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Viertel-Stunde:Rote Rosen für Carl

Ossietzkystraße

Die Laimer SPD ehrt Carl von Ossietzky.

(Foto: Privat)

Der von den Nazis verfolgte Journalist, Schriftsteller und Pazifist von Ossietzky wird bis heute geehrt. Nach ihm ist eine Straße in Laim benannt

Auf Höhe des Laimer Schlössls, parallel zum Laimer Anger, zweigt eine kleine Straße von der Agnes-Bernauer-Straße in südlicher Richtung ab. Die Ossietzkystraße, benannt nach einem der wohl bekanntesten politischen Publizisten der Weimarer Republik, Carl von Ossietzky (1889-1938). Aktuell prangen unter dem Straßenschild drei leuchtend rote Rosen. Aufgehängt hat sie der SPD-Ortsverein Laim zu seinem Gedenken. Am 4. Mai 1938 war der politisch engagierte Journalist und scharfe Gegner des Hitler-Regimes an den Folgen seiner Haft im Konzentrationslager Esterwegen in Niedersachsen verstorben. Die Erinnerung an diesen mutigen Mann aber blieb.

So wie auch die Nummer 562 mit seinem Namen verbunden geblieben ist, die ihm im KZ zugewiesen worden war. Auf einem Foto, das ihn 1934 als KZ-Häftling zeigt, stechen die Zahlen auf einem weißen Aufnäher hervor. Ossietzkys Gesicht ist blass, sein Blick in die Kamera wirkt jedoch abgeklärt, fast unnachgiebig.

Mit scharfer Feder hatte er als Herausgeber und Chefredakteur die Berliner Zeitschrift Die Weltbühne geführt, Missstände aufgedeckt und ist dabei oft mit der Justiz in Konflikt geraten. Weil die Zeitschrift, die als Forum der bürgerlichen Linken galt, auf die verbotene Aufrüstung der Reichswehr aufmerksam gemacht hatte, wurde er 1931 wegen Landesverrats und Verrats militärischer Geheimnisse zu 18 Monaten Haft verurteilt und erst vor Weihnachten 1932, nach 227 Tagen in Haft, vorzeitig entlassen.

Später stürzten sich die braunen Machthaber auf den radikal linken Demokraten, der in seiner Suche nach der Wahrheit die Schwächen und Defizite der jungen Republik kritisiert hatte. Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 verhafteten sie den engagierten Pazifisten. Erst 1936, kurz vor den Olympischen Spielen in Berlin, wurde Ossietzky aus dem KZ entlassen. Auf Druck der internationalen Öffentlichkeit erhielt er noch im selben Jahr rückwirkend für 1935 den Friedensnobelpreis. Die Auszeichnung in Oslo entgegennehmen durfte er nicht. Geehrt wird er bis heute. Auch die Universität Oldenburg trägt seinen Namen.

© SZ vom 30.05.2020

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