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Die quirlige Saison 2021/22 des Münchner Rundfunkorchesters

Von Rita Argauer

Der Blick nach Osten ist musikalisch bekannt. Das russische Repertoire wird hier oft gespielt, gehört zum Kanon. Doch was das Münchner Rundfunkorchester unter seinem Chefdirigenten Ivan Repušić zeigt, ist besonders. Der Osten ist nicht nur Russland. Der gebürtige Kroate Repušić lenkte in den vergangenen Spielzeiten besonders den Blick auf den südlicheren Osten. Auf seine Heimat und deren Nachbarländer.

Doch in bisher keiner Saison zeigte sich diese Linie so stark wie in der, die das Rundfunkorchester nun vorgestellt hat. In der Jubiläumsspielzeit 2021/22 - es ist die 70. des Klangkörpers - gibt es unter anderem eine zeitgenössische slowenische Johannes-Passion von Damijan Močnik (in der Reihe "Paradisi Gloria" am 5. März) und den kroatischen Pianisten und Komponisten Dejan Lazić als Artist in Residence. Der spielt am 20. Oktober sein Klavierkonzert im istrischen Stil, für dessen Ersteinspielung sich das Rundfunkorchester auch verantwortlich zeigt, dazu gibt es die Istarska suita (Istrische Suite) für Orchester von Natko Devčić. Die istrische Volksmusik sei ganz und gar aufregend, erklärt Repušić. Ganz eigen, der lateinischen und slawischen Einflüsse wegen. "Es gibt sogar eine istrische Tonleiter", fügt er an, der stolz ist diese musikalischen Brückenschläge so fortführen zu können.

Doch Brückenschläge gelingen dem Orchester nicht nur länderübergreifend, sondern 70 Jahre nach seiner Gründung auch noch mit Leichtigkeit stilübergreifend. Da gibt es große, selten gespielte Opern wie in den Sonntagskonzerten mit frühen Werken Rachmaninows oder Alfredo Catalanis "La Wally" (als Jubiläumsfestkonzert am 3. April), genauso wie die Lust an der orchestralen Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts (besonders in zwei Mittwochskonzerten mit Radiomusiken und Filmmelodien der Fünfzigerjahre am 6. April und 1. Juni). Das wiederum beißt sich in diesem flexiblen Orchester überhaupt mit der mittlerweile auch 20 Jahre alten Reihe "Paradisi Gloria" mit oft so berührender wie ernster und bisweilen sperriger moderner und zeitgenössischer sakraler Musik. Das erste Konzert hier am 3. Dezember mit Karl Amadeus Hartmanns Concerto funebre von 1939, komponiert als Reaktion auf den Einmarsch der Deutschen in Polen.

Dazu kommt das Musikvermittlungsformat "Klassik zum Staunen", das sich im Coronajahr in ein digitales Komponisten-Rätselspiel verwandelt hat und 21/22 aber auch live fortgesetzt wird. Das Thema: Musikalische Reisen, etwa zu den Planeten von Gustav Holst (15./16. Oktober) oder mit Konstantin Weckers "Paulas Reisen" (4./5. Februar). Letzteres findet in Kooperation mit der Theaterakademie August Everding statt - ebenfalls eine Zusammenarbeit, die man weiterführen und den Nachwuchssängern so Bühnenerfahrung ermöglichen möchte.

Voller Hoffnung präsentiert Orchestermanagerin Veronika Weber also ein buntes, fülliges Programm, das noch durch einige Nachholkonzerte (etwa Rossinis "Comte Ory" am 12. Dezember) ergänzt wird. Außerdem soll 21/22 auch endlich die Tournee des Orchesters in Bayerische Schlösser und Residenzen stattfinden, die nun schon zweimal geplant und wieder abgesagt werden musste.

© SZ vom 10.06.2021
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