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Vorschlag-Hammer:Nochmal von vorn

Wiederholung kann einen fuchsteufelswild machen. Irgendwann ist die Botschaft einfach angekommen. Fertig. Andererseits gibt es Situationen, in denen man gerne zum Wiederholungstäter wird

Stellen Sie sich bitte einmal vor, vor, vor, es würde sich alles ganz oft, oft, öfter wiederholen. Zum Beispiel in einer Kolumne wie dieser oder jener. Das würde mich ganz fuchsteufelswild, wild, wild machen, weswegen ich auch gleich aufhöre mit dieser Wiederholungsnummer. Wiederholen muss ich mich trotzdem: Das scheint ja gar nicht mehr anders zu gehen in Zeiten wie diesen, die so turboschnell, schnell sind, dass man lieber alles ein-, zwei-, dreimal sagt. So wurde auch in dieser Zeitung schon oft, oft, öfter geschrieben, was für ein fabelhafter Film die südkoreanische Sozialsatire Parasite sei: komisch und tragisch zugleich, voller Wendungen und geistreicher Spitzen! Spätestens seit dem Siegeszug bei den Oscars muss man das auch keinem mehr sagen, die Botschaft ist angekommen.

Die Münchner wissen das sowieso schon seit letztem Sommer, als Regisseur Bong Joon-ho zu Gast beim Filmfest war. Beim Publikumsgespräch im Gasteig erzählte er, dass er seine Drehbücher am liebsten in Cafés schreibe: Alle zwei Stunden würde er weiterziehen, von Café zu Café, die dort aufgeschnappten Geschichten der Gäste ließe er dann in seine Filme einfließen. Seitdem achte ich bei Kaffeehausbesuchen auf schreibende Gäste und überlege mir, ob ich ihnen ein paar Schwänke aus meinem Leben erzählen soll - es könnten ja zukünftige Oscargewinner sein. Zurück zu "Parasite": Sollten Sie den Film noch nicht kennen oder ein zweites, drittes, viertes Mal sehen wollen, ist es nicht zu spät: Der Film läuft noch in den Kinos, seit dem heutigen Donnerstag übrigens auch in einer Schwarz-Weiß-Version. So etwas braucht Roman Polanski nicht: Er hat aus seinem neuen, ebenfalls sehenswerten Film Intrige fast alle Farben herausgedreht, in Schwarz-Weiß würde er gar nicht viel anders aussehen. Es geht um die Dreyfus-Affäre, die zwar allbekannt ist, trotzdem kennen sie viele nicht (mehr). Es ist also gut, diese Geschichte über Fanatismus und Antisemitismus wieder zu erzählen, Kino ist ja auch eine Art Erinnerungsmaschine.

Im Kinosessel werde ich gern zum Wiederholungstäter, manche Filme verändern sich in der Wahrnehmung ja schon nach wenigen Jahren. Aktuell würde ich gerne die älteren Werke von Bong Joon-ho nochmal sehen, Okja, Mother oder Memories of Murder etwa. Die gibt es jederzeit bei Netflix oder Amazon Prime, noch schöner wären sie aber auf der großen Leinwand. Vielleicht plant ja ein Kino gerade eine Bong-Retro? Ebenfalls auf meiner Liste stehen derzeit Guy Ritchies Filme. Dessen jüngster Streich The Gentlemen läuft in zwei Wochen in den Kinos an, er knüpft darin an seine alten Erfolge Snatch und Lock, Stock & Two Smoking Barrels an. Diese Filme kann man sich auch Jahre später noch ansehen, wieder und wieder.

© SZ vom 13.02.2020

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