und sei ganz langsam nach hinten gefahren. Was hinter dem Bus passiert sei, habe er nicht mitbekommen. Eine Frau sei zur Fahrertür gekommen, worauf er ausgestiegen sei, so der 73-Jährige. Sie habe gesagt, dass sie wegen ihm ebenfalls habe zurücksetzen müssen. Dadurch sei sie auf ein weiteres Auto hinter ihr gekracht. "Ich habe gesagt, das ist ihr Problem." Er sei wieder in den Bus eingestiegen und weitergefahren.

Schon länger war die 35-jährige Wolfratshauserin hinter dem Bus unterwegs gewesen. "An der Kreuzung haben wir gewartet", sagte sie. Plötzlich habe der Bus zurückgesetzt. Sie habe wiederholt gehupt. Der Bus sei dennoch weiter auf ihr Auto zugekommen. "Ich war komplett in Panik, habe den Rückwärtseingang eingelegt. Unglücklicherweise bin ich dem Fahrzeug hinter mir draufgefahren." Sie sei ausgestiegen und habe den Busfahrer informiert, dass sie die Polizei verständigt habe "Ich wollte, dass er da bleibt." Doch der Mann sei weggefahren.

Am Auto am Ende der Kette entstand ein Sachschaden von etwa 2700 Euro. Dessen Fahrer, ein 59-jähriger Tankwart, bestätigte die Schilderungen der Wolfratshauserin. Demnach habe die Frau den Busfahrer aufgefordert zu warten, weil sie die Polizei gerufen hatte. Der Tankwart wunderte sich, warum der Busfahrer vom Hupen nichts mitbekommen haben will. Schließlich hätten er und die Frau mehrmals gehupt. "Meine ist so laut, die hätte er hören müssen."

Der Busfahrer hatte aus Sicht der Staatsanwältin bewusst Unfallflucht begangen. Für eine Verurteilung reiche aus, dass er am Entstehen der Kollision beteiligt war, sagte sie und forderte ebenfalls eine Geldstrafe in Höhe von 1950 Euro. Der Busfahrer fühlt sich unschuldig. Die Frau habe die Polizei nicht erwähnt, widersprach der Geretsrieder. "Ich bin in meinem Leben das erste Mal im Gerichtssaal. Ich habe nichts gemacht."