Viertel-Stunde:Eine besondere Nachbarschaft

Bildband Laim

Handwerk in Laim: Die Belegschaft der letzten Münchner Fassfabrik an der Straubinger Straße.

(Foto: Josef Stöger)

Für seinen neuen Bildband hat Fotograf Josef Stöger das Objektiv auf viele Details im Stadtbezirk Laim gerichtet

Kolumne von Christina Seipel

Auf den ersten Blick hinterlässt das ehemalige Bauerndorf Laim mit den hohen, schmucklosen Wohnblöcken entlang der stark befahrenen Fürstenrieder Straße und dem verkehrsreichen, einst größten Rangierbahnhof Europas einen urbanen, gar schmuddeligen Eindruck. Allzu häufig wird der Stadtbezirk im Münchner Westen unterschätzt. An die Wohnblöcke nämlich reihen sich hübsche Einfamilien- und Reihenhäuser, prachtvolle Villen mit großen Gärten und historische Wohnanlagen der Bahngenossenschaften. Auf diese Vielfalt richtet Josef Stöger, der sich selbst Laimer Fotograf nennt, in seinem neuen Bildband mit dem Titel "In der Nachbarschaft: Laim" sein Objektiv.

"Mit wachem Auge und dem Blick für Besonderes", wie Josef Mögele, der Vorsitzende des Laimer Bezirksausschusses (BA) es beschreibt, nimmt Stöger den Betrachter mit auf einen abwechslungsreichen Rundgang durch das Viertel, in dem heute mehr als 55 000 Menschen leben. In seinen Arbeiten aus den vergangen zehn Jahren zeigt der Laimer, dass auch die scheinbar banalen Dingen ihren Reiz haben; etwa der alte Wamsler-Küchenherd, der einige Zeit vor dem Aindorfer Hof stand, oder die Dachgauben alter Häuser mit Sprossenfenstern. Geradezu entrückt von Ort und Zeit wirken die kleinen beigen Häuser in der von Architekt und Stadtplaner Theodor Fischer gestalteten Bauhandwerkersiedlung an der Gunzenlehstraße, nur etwa 400 Meter entfernt von der vierspurigen Fürstenriederstraße. Laim gehöre zwar noch nicht zu den In-Stadtvierteln, aber gerade das mache seinen Charme aus, schreibt die dritte Bürgermeisterin und Laimerin Verena Dietl in ihrem Grußwort. "Hier legt man Wert auf gute Nachbarschaft."

Auch die Laimer selbst kommen in dem Bildband, für den Historiker Lothar Schmidt Text und Layout lieferte, nicht zu kurz. Die freundliche Standlfrau, die jede Woche Eier auf dem Bauernmarkt am Laimer Anger verkauft, gehört ebenso zur Nachbarschaft wie die Belegschaft der letzten Münchner Fassfabrik an der Straubinger Straße. Mit seinen Bildern gibt Stöger nicht nur einen Einblick in die Geschichte, die Entwicklung und das Wachstum Laims, sondern zeigt zugleich die Verbundenheit zu seinem Viertel, das einmal als kleines Bauerndorf begann.

© SZ vom 24.07.2021
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