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Wagner im Königswinkel:Ritterschlag

Oksana Lyniv dirigiert in Füssen

Von Sabine Reithmaier

Es ist ja wirklich nicht so ganz leicht, in diesen Zeiten ein neues Festival zu installieren. Davon kann Florian Zwipf-Zaharia ein Lied singen. Eigentlich hätten die von ihm initiierten und geleiteten Musikfestspiele Königswinkel im Festspielhaus Neuschwanstein schon im Herbst 2020 starten sollen. Doch die Pandemie wusste das zu verhindern. Jetzt nimmt Zwipf-Zaharia einen neuen Anlauf, um es in Füssen wieder wagnern zu lassen.

Freilich hatte er in der Pressekonferenz, in der er seine Pläne vorstellte, erst eine neuerliche Verschiebung zu verkünden. Denn die für den 28. und 29. April geplanten konzertanten Aufführungen der "Walküre" können aus üblichem Grund nicht stattfinden. Ein neuer Termin wird noch gesucht. Bessere Chance auf Realisierung haben die in den Herbst verschobenen, eigentlichen Festspiele, geplant vom 29. September bis 3. Oktober.

Das Festspielhaus kennt Zwipf-Zaharia gut, war er doch von 2017 bis Juli 2018 als Intendant hier engagiert. Jetzt kehrt er als Geschäftsführer der Königswinkel-Kultur gGmbH wieder an den Ort zurück, davon überzeugt, dass Wagner sehr gut in das Füssener Haus passt. Schließlich hat man vom Theater aus einen direkten Blick auf Schloss Neuschwanstein. Wagner hat seinen Bewunderer und Mäzen Ludwig II. auch im elterlichen Schloss in Hohenschwangau besucht. Die Wirkung des Komponisten auf den König spürt man freilich in Neuschwanstein besser, dort finden sich in der Innenausstattung Motive aus "Parsifal", "Tannhäuser" und "Lohengrin".

Wie auch immer, im Moment sieht es fast so aus, als wäre es ein Glück für das private Festspielhaus, dass es im letzten Jahr nicht geklappt hat. Denn nachdem die eigentlich verpflichtete Brünner Philharmonie wegen einer Konzerttournee in England absagen musste, ist es Florian Zwipf-Zaharia gelungen, die Dirigentin Oksana Lyniv für die Aufführung von "Tristan und Isolde" zu gewinnen.

"Eine glückliche Fügung", fand Zwipf-Zaharia, während Theaterdirektor Benjamin Sahler von einem "Ritterschlag" für sein Haus schwärmte. "Wenn jemand direkt von Bayreuth aus zu uns kommt." Dort eröffnet nämlich die ukrainische Dirigentin die Festspiele mit der Neuproduktion des "Fliegenden Holländers". Sie ist die erste Frau am Pult in der Geschichte der Bayreuther Festspiele und, wenig später, natürlich auch die erste Frau in der noch sehr jungen Geschichte der Musikfestspiele Königswinkel.

Für den leidgeprüften Theaterdirektor Sahler, dessen Haus schon über ein Jahr geschlossen ist, war das endlich mal eine wirklich gute Nachricht. Oksana Lyniv bringt das Kiev Symphony Orchester mit, singen werden in der Produktion der Richard Wagner Festspiele Wels unter anderem Peter Seiffert, Lioba Braun, Matti Salminen und Hermine May.

"Ich war schon als Studentin fasziniert von Wagner", sagte Lyniv, aus Odessa der Pressekonferenz zugeschaltet. Schloss Neuschwanstein habe sie schon mehrmals besucht, dort auch die mystische Verbindung zwischen König und Komponisten gespürt. Wagners Musik habe so viel Kraft, schwärmte sie und beschwor deren magische Wirkung. Wäre wirklich schön, wenn es ihr gelingen würde, diese Kraft auf das Pandemie erschöpfte Publikum zu übertragen.

© SZ vom 03.04.2021
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