Aktuelle Ausstellung Vollendet wiederholt

Gefäße von Young-Jae Lee im Kloster Beuerberg

"Hingabe" lautet der Titel einer Keramik-Ausstellung im Gartenpavillon des Klosters Beuerbergs, in der sich christliche Mystik und fernöstliche Traditionen verbinden. Die koreanische Künstlerin Young-Jae Lee präsentiert Gefäße, die durch Zurückgenommenheit und formale Perfektion bestechen. Angelehnt an die koreanische Tradition, liegt ihr nichts daran, immer wieder neue Formen zu erfinden. Vielmehr strebt sie nach der Beherrschung ihres Handwerks. "Jedes Gefäß ist eine Meditation", sagt sie. "Aus der Wiederholung entsteht die vollkommene Schönheit einer Form." Die tägliche Arbeit an der Drehscheibe empfindet die 1951 in Seoul geborene und mehrfach ausgezeichnete Künstlerin als "eine Art Exerzitium".

"Hingabe": Seit 50 Jahren erschafft die koreanische Künstlerin Young-Jae Lee immer wieder die gleichen Formen.

(Foto: Diözesanmuseum Freising/Thomas Dashuber)

In Beuerberg zeigt Lee kleine und große Schalen, Spindelvasen und S-förmige Vasen. "Das ist alles, was ich kann", sagt sie. Immer wieder bekäme sie gesagt, dass diese Arbeit nicht kreativ, nicht künstlerisch sei. "Aber ich bin stolz, eine Töpferin zu sein." Das Individuelle drücke sich im Handwerklichen aus. Seit 1987 lebt sie in Essen, wo sie eine angesehene Manufaktur aufgebaut hat: Die Keramische Werkstatt Margaretenhöhe beliefert weltweit Kunden mit hochwertigem Geschirr. Zudem bildet Lee dort auch aus: "Die einzigen zwei Lehrlinge in ganz Nordrhein-Westfahlen", wie sie betont.

Die Schalen sind auch Meditation für Lee.

(Foto: Diözesanmuseum Freising/Thomas Dashuber)

Von Bayern ist sie nicht nur wegen der Landschaft begeistert, sondern auch deshalb, "weil es das einzige Bundesland ist, in dem das Handwerk noch angesehen und hochgehalten wird". Kontakte in den Süden Deutschlands knüpfte sie in den Jahren 2006 und 2008, als sie in der Pinakothek der Moderne in München ausstellte. Dort lernte sie Christoph Kürzeder, den Direktor des Diözesanmuseums Freising, kennen. Als Kürzeder die Idee entwickelte, aus dem verwaisten Kloster Beuerberg einen Ausstellungsort zu machen, war Lee Feuer und Flamme. Mittlerweile läuft in dem alten Gemäuer die zweite große Sonderschau unter dem Titel "Klausur - Sehnsuchtsort Kloster". Lee bespielt mit ihrer Keramik den schwarzen Pavillon. Um die Mittagszeit sei es dort am schönsten, sagt sie. Dann sei das Licht ideal. "Und dann fällt der Blick nach draußen auf die grünen Wiesen und die Pfingstrosen: Das ist wie das heilige Jerusalem!"

Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen, 10 bis 18 Uhr; Infos unter www.dimu-freising.de