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Vorschlag-Hammer:Gut verpackt

Manche Titel reichen, um einen neugierig zu machen auf eine Ausstellung, eine Tagung, eine Diskussion. Und vielleicht lohnt es sich, diesem Reiz nachzugeben und herauszufinden, was dahinter steckt

Kennen Sie das auch: Den Titel einer Ausstellung oder einer Veranstaltung lesen und sich spontan zu denken, das würde ich gern sehen. Oder: Da wäre ich gern dabei. Vermutlich liegt das an den angenehmen Assoziationen, die so ein Titel auslöst. Ein blauer Himmel beispielsweise.

So nennt sich die aktuelle Ausstellung von Çiğdem Aky, einer 1989 in München geborenen und hier auch lebenden Künstlerin. Die junge Malerin, die an der Akademie bei Jerry Zeniuk und später in Karlsruhe bei Helmut Dorner studiert hat, schafft mit dem Pinsel ungeheuer dichte, abstrakte Farbräume. Ins Zentrum jedes Bildes setzt sie eine farbige, rechteckige Fläche ohne erkennbare malerische Struktur. Auf diese Weise vereint sie gestische mit konstruktiver Malerei. Sie selbst bezeichnet ihren künstlerischen Ansatz übrigens als malerische Forschung. Wer die Gemälde sehen will, muss allerdings nach Memmingen fahren (bis 26. 4., Mewo Kunsthalle Memmingen).

Ein anderer Titel, der mich anspricht, ist Auswildern. So nennt sich das erste Fachsymposium, das die Stiftung Nantesbuch in ihrem "Langen Haus" in Bad Heilbrunn veranstaltet. In diesen so kontrollierten Zeiten hört sich das irgendwie gut an. Freilich geht es in dem dreitägigen Seminar nicht darum zu lernen, wie man halbzahme Tiere wieder langsam ins Leben auf freier Wildbahn zurückführt, auch werden keine kultivierten Pflanzen ausgesetzt. Ausgewildert und damit von der Theorie in die Praxis überführt werden sollen Ideen und Konzepte aus Kunst und Natur in die Bildungslandschaft, profitieren sollen davon in erster Linie Lehrerinnen und Lehrer.

Bevor es mit den Workshops losgeht, wird das Seminar mit einem Impulsreferat der Psychologin und Autorin Adrienne Goehler eröffnet. Sie ist nicht nur ein Gründungsmitglied der Grünen, sondern war auch Präsidentin der Kunsthochschule Hamburg (1989 bis 2001) und danach Wissenschaftssenatorin in Berlin. Seit 2010 tourt sie weltweit mit der von ihr kuratierten, hochgelobten Ausstellung "Zur Nachahmung empfohlen! Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit". Geboten wird während der drei Tage laut Pressemitteilung ein Marktplatz der Ideen mit reichlich Gelegenheit zur gegenseitigen Vernetzung (Mittwoch, 4. März, bis Freitag, 6. März, Infos unter stiftung-nantesbuch.de/auswildern2020).

Die Vernetzung haben der Zeichner und Bildhauer Christian Jasper und der Maler Jochen Pankrath bereits hinter sich. Ihre Ausstellung, unter dem griffigen Titel Tête-à-Tête in Dachau zu sehen, ist das Resultat eines intensiven Dialogs mit dem Ziel, Malerei und Skulptur zu einem Gesamtkunstwerk zu verbinden. Jasper, 52, lebt als Zeichner und Bildhauer in München, der Maler Jochen Pankrath, 38, wohnt in Fürth. Viele ihrer Arbeiten entstanden im gegenseitigen Austausch.

Entstanden ist eine witzige Schau, die einerseits wie ein privates Kunstlager wirkt, andererseits aber doch museal präsentiert wird. Ihre Kunst wechselt nicht nur zwischen der Zwei- und der Dreidimensionalität, sondern verwischt auch die Grenzen zwischen Malerei und Skulptur. Immer wieder finden sich Querverweise, kunsthistorische Anspielungen, versteckte Referenzen zu anderen Werken und Titeln (Tête-à-Tête, bis 22. 3., Di. bis So., 13 bis 17 Uhr. Neue Galerie, Konrad-Adenauer-Straße 20, Dachau).

© SZ vom 19.02.2020

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