Viertel-Stunde Spaziergang in die Vergangenheit

Seit 20 Jahren in Waldperlach zu Hause: Irene Daschner

(Foto: Privat)

Irene Daschner erlebt bei ihren Rundgängen durch Waldperlach täglich den Kontrast zwischen Historie und aktueller Stadtentwicklung

Kolumne Von Elena Butz

Bei einem Gang durch die Sundergaustraße in Waldperlach kann man leicht den Eindruck bekommen, durch eine große Kunstinstallation zu laufen. Ihr Titel: Nachverdichtung. Als wäre es gewollt, dass der Unterschied zwischen älteren und neu gebauten Häusern ins Auge springt, stehen weißgraue Doppelhaushälften Zaun an Zaun mit Grundstücken, auf denen man die hölzerne Haustür hinter den knorrigen Bäumen und Beerensträuchern fast nicht entdeckt. Während in dem einen Garten Platz für eine Schaukel, ein Gemüsebeet und Liegestühle ist, vereinnahmt das Nachbarhaus fast die gesamte Fläche. "Hier, auf einem Grundstück, wo wahrscheinlich früher ein Ehepaar gewohnt hat, wohnen jetzt acht Parteien", sagt Irene Daschner ( und zeigt auf eines der neueren Häuser.

Sie wohnt seit 20 Jahren in Waldperlach. Als Vorstandsmitglied des Nachbarschaftsvereins Wape kennt sie das Viertel. Vereinzelt entdeckt man sie aber noch, die schmalen Häuser mit den spitzen Dächern. Sie sind teilweise Nachbauten der kleinen Holzhütten, die 1944 als Behelfsheime für die ausgebombten Münchner und Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs entstanden waren.

Je weiter man nach Osten in Richtung Putzbrunn weitergeht, desto älter ist die Siedlung. Der Siedlungsteil "Im Gefilde" ist im Jahr 2000 zuletzt dazugekommen, von dort aus bewegt man sich sozusagen immer weiter in die Vergangenheit des Viertels. "Was auch schön ist: zu entdecken, was die Leute hier auf ihren Häusern haben", sagt Irene Daschner. An mancher Hauswand sind gusseiserne Figuren und Lüftlmalereien zu entdecken. Folgt man der Waldperlacher Straße, ragt zwischen den Bäumen ein Kirchturm auf, der heute zur evangelischen Jubilatekirche gehört. Ursprünglich war er ein Wasserturm, der die ersten Siedler mit Wasser versorgte, bevor sie Anschluss an das Münchner System bekamen.

Ganz im Osten gelangt man an den Ausgangspunkt für die Entstehung Waldperlachs. Von 1911 an erholten sich hier Kameraden des Leibregiments, heute sitzen dort Besucher unter den Kastanien des Biergartens "Leiberheim".