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Vorbereitung auf Protestaktion am 19. Mai:Gold gegen Braun

Nachhaltige Aktion: Nach der Demonstration am 19. Mai soll die Folie zu Würfeln gepresst werden.

(Foto: Robert Haas)

Bündnis kämpft gegen Rassismus, "Die Vielen" wählen glänzende Folie als Symbol

Gold glänzend sind die Anstecker, gold glänzend die aufgehängten Plakate auf denen steht: "Wir sind Viele! Jeder einzelne von uns". "Glänzende Demonstration der Vielen" heißt auch der Protest, der für den 19. Mai in München geplant ist. "Die Vielen" ist ein Zusammenschluss von Kultureinrichtungen und Einzelpersonen, die sich für eine offene Gesellschaft, gegen rechte Gewalt und Rassismus engagieren. Gegründet wurde das Bündnis bereits vergangenen November nach den Ausschreitungen in Chemnitz. Der bayerischen Landesgruppe der "Vielen" haben sich inzwischen 170 Kultureinrichtungen angeschlossen, darunter alle namhaften Häuser sowie Kulturverbände und jede Menge kleinere Gruppen, die sich unter dem Begriff Kultur subsumieren lassen.

Bei einer Pressekonferenz im Gärtnerplatztheater (ebenfalls bei "Die Vielen") stellten fünf Vertreter aktuelle Pläne des Bündnisses vor: Matthias Lilienthal (Intendant Kammerspiele), Lesslie Pikazo (Aktionsgruppe Polizeiklasse), Sophie Becker (Künstlerische Leiterin Spielart), David Süß (Harry Klein und Verband Münchner Kulturveranstalter), Michael Buhrs (Direktor Villa Stuck) und Joshua Neumann (Koordinator der Münchner "Die Vielen"). Der Reihe nach sprachen sie sich dezidiert für das Bündnis aus. Die meisten Künstler und Institutionen hätten bereits rassistische und rechte Tendenzen zu spüren bekommen, sei es durch Beschwerden wegen bestimmter Veranstaltungen oder gezielte Beleidigungen von Künstlern ausländischer Herkunft.

Das Bündnis richtet sich auch gegen eine Vereinnahmung der Kunst durch Parteien wie die AfD. "Wir wollen viele sein", sagt Matthias Lilienthal, "im Gegensatz zu den Einzelnen wie Alexander Gauland, die ihr Zeugs in Talkshows verbreiten dürfen." Dadurch entstünde der Eindruck, diese anderen seien mehr, als sie eigentlich sind. Man könne, so David Süß, nur über den Zusammenschluss stark sein. Sophie Becker von Spielart bedauert, dass sie als Kuratorin eines internationalen Festivals darüber nachdenken müsse, ob sie ihre internationalen Künstler schützen müsse.

Die Pläne des Bündnisses sind noch recht vage. Es geht - wie in der eigens verfassten "Bayerischen Erklärung der Vielen" beschrieben - vor allem um den sichtbaren Zusammenschluss gegen rechts. Am 19. Mai wird es in mehreren deutschen Städten Demos geben, in München startet sie um zwölf Uhr am Odeonsplatz. Für November ist zudem eine Aktionswoche in München geplant. Wer möchte, kann sich in den kommenden Tagen in den Kammerspielen mit ein paar Metern goldener Folie eindecken, dem Symbol der "Vielen", und sie sichtbar tragen. Die Folie soll an die Rettungsdecken der Feuerwehr erinnern und somit daran, dass jeder Mensch das Recht auf Schutz hat sowie auf ein "glänzendes Leben", so Michael Buhrs. Nach der Demonstration wird die Folie - sehr nachhaltig - zu goldenen Würfeln gepresst, die als mahnendes Denkmal in der Stadt aufgestellt werden sollen.